Acht Teams kämpften in Playoffs um Eishockey-Titel

Vor einer Woche haben die Playoffs zur tschechischen Eishockey-Meisterschaft begonnen. Von den 14 Mannschaften der Extraliga haben noch acht reelle Titelchancen.

Josef Řezníček (Foto: ČT24)Josef Řezníček (Foto: ČT24) Für die Playoffs zur tschechischen Eishockey-Meisterschaft hatten sich zunächst zehn Teams qualifiziert – sechs direkt für das Viertelfinale und vier für die vorab zu spielende Ausscheidungsrunde, die sogenannten Pre-Play-offs. Liga-Chef Josef Řezníček räumt aber nur einem Teil von ihnen echte Titelchancen ein:

„Die Top Six sind allesamt Traditionsvereine mit großen Ambitionen. Sie wollen sich beweisen, wir dürfen uns auf interessante Playoffs freuen.“

Die beste Ausgangsposition für die K.o.-Runde hat der HC Škoda Plzeň. Die Bierstädter setzten sich in der Hauptrunde mit 107 Punkten durch, damit stellten sie einen neuen Vereinsrekord auf. Sie gewannen die Punktspielphase erneut nach acht Jahren und damit zum zweiten Mal auch den Präsidenten-Cup. Für Josef Řezníček hat der Teilerfolg der Pilsener mehrere Gründe:

Dominik Kubalík (Foto: HC Škoda Plzeň)Dominik Kubalík (Foto: HC Škoda Plzeň) „Pilsen ist beispielhaft für gute Nachwuchsarbeit. Den Verantwortlichen ist es gelungen, in dieser Saison mehrere junge Spieler in die Mannschaft einzubauen. Sie werden geführt von zwei hervorragenden Routiniers, von Liga-Topscorer Milan Gulaš und von Torschützenkönig Tomáš Mertl. Zu Saisonbeginn hat ebenso Stürmer Dominik Kubalík zur hohen Tor-Produktivität des Teams beigetragen, er spielt mittlerweile aber in der Schweiz. Pilsen hatte in der Saison keine größeren Formschwankungen, so dass die Mannschaft satte 107 Punkte erkämpfen konnte.“

Neben den Pilsnern hatten aber mindestens noch vier weitere Mannschaften wesentlichen Anteil am spannenden Verlauf der Punktspielserie. Řezníček zog dieses Fazit:

Josef Řezníček: „Die Top Six sind allesamt Traditionsvereine mit großen Ambitionen. Sie wollen sich beweisen, wir dürfen uns auf interessante Playoffs freuen.“

„Aus meiner Sicht war die Hauptrunde eine der dramatischsten in der Geschichte der Extraliga. In der Tabelle gab es ständig Bewegung, und am Ende erreichten sogar Teams die Playoffs, die zu Saisonbeginn noch enorme Probleme hatten. Die Hauptrunde war also sehr ausgeglichen, und das wiederum trug zu der tollen Zuschauerresonanz bei.“

Die Besucherzahlen können sich in der Tat sehen lassen. Zu den 364 Punktspielen kamen knapp zwei Million Zuschauer (exakt: 1.985.460 Besucher). Das sind 5455 Zuschauer pro Spiel und somit ein neuer Besucherrekord für die Liga. Am besten besucht waren die Heimspiele des HC Sparta Prag. Die Hauptstädter brachten es auf einen Schnitt von 8708 Zuschauern pro Spiel. Josef Řezníček zählte sie deswegen vor den Pre-Play-offs auch noch zum erweiterten Kreis der Titelaspiranten:

Sparta Prag (Foto: ČTK)Sparta Prag (Foto: ČTK) „Mir fällt es schwer, mich auf einen Favoriten festzulegen. Ich bleibe dabei, die größten Chancen räume ich den Mannschaften ein, die sich nach der Hauptrunde auf den Rängen eins bis sechs platziert haben. Ich will aber die Teams, die die Vorrunde der K.o.-Phase bestreiten, nicht ausschließen. Zumal mit Sparta Prag ein sehr ambitionierter Club dabei ist. Die Extraliga schreibt indes immer wieder neue Geschichten, und unter den Play-off-Teilnehmern ist auch eine Mannschaft, die den Titel noch nicht gewonnen hat.“

Der noch titellose Verein ist der Mountfield HK, wobei das Kürzel HK sowohl für Eishockeyklub als auch für die Heimstätte des Vereins, die ostböhmische Elbestadt Hradec Králové / Königgrätz steht. Dass die Rot-Weiß-Schwarzen noch nie Meister waren, ist aber kein Wunder, denn sie spielen erst ihre sechste Saison in der Extraliga. Doch in der laufenden Spielzeit haben sie ihr wohl bisher stärkstes Team beisammen und wollen auf jeden Fall bis ins Finale vorstoßen.

