Sportreport Eishockeycoach Hadamczik: Bin noch etwas traurig, bei der WM nur Bronze gewonnen zu haben
Am 21. Dezember werden in Tschechien ein weiteres Mal der beste Einzelsportler und die beste Mannschaft des Jahres gekürt. In diesem Jahr haben die Sportjournalisten in ihrer traditionellen Umfrage die Rekordzahl von 101 Sportlerinnen und Sportlern sowie 30 Teams berücksichtigt. Zum Trio der besten drei Mannschaften gehört einmal mehr die Eishockey-Nationalmannschaft, auch wenn das Geheimnis um die Endplatzierung erst in einer Woche gelüftet wird. Radio Prag gelang es aber schon jetzt, Nationalcoach Alois Hadamczik vors Mikrofon zu bekommen.
WM-Turnier in Bratislava und Košice in 2011
Zur diesjährigen Eishockey-Weltmeisterschaft, die erstmals in der
Geschichte des schnellsten Mannschaftssports der Welt in der Slowakei
stattfand, trat das tschechische Team als Titelverteidiger an. Die
Wiederholung des überraschenden WM-Gewinns von 2010 in Köln ist den
Spielern um Kapitän Tomáš Rolinek und Superstar Jaromír Jágr zwar
nicht gelungen, dennoch waren die internationale Fachwelt und die Fans bei
der Bewertung der tschechischen Spielweise voller Lobes. Die Mannschaft von
Auswahltrainer Hadamczik habe beim WM-Turnier in Bratislava und Košice das
attraktivste Eishockey gezeigt, hieß es unisono, doch sie wurde dafür mit
der Bronzemedaille nur zum Teil belohnt. Der Grund: das tschechische Team
hatte seine einzige Niederlage ausgerechnet im Halbfinale erlitten –
gegen Schweden verlor es mit 2:5. Selbst der überzeugende 7:4-Sieg im
Spiel um Platz 3 gegen Russland konnte diese Wunde bis heute nicht völlig
heilen. Das war auch dem Gespräch zu entnehmen, das Radio Prag vergangene
Woche mit Alois Hadamczik führte:
Alois Hadamczik (Foto: ČTK)
Herr Hadamczik, dieses Jahr war für die tschechische Eishockeynation
wieder ein ziemlich erfolgreiches Jahr, denn die Nationalmannschaft hat
sehr gut überzeugt bei der Weltmeisterschaft in Bratislava. Wie sind Sie
selbst mit dem Auftreten ihrer Mannschaft in diesem Jahr zufrieden?
„Wenn ich zunächst auf die WM zurückblicke, dann muss ich sagen: Die Mannschaft hat sehr gut gekämpft und auch gespielt. Dennoch bin ich ein wenig traurig, wenn ich daran denke, dass wir bei nur einer Niederlage in neun Spielen lediglich im kleinen Finale um den dritten Platz gespielt haben. Aber nochmals: Vom Einsatz der Spieler her und mit dem Gewinn der Bronzemedaille bin ich zufrieden.
Karjala Cup 2011: Schweden gegen Tschechien (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Jetzt sind wir bereits in der neuen Saison, und da ist es immer so, dass
mir die Cracks, die in der NHL spielen, zunächst nicht zur Verfügung
stehen. Deshalb stelle ich den Kader für die Turniere der Euro Hockey Tour
stets aus Akteuren zusammen, die in der tschechischen oder einer anderen
europäischen Liga spielen. Beim ersten Turnier, dem Karjala Cup, haben wir
in zwei Spielen überzeugt und einmal schlecht gespielt, und zwar gegen
Finnland. Gegen Schweden aber haben wir gewonnen und gegen Russland haben
wir trotz der knappen Niederlage gut gekämpft und ein gutes Spiel gemacht.
Mit drei Punkten wurden wir am Ende Dritter, ich kann aber sagen, dass ich
damit zufrieden war.“
Das Jahr soll abgeschlossen werden wie immer mit dem traditionsreichen Turnier in Moskau, dem heutigen Channel One Cup. Was wollen Sie dort erreichen und haben Sie dafür eine starke Mannschaft?
