Sportreport Nové Město na Moravě empfängt weltbeste Biathleten in neuem Look
Das kleine Städtchen Nové Město na Moravě / Neustadtl in Mähren, das gerade einmal 10.000 Einwohner zählt, ist an und für sich ein ziemlich verträumter Ort am Südrand der Saarer Berge (Žďárské vrchy). Von Mittwoch bis Sonntag aber ist es das Mekka des Biathlonsports, denn an diesen fünf Tagen gibt sich die komplette Weltelite der Biathleten bei gleich mehreren Weltcup-Rennen im Ostteil der Böhmisch-Mährischen Höhe ein Stelldichein. Dieser Premiere folgt schon im kommenden Jahr die Biathlon-WM in Nové Město na Moravě.
Foto: ČTK
Vor der Durchführung des ersten Biathlon-Weltcups in Nové Město na
Moravě stand neben dem Fleiß und Engagement von Seiten der Veranstalter
auch eine große Enttäuschung. Es war im Frühjahr 2009, als der
Internationale Skiverband (FIS) bekanntgab, dass für die Tour de Ski im
Jahr 2010 der Wintersportort am Oberlauf der Bobrůvka nicht
berücksichtigt wurde. Ein Schlag ins Gesicht für die emsigen
Organisatoren von der Böhmisch-Mährischen Höhe, denn ohne ihr Zutun in
den drei Jahren zuvor hätte das medienwirksame Etappenrennen der
Skilangläufer vermutlich gar nicht das Licht der Welt erblickt. Noch heute
schüttelt Jiří Hamza, einer der Cheforganisatoren der
Skisportveranstalter in Nové Město na Moravě, den Kopf über die
damalige Entscheidung der FIS:
Jiří Hamza (Foto: Archiv der Masaryk-Universität)
„Meiner Meinung nach war es damals nicht so sehr finanzieller Druck von
Seiten der FIS, sondern eine politische Entscheidung des Ski-Weltverbandes,
die uns aus dem Rennen warf. Die Weltcupläufe im Skilanglauf kommen wieder
zu uns zurück und wir glauben, dass dies von Dauer ist. Für die
Co-Ausrichtung der Tour de Ski haben wir wohl auch in Zukunft keine Chance,
von daher wollen wir stetig klassische Weltcup-Wettbewerbe ausrichten,
sowohl im Biathlon als auch im Skilanglauf.“
Um den Ansprüchen für Weltcup-Veranstaltungen aber dauerhaft gerecht zu werden, haben die Betreiber des Skisportareals in Nové Město na Moravě schon vor einigen Jahren weder Kosten noch Mühe gescheut, um die Anlage besonders für den attraktiven Biathlon auf Topniveau zu bringen. Dazu sagte Jiří Hamza:
„Die erste Etappe der Umbauarbeiten haben wir in den Jahren 2005 und 2006 durchgeführt, dafür haben wir insgesamt 120 Millionen Kronen investiert. Momentan stecken wir in der zweiten Etappe, die wir im Frühjahr 2011 begonnen haben und im Sommer dieses Jahres abschließen werden. Zur Verbesserung der kompletten Infrastruktur wenden wir zirka 300 Millionen Kronen auf. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir schon alles fertig gestellt bis auf die Errichtung eines Gebäudes für die Verwaltung, einige Unterführungen am Schießplatz und natürlich weitere Parkplätze.“
Skisportareal in Nové Město na Moravě (Foto: ČTK)
Die Hauptarbeit bei der Modernisierung der Skilanglauf- und
Biathlon-Anlage in Nové Město na Moravě ist also getan. Von daher haben
die Betreiber des Areals ihr neues Schmuckkästchen bereits kurz vor
Weihnachten feierlich eingeweiht. Auf das Geleistete sei man sehr stolz,
und besonders die Biathlon-Anlage könne sich wirklich sehen lassen, meint
Jiří Hamza:
„Ich denke, dass wir jetzt eines der modernsten Areale in Europa haben. Unsere Biathlon-Anlage braucht sich vor den traditionellen Strecken gerade in Deutschland nicht zu verstecken. Natürlich müssen wir, wie bereits erwähnt, bis zur WM im nächsten Jahr noch einige Bauten vollenden, doch ich glaube, dass wir schon heute den Sportlern und Zuschauern eine Sportstätte präsentieren können mit allem Komfort, die eine Weltcup-Veranstaltung erfordert.“
