Gelungener Eishockey-Test: Tschechien feiert zwei Siege, Deutschland steigert sich

Schon in einem Monat, am 6. Mai, wird im Eishockey die Weltmeisterschaft in Russland eröffnet. Dazu ist die Vorbereitung mittlerweile angelaufen. Das tschechische Team hat sie mit zwei Testspielen gegen Deutschland gestartet. Und das Highlight in der hiesigen Extraliga, das Playoff-Finale, steht unmittelbar bevor.

Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK)Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK) Die Euro Hockey Challenge ist ein Wettbewerb der zwölf besten europäischen Eishockeynationalmannschaften. Sie wird seit 2011 jährlich vor Beginn der Weltmeisterschaft im April ausgetragen und gilt als inoffizielle Eishockey-Europameisterschaft. Dieser Wettbewerb indes dient hauptsächlich dazu, dass die zwölf Mannschaften untereinander terminlich fest vereinbarte Testspiele austragen. Das gilt als willkommene WM-Vorbereitung. Jedes Team absolviert dabei sechs Partien, je zwei davon gegen denselben Gegner. In diesem Jahr legte es der Spielplan fest, dass zum Auftakt der Challenge unter anderem Tschechien und Deutschland aufeinandertreffen. Die beiden Duelle fanden in der vergangenen Woche, am Mittwoch und Freitag, im nordböhmischen Ústí nad Labem / Aussig statt. Die tschechische Mannschaft hat beide Spiele gewonnen, das erste mit 7:2 und das zweite knapp mit 2:1. Trotz der Niederlagen war der deutsche Bundestrainer Marco Sturm am Ende sehr zufrieden, dass man gerade die Tschechen zum Auftaktgegner hatte:

Marco Sturm (Foto: YouTube Kanal von Pulheim News)Marco Sturm (Foto: YouTube Kanal von Pulheim News) „Für uns war es perfekt. Wir wollten einen guten und dem Papier nach besseren Gegner zum Auftakt, und den hatten wir auch. Die Bedingungen hier in Tschechien waren wirklich gut. Ich danke den Leuten aus Ústí, alle waren sehr freundlich. Und auch das Eisstadion, das Hotel und die Verpflegung – alles war topp.“

Und auch sportlich haben die Gastgeber das gehalten, was er sich von ihnen als Gegner versprochen habe, ergänzte Sturm:

Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK)Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK) „Deutschland hat es generell immer schwer, egal gegen wen wir spielen. Doch speziell gegen eine Mannschaft wie die tschechische können wir uns beweisen. Die Gastgeber stellten eine starke Mannschaft, die sehr laufstark war und gut im Abschluss. Zwar spielten die Tschechen noch ohne NHL-Spieler, dafür aber mit guten Torhütern.“

Marco Sturm ist im deutschen Eishockey ein Idol. Als Spieler hat er zwischen 1997 bis 2012 in der besten Liga der Welt, der nordamerikanischen NHL, mehr als 1000 Spiele bestritten. Und das in sechs verschiedenen Mannschaften. Das sind Top-Werte für einen deutschen Profi, denn im Eishockey gehört das tschechische Nachbarland halt nicht zur absoluten Weltspitze. Deshalb sind Niederlagen gegen Tschechien eigentlich normal. Doch die Art und Weise, wie sie zustande kommen, das wird stets sachlich-kritisch analysiert. Von daher war es nur verständlich, dass Sturm nach dem knappen 1:2 am Freitag viel entspannter reagierte als nach der Auftaktschlappe zwei Tage zuvor:

Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK)Tschechien - Deutschland (Foto: ČTK) „Heute war ich sehr zufrieden mit der Mannschaft. Sie hat sich im Vergleich zum ersten Spiel wirklich enorm gesteigert und hätte sich letztlich ein Remis verdient gehabt. Im Großen und Ganzen aber geht es für mich im jetzigen Stadium der Vorbereitung nicht so sehr um Sieg oder Niederlage, sondern darum, dass sich die Mannschaft verbessert. Und das hat sie heute getan.“

Dass der ehemalige NHL-Spieler nach der 2:7-Pleite nicht nervös wurde, lag auch daran, dass für Sturm die Gründe der hohen Niederlage auf der Hand lagen:

Marcel Goc (rechts). Foto: ČTKMarcel Goc (rechts). Foto: ČTK „Im Defensivbereich hatten wir im ersten Spiel doch noch einige Lücken. In dieser Partie hat man gesehen, dass die Jungs teilweise drei Wochen lang nicht mehr auf dem Eis waren. Das Timing war wie weggeblasen. Aber schon im Training hat man gemerkt, dass die Abläufe immer besser werden. Es gibt natürlich immer noch Dinge, die wir verbessern müssen, das ist ganz klar.“

Und auch der Kapitän des deutschen Teams Marcel Goc bestätigte, dass er und seine Mitspieler im ersten Vergleich noch nicht ihr wahres Gesicht gezeigt hätten:

„Jeder von uns im Team wusste Bescheid, dass die Leistung nicht akzeptabel war, die wir in der ersten Begegnung sowohl individuell als auch als Mannschaft gezeigt haben. Heute war jeder vom Kopf her voll da. Das hat dazu geführt, dass wir meist einen Schritt schneller waren als der Gegner. Wir haben der tschechischen Mannschaft einfach nicht so viel Platz gelassen wie noch am Mittwoch.“

Timo Pielmeier (Foto: ČTKTimo Pielmeier (Foto: ČTK Einen großen Anteil an der Leistungssteigerung im zweiten Spiel hatte Torhüter Timo Pielmeier. Für den Goalie des ERC Ingolstadt besteht kein Zweifel daran, dass die deutsche Mannschaft eine gute WM spielen wird, auch wegen des Trainers:

