Sportreport Leichtathletik-Meeting "Goldene Spikes" zu Super Grand Prix erklärt

11-06-2003 | Lothar Martin

Mit dem EM-Qualifikationsspiel Tschechische Republik gegen Moldawien am Mittwoch in Olomouc/Olmütz treten auch hierzulande die Fußballer in ihre mehr als sechswöchige Sommerpause. Das könnte ja bedeuten, dass aufgrund der wettkampffreien Zeit in den Publikumssportarten Fußball und Eishockey nun so was wie die "Saure-Gurken-Zeit" in der tschechischen Sportlandschaft auszubrechen droht. Doch dem ist mitnichten so. "König Fußball" weicht vielmehr der "Königin" unter den Sommersportarten, der Leichtathletik. Und gerade hier tun sich in diesem Jahr ganz neue Möglichkeiten auf. Denn das am Donnerstag im mährischen Ostrava/Ostrau stattfindende traditionelle Meeting "Zlatá tretra" - zu deutsch auch als "Goldene Spikes" bekannt - wird nicht nur zum bereits 42. Male ausgetragen, nein es ist auch in den Rang eines IAAF Super Grand Prix erhoben worden. Und das bedeutet ein erlesenes Feld der internationalen Extraklasse in den jeweils neun Herren- und Damendisziplinen, die auf der runderneuten modernen Anlage des SSK Vítkovice über die Bühne gehen werden. Und wir wollen Sie in den nachfolgenden Minuten schon etwas auf diesen sportlichen Leckerbissen einstimmen sowie sie darüber hinaus mit weiteren Aktivitäten und Ambitionen der tschechischen Leichtathleten vertraut machen. Zum heutigen Sportreport von Radio Prag begrüßen Sie dazu am Mikrofon Kilian Kirchgeßner und Lothar Martin.

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"Das wird für die Leichtathletik hier in Tschechien das Ereignis des Jahres", frohlockte ein gutgelaunter Miroslav Cernosek, der Geschäftsführer der mährischen Marketing-Agentur TK Plus, vor einer Woche auf der Pressekonferenz in Prag, als es galt, den anwesenden Medienvertretern die Neuerungen zu offerieren, die das auch weit über die Landesgrenzen hinweg bekannte Meeting in diesem Jahr zu bieten hat. Und diese Neuerungen können sich in der Tat sehen lassen. Die Aufwertung des Sportfestes in den Rang eines Super Grand Prix hat zum Beispiel zur Folge, dass in diesem Jahr nicht weniger als eine Million Euro an Start- und Preisgeldern an die in Ostrava an den Start gehenden Athleten ausgeschüttet werden. Und nicht wenige derjenigen, die ihr Kommen zugesichert haben, kann man getrost zum "Who is who" der internationalen Leichtathletik zählen. Allen voran den Weltleichtathleten des Vorjahres, den dreimaligen Weltmeister und Weltrekordinhaber über die 1500-m-Strecke, den Marokkaner Hicham El Guerrouj. Der 28-jährige Mittelstreckler will sich hierbei über die 5000-m-Distanz versuchen und peilt zudem eine Traumzeit von 12:50 min an. Bei dieser als Emil-Zátopek-Memorial ausgeschriebenen Konkurrenz wird er dabei auf erstklassige Kontrahenten u.a. aus Kenia, Äthiopien und Uganda treffen. Die starken Kenianer Lagat, Kipketer und Koech wiederum werden als Favoriten für den 1500-m und den 3000-m-Hindernislauf gehandelt. Der kubanische Olympiasieger Anier Garcia geht über die 110 m Hürden, der seit Juli 2001 unbezwungene Weltmeister Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik über die 400 m Hürden an den Start. Und auch bei den Frauen kann sich das Teilnehmerfeld mit Stabhochsprung-Weltrekordlerin Stacy Dragila aus den USA, der rumänischen 400-m-Hürden-Europameisterin Ionela Tirlea oder aber der "Grande Dame" auf den Sprintstrecken, der Jamaikanerin Merlene Ottey an der Spitze sehen lassen. Kein Wunder, dass auch das größte tschechische Leichtathletik-Ass, der dreifache Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordinhaber im Speerwerfen Jan Zelezný, der auch dabei ist, ins Schwärmen geriet, als ich mit ihm über das bevorstehende Meeting sprach:

"Also Ostrava, das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich freue mich immer wieder auf diesen Wettkampf, den dort ist ein ausgezeichnetes Publikum. Meistens habe ich zudem in Ostrava auch gute Leistungen abgeliefert, nun und das diesjährige Meeting bezieht seine Außergewöhnlichkeit schon dadurch, dass es ein Super Grand Prix ist. Sicher ist es noch nicht jedem bewusst, was das bedeutet, denn nach der Golden League handelt es sich um den größten Leichtathletik-Wettbewerb, der derzeit in Tschechien stattfinden kann. Und darüber bin ich sehr erfreut."