Václav Fiřtík (Foto: Archiv der IBU)
Auch Václav Fiřtík, der Chef des Tschechischen Biathlon-Verbandes, ist
begeistert von der neuen Strecke. Ihm haben es insbesondere zwei ganz
bestimmte Teilabschnitte angetan:
„Die Strecke entspricht den Erfordernissen des heutigen Spitzensports. Sie ist sehr anspruchsvoll, obwohl sie keine allzu langen Anstiege und Abfahrten besitzt. Aber das ist genau das Profil, das die Biathleten mögen. Zudem weist die Streckenführung ein paar spektakuläre Abschnitte auf – ich rede von den zwei über 50 Meter langen Röhren, dank denen die Athleten eine umliegende Landstraße unterqueren. Das wird für die Wettkämpfer sicher ein interessanter Moment werden, wenn sie auf einmal aus dem Sichtfeld der Konkurrenz verschwinden, am Ende jedes Tunnels aber wieder auf der Strecke zur Attacke blasen können.“
Nové Město na Moravě (Foto: Stadtarchiv)
Mit knapp 600 Metern Seehöhe liegt Nové Město na Moravě nicht gerade
weit oben in einer schneesicheren Zone. Trotz des bisher ziemlich milden
Winters aber sind die Organisatoren bestens auf die Austragung des Weltcups
vorbereitet. Und das vor allem durch die moderne Technik, über die sie
inzwischen verfügen:
„Die neuesten Schneekanonen sind bereits in der Lage, den Kunstschnee auch bei relativ hohen Temperaturen zu produzieren. Daher verfügen wir heute über eine Technik, die imstande ist, Kunstschnee schon bei minus einem bis minus zwei Grad Celsius herzustellen. Eine Anlage, die auf Stickstoff-Basis arbeitet, haben wir zwar nicht, denn das ist uns zu teuer. Im Rahmen unserer Möglichkeiten aber haben wir die modernste Technologie, und mit 26 Schneekanonen sind wir auch quantitativ gut aufgestellt“, sagt Jiří Hamza.
Skisportareal in Nové Město na Moravě (Foto: ČTK)
Deswegen sind die Organisatoren in Nové Město na Moravě auch ziemlich
optimistisch, dass das komplette Weltcup-Programm – beginnend mit dem
15-km-Rennen der Damen am Mittwoch und mit dem Verfolgungsrennen der Herren
am Sonntag zum Abschluss – auf bestens präparierten Loipen und zur
vollen Zufriedenheit der Biathleten über die Bühne geht. Und auch was die
Zuschauerresonanz betrifft, hegt man laut Hamza so einige Erwartungen:
„Nun, wir erwarten insgesamt zirka 40.000 Zuschauer an den fünf Tagen. Diese Zahl würden wir als großen Erfolg verbuchen. Ich glaube vor allem, dass die Leute besonders am Freitag, Samstag und Sonntag den Weg zu uns finden werden, denn dieser Weltcup ist für unsere Region etwas völlig Neues.“
Skisportareal in Nové Město na Moravě
Und es gibt noch eine erfreuliche Tatsache, die die Veranstalter auf ein
wahres Biathlonfest hoffen lässt, stellt Jiří Hamza mit Genugtuung fest:
„Die bisherigen Leistungen der tschechischen Biathleten spielen uns Gott sei Dank in die Karten, denn sie sind so gut in die Saison gestartet wie schon lange nicht. Bei den Männern haben wir zwei Biathleten unter den Top 10 der Weltcup-Wertung, was es, so glaube ich, bisher noch nicht gegeben hat. Und auch im Wettbewerb der gemischten Staffel haben wir mit dem zweiten Platz beim letzten Weltcup ein Erfolgserlebnis gehabt. Das ist, so glaube ich, die beste Einladung für den Weltcup bei uns.“
Skisportareal in Nové Město na Moravě (Foto: Archiv der Biathlon-WM 2013)
Biathlonfans, die die Rennen in Oberhof, Ruhpolding oder Antholz immer zu
einem Spektakel machen, dürften also auch in Nové Město na Moravě voll
auf ihre Kosten kommen. Zumal das Tschechische Fernsehen (ČT) und
Eurosport sämtliche Rennen live übertragen werden.