„Wenn wir das umsetzen, was der Trainer uns sagt, dann habe ich ein sehr gutes Gefühl für die nächsten Testspiele und die WM. Marco Sturm hat in der NHL über 1000 Spiele bestritten, der weiß, was er sagt.“

Roman Červenka (Mitte). Foto: ČTKRoman Červenka (Mitte). Foto: ČTK Trotz der Niederlagen hat die Spielweise des DEB-Teams beim Kontrahenten aus Tschechien Eindruck hinterlassen. Kapitän Roman Červenka:

„Ich würde die Deutschen keineswegs unterschätzen. Bei der WM wird es unangenehm sein, gegen sie zu spielen. Alle Spieler haben ziemlich viel Kraft, ich weiß nicht, woher sie diese Energie nehmen.“

Doch genau wie die Deutschen, so wollen sich auch die Tschechen in der Vorbereitung kontinuierlich verbessern, um für die Weltmeisterschaft bestens gerüstet zu sein. Angreifer Martin Zaťovič ist da sehr optimistisch:

„So ganz allmählich finden wir im Team zueinander. Je mehr Vorbereitungsspiele wir haben, umso besser für uns.“

Die Weltmeisterschaft wird vom 6. bis 22. Mai in Moskau und St. Petersburg ausgetragen.

 

Eishockey-Playoff: Liberec und Sparta Prag kämpfen um den Titel

Sparta Prag - Škoda Pilsen (Foto: ČTK)Sparta Prag - Škoda Pilsen (Foto: ČTK) Während die WM also noch etwas Zukunftsmusik ist, steht in der heimischen Extraliga das große Highlight unmittelbar ins Haus – das Playoff-Finale. Für die Endspielserie haben sich die Teams von Bílí Tygři Liberec und Sparta Prag qualifiziert. Die Weißen Tiger aus der Jeschkenstadt haben dies auf dem kürzesten Weg und damit sehr souverän geschafft: Sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale schalteten sie ihre Gegner aus Chomutov / Komutau und Mladá Boleslav / Jungbunzlau mit jeweils 4:0 Siegen aus. Etwas mehr Mühe hatten dagegen die Prager: In der ersten Serie bezwangen sie PSG Zlín mit 4:1, in der Vorschlussrunde Škoda Pilsen mit 4:2 Siegen. Vor allem die Duelle mit den Indianern aus Westböhmen waren hart umkämpft. Daher kannte der Jubel am vergangenen Freitag auch keine Grenzen, als Lukáš Pech in der Verlängerung der sechsten Partie den entscheidenden Treffer zum 3:2-Endstand erzielte. Auch für den 33-jährigen Stürmer war dies ein besonderes Tor:

Lukáš Pech (Foto: ČTK)Lukáš Pech (Foto: ČTK) „Natürlich war dies eines der wichtigsten Tore meiner bisherigen Karriere. Das allerwichtigste aber war der Treffer, den ich 2009 im letzten Finalspiel für Karlsbad erzielt habe, denn er war gleichbedeutend mit dem Titelgewinn. Aber auch das Tor in Pilsen schätze ich hoch ein. Ich bejuble indes jedes Tor, wenn ich der Mannschaft damit zum Sieg verhelfe.“

Und gewinnen wollen die Hauptstädter auch im Finale, das sie nach neunjähriger Pause erstmals wieder erreicht haben. Lukáš Pech:

„Im Finale stehen die beiden besten Mannschaften der Liga. Liberec ist ohne einen Fehltritt ins Finale eingezogen, doch sicher war es auch für die Tiger nicht leicht. Jede Serie ist völlig anders und es hängt manchmal nur von Kleinigkeiten ab, wie sie letztlich ausgeht. Wir aber wollen ein gutes Finale spielen und es auch gewinnen. Deshalb spielt man schließlich Eishockey – um zu gewinnen, und nicht um Zweiter zu werden.“

Ján Lašák (Foto: ČTK)Ján Lašák (Foto: ČTK) Nach der gleichen Devise gehen aber auch die Nordböhmen in die abschließende Playoff-Serie. Im Gegensatz zu den Pragern, die schon acht Meistertitel errungen haben, hat man in Liberec noch nie etwas gewonnen. Selbst das Finale ist für die Mannschaft der Weißen Tiger und ihre Fans eine Premiere. Entsprechend sehnsüchtig blickt man nun am Fuße des Isergebirges dem finalen Showdown entgegen. Der Torhüter des Teams, Ján Lašák:

„Die vielen Fans aus Liberec und Umgebung haben sehr lange auf diesen Höhepunkt gewartet. Die Eigner des Clubs bestimmt mehr als über zehn Jahre lang. Den Finaleinzug haben wir uns verdient und wir sind sehr froh, im entscheidenden Titelkampf dabei zu sein. Nun wollen wir uns, der Vereinsführung und den Menschen in Liberec noch eine weitere Freude machen.“

O2-Arena (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)O2-Arena (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Wie groß die Begeisterung über die Finalteilnahme der Weißen Tiger im nordböhmischen Dreiländereck ist, belegt die Tatsache, dass die ersten beiden Endspiele am Donnerstag und Freitag in Liberec mit 7500 Zuschauern bereits ausverkauft sind. Doch auch die Vergleiche drei und vier, die am kommenden Montag und Dienstag in der 17.000 Besucher fassenden Prager O2-Arena stattfinden, dürften ein großes Zuschauerinteresse hervorrufen. Nicht ohne Grund, denn das Duell Liberec – Sparta Prag ist das Beste, was das tschechische Eishockey auf Clubebene derzeit zu bieten hat.