Aber nicht nur Jan Zelezný, "der Eiserne", ist sichtlich damit zufrieden, dass nun ebenso in seinem Heimatland solch ein erstklassig besetztes Sportfest stattfinden kann. Auch die Veranstalter selbst sind es. Meeting-Direktor Tomás Petera zeigt sich besonders beeindruckt vom Medieninteresse, dass den "Goldenen Spikes" diesmal entgegen gebracht wird. Rund 100 Journalisten aus elf Ländern haben sich akkreditieren lassen für die insgesamt 150 Minuten andauernden Wettkämpfe, die live oder als Aufzeichnung in nicht weniger als 130 Länder der Erde via TV übertragen werden. Ein hohes Maß an Vorschusslorbeer, dem die rührigen Organisatoren in Ostrava unbedingt gerecht werden wollen, wie mir Alfons Juck, der Veranstaltungsmanager, auf die Frage versicherte, ob man das Niveau des Meetings auch in Zukunft halten könne:

"Ja, ich denke schon, dass dieses Meeting gut ausfällt. Und wir alle glauben daran, dass es so sein wird, denn zur Zeit weiß ich von keinem Hindernis, dass uns dabei im Weg stehen könnte. In diesem Fall bekommt Ostrava seinen Status Super Grand Prix für weitere zwei Jahre bestätigt und somit wären für die nächsten beiden Jahre jeweils große Leichtathletik-Meetings in Ostrava garantiert, und zwar stets mit vielen Stars."

Der Status für eine Veranstaltung wird von der Internationalen Leichtathletik-Föderation immer für drei Jahre vergeben, so dass Ostrava von 2003 bis 2005 jeweils im Juni mit einem stets hochkarätig besetzten Golden-Spike-Meeting im Wettbewerbskalender verzeichnet ist.

Nur zweieinhalb Wochen nach den "Zlatá tretra", den "Goldenen Spikes" von Ostrava, findet in Prag ein nicht minder hochklassig besetztes Leichtathletik-Meeting statt. Es handelt sich um das so genannte Josef-Odlozil-Memoriál - benannt nach einem früheren hervorragenden tschechischen Mittelstreckenläufer, das am 29. Juni im komplett erneuerten Dukla-Stadion zum nunmehr zehnten Male ausgetragen wird. Diese Veranstaltung wurde zwar - in Anführungszeichen - nur in die Kategorie IAAF Grand Prix II eingestuft, das Teilnehmerfeld aber kann sich ebenso sehen lassen und ist mit nicht wenigen Akteuren sogar mit dem von Ostrava identisch. Mit von der Partie sein wird auch die komplette tschechische Spitze, darunter die beiden Zehnkampfasse, Dreifachweltmeister Tomás Dvorák und Weltrekordhalter Roman Sebrle. Beide Topathleten werden mit einem Großteil ihrer ständigen internationalen Konkurrenten zu einem kleinen "Dreikampf" antreten, bei dem es zu einem Aufeinandertreffen in den Disziplinen 110 m Hürden, Kugelstoßen und 200 m kommen wird. Vorjahreseuropameister Roman Sebrle sieht diesem kleinen Kräftemessen mit besonderer Vorfreude entgegen, ist er doch in einer guten Form, was er mit seinem tollen Sieg beim Zehnkampf-Saisonauftakt im österreichischen Götzis unter Beweis gestellt hat. Klar, dass ich einen zufriedenen Weltrekordmann antraf, als ich mich bei ihm über diesen Wettkampf und seine diesjährigen Ziele erkundigte:

"Also ich war überaus zufrieden mit dem Sieg und den über 8800 Punkten. Solch ein Ergebnis weiß man stets zu schätzen, auch wenn ich dabei noch das Diskuswerfen und den Stabhochsprung etwas verhauen habe. Also weiß ich, wo meine Reserven liegen, und was die Saison anbelangt, da wird für mich die Weltmeisterschaft in Paris der eindeutige Höhepunkt sein. Und selbstverständlich möchte ich den dortigen Wettkampf auch gewinnen."

Nun, als weltbester Zehnkämpfer der Gegenwart, der überdies die Schmach von vor zwei Jahren in Edmonton auszumerzen hat, ist dies ohne Zweifel ein anstrebenswertes Ziel. So wie Sebrle werden ganz sicher auch Zelezný, Dvorák, Muzík & Co. die beiden bevorstehenden Topveranstaltungen in der Heimat nutzen, um mit guten Vorstellungen Selbstvertrauen zu tanken und sich für den Saisonhöhepunkt weiter in Form zu bringen. Sollte der eine oder andere von ihnen oder den in Ostrava und Prag teilnehmenden internationalen Athleten hierbei schon einmal echt über sich hinauswachsen, dann werden wir zum entsprechenden Zeitpunkt darüber berichten. Für heute aber haben wir die Ziellinie bereits wieder überquert und sind am Ende unseres Sportreports angelangt.

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