„Wir fahren zu jedem Turnier mit der Einstellung, dass wir alle Spiele
gewinnen wollen. Doch das wollen unsere starken Gegner auch, also schauen
wir nur von Spiel zu Spiel. Im Kader für das Turnier in Moskau gibt es
einige Veränderungen im Vergleich zum Turnier in Helsinki. Das hat zwei
Gründe: Zum einen haben wir viele Verletzte und zum anderen nehmen einige
Vereine aus Tschechien in diesen Tagen an der Finalserie der European
Trophy beziehungsweise am Spengler Cup teil. Dennoch bin ich überzeugt,
dass wir wieder eine gute Mannschaft beisammen haben.“
Neue Eishockeyhalle in Chomutov
Ein Spiel im Rahmen dieses Channel One Cups trägt die tschechische
Mannschaft zu Hause in Chomutov gegen Schweden aus. Was sagen Sie zu dem
Spielort Chomutov? Und glauben Sie, dass im grenznahen Gebiet zu
Deutschland vielleicht auch deutsche Zuschauer kommen könnten, um sich mal
ein gutes Eishockeyspiel anzuschauen?
„Ich glaube, wir können alle deutschen Eishockeyfans nur recht herzlich dazu einladen. Wenn sie kommen, dann finden sie in Chomutov eine neue, moderne Halle vor. Zudem können sie sich auf eine starke tschechische Mannschaft freuen, die die Schweden schlagen will. Von daher glaube ich, in Chomutov wird eine tolle Atmosphäre herrschen, für die wir jeden Zuschauer und Fan gut gebrauchen können.“
Karjala Cup 2011: Niederlage gegen Russland (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Neben dem Abschneiden seiner Mannschaft beim WM-Turnier in der Slowakei
war Hadamczik also mehr oder weniger auch zufrieden mit dem Auftreten
seines Teams beim ersten Turnier zur aktuellen Euro Hockey Tour, das Anfang
November in Helsinki ausgetragen wurde. Es war der Karjala Cup, bei dem
Tschechien nach einem 5:2-Sieg gegen Schweden, einer 0:4-Pleite gegen
Gastgeber Finnland und einer knappen 1:2-Niederlage gegen Russland mit drei
Punkten den dritten Platz belegte. Nun also steht der zweite Event der
Tour, der Channel One Cup an. Hierbei darf die tschechische Mannschaft ihre
Auftaktpartie am Donnerstag vor eigenem Publikum absolvieren – im
nordböhmischen Chomutov / Komotau empfängt sie das Team der Tre Kronors.
Danach trifft sie am Samstag in Moskau auf Weltmeister Finnland und einen
Tag später auf Gastgeber Russland.
Petr Koukal (Foto: ČTK)
Das Moskauer Kräftemessen ist das älteste Turnier der Euro Hockey Tour.
1967 erlebte es seine Premiere, seitdem wurde es 43 Mal ausgetragen und
nicht weniger als 31 Mal von den Hausherren, der früheren Sowjetunion
beziehungsweise Russland, gewonnen. Mit sieben Turniersiegen folgt die
Tschechische Republik, die zusammen mit ihrer Vorgängerin, der
Tschechoslowakei, zudem auf 20 zweite Plätze verweisen kann. Bei der 44.
Turnier-Auflage rechnet sich Tschechien daher wieder gute Chancen aus, auch
wenn Trainer Hadamczik – wie von ihm erwähnt – diesmal auf einige
Leistungsträger verzichten muss. Das sind ein paar Spieler aus Budweis,
Pardubice und Pilsen, deren Mannschaften sich für die Finalserie der
European Trophy qualifiziert haben. Diese Finalserie wird ebenfalls in
dieser Woche als Redbulls-Salute-Turnier in Salzburg und Wien ausgetragen.