Ex-Profi Bittengel: Tipsport Cup ist tschechisches Topturnier im Winter
Tipsport Cup (Foto: ČTK)
Die Wintersportler stehen gegenwärtig also mitten in der Saison, die
Fußballer in Mitteleuropa hingegen bereiten sich intensiv auf die
Rückrunde in ihrer jeweiligen Liga vor. Für die finanziell ziemlich
schwachen Clubs in Tschechien kommt eine Vorbereitung in den wärmeren
Ländern des Südens zumeist nicht in Frage. Aus diesem Grund findet
hierzulande stets im Januar ein winterliches Vorbereitungsturnier statt,
das nach dem Namen des Hauptsponsors auch als Tipsport-Liga beziehungsweise
Tipsport Cup bezeichnet wird. Was es mit dieser Liga auf sich hat, dazu hat
Radio Prag mit dem ehemaligen Bundesliga-Profi und heutigen Sportdirektor
des Traditionsvereins Dukla Prag, Günter Bittengel, gesprochen:
Foto: Stock.xchng
Welchen Stellenwert hat die Liga für den tschechischen Fußball?
„Für den tschechischen Fußball ist es das Topturnier im Winter. Das Turnier wird deshalb als Liga bezeichnet, weil eine große Zahl von Vereinen – elf Mannschaften aus der ersten Liga und acht Mannschaften aus der zweiten Liga – daran teilnimmt. Das bedeutet, für viel Prestige und ein gutes Niveau der Spiele ist gesorgt. Und auch für die Zuschauer, die Fußballfans, ist es ein großes Sportevent, das im Winter schon eine lange Tradition hat.“
Günter Bittengel (Foto: Archiv Dukla Prag)
In diesem Jahr nimmt auch Ihre Mannschaft Dukla Prag an diesem Turnier
teil. Welche Bedeutung hat dieses Turnier für Ihre Mannschaft? Ist es für
sie nur ein Turnier zum Einspielen für die Liga oder hat es für sie auch
Prestigecharakter?
„Es hat auf jeden Fall Prestigecharakter, und für unsere Mannschaft geht es vornehmlich darum, sich in dieser Topliga gut zu präsentieren. Die Konfrontation mit guten Gegnern ist für unsere Spieler einfach wichtig. Im Winter ist es oft nur schwer möglich, gegen ausländische Vereine zu spielen, weil in anderen Ländern zumeist die Liga läuft. Von daher sind wir froh, das Winterturnier zu haben, da es den Spielern eine Reihe von Testspielen auf ziemlich hohem spielerischem Niveau ermöglicht.“
Stadion Dukla Prag (Foto: Archiv Dukla Prag)
Kann man denn sagen: Wer in der Winterliga gut spielt, der kommt auch gut
ins Frühjahr?
„Nun, wenn eine Mannschaft in der Winterliga gute Spiele zeigt, dann gibt das natürlich auch Selbstvertrauen und die Spieler gehen positiv gestimmt in den zweiten Teil der Saison. Insofern sind die Ergebnisse in der Tipsport-Liga schon wichtig für den Start in die Rückrunde.“