Olomouc besiegte Zlín (Foto: ČTK)Olomouc besiegte Zlín (Foto: ČTK) Ansonsten haben alle Play-off-Teilnehmer zumindest schon einmal den Meisterpokal gewonnen. Allen voran Titelverteidiger Kometa Brünn, der auf zwölf Titel verweisen kann, sowie Sparta Prag mit acht Meisterschaften. Doch die Prager sind mittlerweile schon aus dem Rennen. Denn sie und Zlín sind jene zwei Teams, die in der Ausscheidungsrunde zu den Playoffs gescheitert sind. Um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren, waren drei Siege nötig. Das Team der Bílí Tygři Liberec erfüllte die Vorgabe bereits nach drei Begegnungen gegen Sparta Prag, die Mannschaft aus Olomouc / Olmütz besiegte Zlín nach vier Partien mit 3:1 Siegen.

Das glatte Aus ist für die Prager eine Riesenenttäuschung, wenn nicht gar eine Blamage. Doch letztlich war es nur das Spiegelbild der gesamten Saison, in der sich Sparta mit mehr oder weniger durchwachsenen Leistungen noch gerade so als Zehnter für die Pre-Play-offs qualifizieren konnte. In diesen bekamen es die Hauptstädter mit den Weißen Tigern aus Liberec zu tun, gegen die sie beide Spiele in der Jeschkenstadt verloren. Vergangenen Freitag wehrten sie sich vor eigenem Publikum mit aller Kraft gegen die dritte Niederlage, doch sie schossen in den ersten beiden Dritteln kein Tor. Und als Liberec in der dritten Minute des letzten Drittels in Führung ging, war bereits eine Vorentscheidung gefallen. So sah es jedenfalls Spartas Routinier Jaroslav Hlinka nach der Begegnung:

František Výborný (Foto: ČTK)František Výborný (Foto: ČTK) „Wir standen mit dem Rücken zur Wand, wir mussten gewinnen. Liberec hingegen hatte den psychologischen Vorteil, dass sie beide Heimspiele nach perfekten Vorstellungen gewonnen hatten. Dieser Vorteil machte sich am Ende der dritten Partie, die lange 0:0 stand, bemerkbar. In dem nervenaufreibenden Match ging es darum, wer das erste Tor schießt – und das war Liberec.“

Am Ende gewannen die Gäste klar mit 4:1 und schickten die Prager somit frühzeitig in den Urlaub. Die Enttäuschung darüber stand vor allem Spartas Coach František Výborný ins Gesicht geschrieben. Mit seinem Herzensverein hatte er den Titel bereits dreimal gewonnen und hoffte nun, am Ende seiner Trainerkarriere, auf ein weiteres Erfolgserlebnis. Nach der dritten Pleite gegen Liberec konnte der 64-Jährige aber nur noch konstatieren:

Filip Pešan: „Wir haben eines der besten Teams der Extraliga geschlagen. Vom Kader und den Namen her hätte Sparta eigentlich um den Titel mitspielen müssen, wenn alles gepasst hätte. Wir haben die Prager bezwungen, also brauchen wir auch unseren nächsten Gegner nicht zu fürchten.“

„Es ist traurig. Ich bin im November zu Sparta gestoßen, als die Mannschaft in einer Krise steckte. Ich war jedoch überzeugt, dass ich helfen und das Team wieder nach oben führen kann. Einige haben mir zwar davon abgeraten, aber ich würde es wieder machen. Ich wollte helfen, doch es hat leider nicht geklappt.“

Bei seinen letzten Worten brach der Altmeister fast schon in Tränen aus, was zeigte, wie sehr ihn das Ausscheiden seiner Mannschaft bewegte. Andererseits zeigte Výborný Größe, indem er in die Kabine des Gegners ging und dem Team aus Liberec zum Weiterkommen gratulierte. Die Spieler der Gäste quittierten die Geste mit Beifall, und Tiger-Coach Filip Pešan fügte an:

„Wir haben eines der besten Teams der Extraliga geschlagen. Vom Kader und von den Namen her hätte Sparta eigentlich um den Titel mitspielen müssen, wenn alles gepasst hätte. Wir haben die Prager bezwungen, von daher denke ich, dass wir auch unseren nächsten Gegner nicht zu fürchten brauchen.“

Und dieser Gegner ist die Mannschaft aus Hradec Králové. Als das schlechter platzierte Team nach der Hauptrunde müssen die Nordböhmen zunächst zweimal auswärts antreten. Ebenso die Olmützer, die auf Hauptrundensieger Pilsen treffen. Beide Duelle beginnen am Donnerstag. Bereits am Dienstag starten die übrigen vier Clubs im Viertelfinale. Die Partien lauten: Třinec – Pardubice und Vítkovice – Brünn. In die Vorschlussrunde gelangen die vier Mannschaften, die zuerst vier Spiele gewonnen haben. Der neue Titelträger steht spätestens am 26. April fest.