Zu den Nationalspielern, die von ihren Clubs deshalb nicht für die
Nationalmannschaft freigestellt wurden, gehört auch der Kapitän des HC
ČSOB Pojišťovna Pardubice, Petr Koukal. Und mit der Entscheidung, in
dieser Woche für seinen Verein in Salzburg und nicht für Tschechien in
Moskau spielen zu müssen, ist der 29-Jährige nicht unbedingt glücklich:
Zbyněk Kusý
„Das ist eine komplizierte Situation für alle. Mich hat dazu niemand
gefragt. Dass ich diese Woche für Pardubice spiele, darauf haben sich
unser Manager Zbyněk Kusý und Trainer Hadamczik verständigt. Das
respektiere ich. Auf der anderen Seite hoffe ich aber, dass ich eine
weitere Chance bei der nächsten Turnierteilnahme der tschechischen Auswahl
erhalte, denn ich spiele gern für die Nationalmannschaft. Mehr sage ich
dazu aber nicht, denn das ist dünnes Eis!“
Dünn ist derzeit auch die Spielerdecke der Mannschaft aus Pardubice. Wegen mehrerer verletzter Spieler kann Trainer Pavel Hynek momentan nicht auf sein stärkstes Aufgebot zurückgreifen. Dennoch ist er optimistisch, dass sein Team in Salzburg bestehen wird:
Pavel Hynek (Foto: Archiv HC ČSOB Pojišťovna Pardubice)
„Den Kader werden wir noch mit einigen Akteuren ergänzen, um die
schwierige Aufgabe zu meistern, dass wir drei schwere Spiele an nur drei
Tagen bestreiten. Ohne diese Ergänzungsspieler könnte die Last für die
übrigen Spieler zu groß werden. Was die Form der Mannschaft anbelangt,
habe ich jedoch ein gutes Gefühl: Sie spielt taktisch diszipliniert, aus
einer guten Abwehr heraus setzt sie immer wieder Konter, und auch das
Überzahlspiel hat sich verbessert. Ich muss sagen, vom ersten bis zum
letzten Spieler gibt jeder alles, so stelle ich mir ein geschlossenes Team
vor.“
Spätestens am Sonntag wird man wissen, ob die tschechischen Eishockeyspieler bei ihren Auftritten in Moskau, Salzburg und Wien wieder eine Duftmarke gesetzt haben oder auch nicht.
Fußballer Pekhart vollzieht in Nürnberg weiteren Karrieresprung
Tomáš Pekhart noch in Tottenham (Foto: Sicknote10, Creative Commons 3.0)
Das zu Ende gehende Jahr 2012 hat überdies einigen Sportlern einen
deutlichen Karrieresprung beschert. Zu ihnen gehört auch der tschechische
Fußballer Tomáš Pekhart, der seit dem 1. Juli in der deutschen
Bundesliga für den 1. FC Nürnberg spielt. Und das zunächst mit messbarem
Erfolg, denn an den ersten fünf Spieltagen, an denen die Clubberer neun
Punkte holten, erzielte Pekhart zwei Treffer und zwei Torvorlagen. Daher
war er Anfang Oktober verständlicherweise gut gelaunt, als ihn Radio Prag
nach seinen ersten Eindrücken von der Bundesliga befragt hat:
„Ich denke schon, dass das für mich ein großer Sprung nach vorn ist. Ich bin aber nach Nürnberg gegangen, um in einer starken Liga zu spielen und mich als Profi weiter zu verbessern. Das scheint mir bisher ganz gut zu gelingen, denn ich habe schon ein paar Mal getroffen und Tore vorbereitet. Von daher bin ich zufrieden.“
Tomáš Pekhart (Foto: Archiv 1. FC Nürnberg)
Aber nicht nur seine Leistungen, sondern vor allem die Atmosphäre in der
Bundesliga hatten es Pekhart schon zu Beginn des Herbstes angetan:
„Das ist einfach unglaublich, es ist eine etwas andere Welt! Bei jedem Bundesligaspiel herrscht eine faszinierende Atmosphäre, fast jedes Stadion ist ausverkauft. Da macht es Spaß, Fußball zu spielen.“
Inzwischen aber ist Pekhart und seinen Nürnberger Teamkollegen der Spaß an ihrer Arbeit etwas vergangen. Seit dem fünften Spieltag haben die Franken nämlich nur eine von elf Begegnungen gewonnen und sind damit bis auf den 16. Tabellenplatz abgerutscht. Auch Pekhart hat in der letzten Zeit ein wenig nachgelassen – in den neun Partien, in denen er seit dem 2:1-Sieg in Köln eingesetzt wurde, markierte er nur noch einen Treffer und zwei Vorlagen. Nichtsdestotrotz hofft der 22-jährige tschechische Nationalspieler wieder auf bessere Zeiten, vielleicht schon am Samstag beim Auswärtsspiel in Leverkusen. Bis dahin aber hält sich Pekhart vor allem an seinen positiven Erlebnissen fest:
„Ich erinnere mich oft und gern an mein erstes Bundesligator, das ich
gleich zum Saisonauftakt beim Auswärtsspiel in Berlin gegen die Hertha
geschossen habe. Ein riesiges Erlebnis für mich aber war ebenso die
Begegnung bei Borussia Dortmund: Es war beeindruckend, in dieser Arena vor
80.000 Zuschauern zu spielen – das war einfach unglaublich.“






