24 Sportler aus Tschechien bei Winter-Paralympics 2018 am Start

Ende dieser Woche treten die Sportler mit körperlicher Behinderung auf den Plan. Am Freitag beginnen in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang die 12. Winter-Paralympics. Tschechien nimmt mit 24 Sportlern teil.

Die Paralympics sind das wichtigste sportliche Großereignis für Menschen mit körperlicher Behinderung. Sie finden jeweils im Anschluss an die Olympischen Spiele statt und haben jeweils denselben Austragungsort. Die Paralympischen Winterspiele 2018 gehen demnach in Pyeongchang über die Bühne, und zwar vom 9. bis 18. März.

Das tschechische Paralympic-Team in Südkorea besteht aus 24 Sportlern. Sie werden in zwei der insgesamt sechs Sportarten an den Start gehen: 15 von ihnen bilden die tschechische Mannschaft im Sledge-Eishockey, eine Frau und fünf Männer haben sich für die Wettbewerbe im alpinen Skisport qualifiziert. Drei Skisportler sind sehbehindert, sie gehen mit ihrem jeweiligen Begleitsportler ins Rennen.

Zwei Dutzend Sportler bei den Winter-Paralympics, das ist nicht gerade viel. Die Chefin des Tschechischen Paralympischen Komitees (ČPV), Alena Erlebachová, hofft daher auf eine bessere Zukunft:

Alena Erlebachová (Foto: ČTK)Alena Erlebachová (Foto: ČTK) „Gegenwärtig fehlt es uns an guten Sportlern, die sich für die Winter-Paralympics qualifizieren können. Ich hoffe daher, dass sich unsere Jugendlichen in den nächsten Jahren aufraffen und wieder mehr Sport treiben als nur vor dem Computer zu sitzen. Dann sollten die Sportvereine auch in der Lage sein, wieder mehr gute Sportler hervorzubringen.“

Viel habe jedoch nicht gefehlt, und das tschechische Paralympic-Team wäre bereits jetzt in Pyeongchang zahlenmäßig stärker gewesen, ergänzt Erlebachová:

„Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass auch ein tschechisches Team im Rollstuhlcurling mit nach Südkorea fliegen wird. Es hat die Qualifikation zwar knapp verpasst, doch vieles sprach dafür, dass das russische Curling-Team nicht zu den Winter-Paralympics zugelassen wird. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat sich darüber lange Zeit den Kopf zerbrochen. Ständig wurde eine Entscheidung vertagt, doch letztlich hat man beschlossen, das russische Team starten zu lassen. Die Leidtragenden dieser Entscheidung sind die tschechischen Curler.“

Alena Erlebachová: „Gegenwärtig fehlt es uns an guten Sportlern, die sich für die Winter-Paralympics qualifizieren können. Ich hoffe daher, dass sich unsere Jugendlichen in den nächsten Jahren aufraffen und wieder mehr Sport treiben.“

Die russischen Sportler mit körperlicher Behinderung haben also noch einmal Glück gehabt. Denn das IPC wollte sie zunächst wegen des Staatsdopings in Russland von den Paralympics ausschließen. Nun dürfen sie zu großen Teilen doch starten – indes unter olympischer Flagge. Dem russischen Team im Sledge- beziehungsweise Schlitten-Eishockey bleibt diese Möglichkeit jedoch versagt. Das bedauert der Trainer des tschechischen Sledge-Eishockey-Teams, Jiří Bříza:

„Für unser Team hat sich dadurch natürlich die Chance auf die Bronzemedaille erhöht. Andererseits pflegen wir zu den russischen Spielern guten Kontakt und haben auch schon oft gegen sie gespielt. Klare Favoriten auf Gold und Silber sind die Amerikaner und Kanadier. Aus sportlicher Sicht aber ist das Fehlen der russischen Mannschaft ein Verlust. Denn es ist eigentlich das einzige Team, das die Dominanz des Duos Kanada und USA durchbrechen kann.“

Jiří Bříza (Foto: ČTK)Jiří Bříza (Foto: ČTK) Diese Dominanz kommt nicht von ungefähr. Im Team der US-Amerikaner beispielsweise spielen viele frühere Soldaten mit Amputationen. Ihre militärische Ausbildung kommt ihnen im Sport zugute, erläutert Bříza:

„Ihr Vorteil liegt darin, dass sie eine sehr gute physische Ausbildung hinter sich haben. Für ihre militärischen Einsätze mussten sie hart trainieren und ihren Körper stählen. Deshalb haben sie gute Voraussetzungen dafür, nun Behindertensport zu betreiben.“

Zudem werden sogenannte Kriegsveteranen in Nordamerika hochgeschätzt und in großzügiger Weise finanziell unterstützt. Das bezieht sich auch auf den Behindertensport.

Jiří Bříza: „Klare Favoriten auf Gold und Silber im Sledge-Eishockey sind die Amerikaner und Kanadier. Aus sportlicher Sicht aber ist das Fehlen der russischen Mannschaft ein Verlust.“

Die USA und Kanada erscheinen den tschechischen Sledge-Eishockey-Spielern also eine zu hohe Hürde im Titelkampf. Wollen sie aber zumindest eine Chance auf Bronze haben, dann müssen sie schon in ihrem Auftaktspiel Nägel mit Köpfen machen. Denn da treffen die Tschechen auf Gastgeber Südkorea, so Kapitän Zdeněk Šafránek:

„Das ist ein Schlüsselspiel, denn Südkorea ist nach den USA der zweitstärkste Gegner in unserer Gruppe. Gegen die Gastgeber geht es um drei wichtige Punkte, von denen wir mindestens zwei holen müssen. Natürlich dürfen wir auch die Japaner nicht unterschätzen, doch gegen sie haben wir zuletzt immer gewonnen. Für uns ist also entscheidend, dass wir Südkorea und Japan bezwingen, dann können wir das Spiel gegen die USA gelassen angehen.“

Zdeněk Šafránek (Foto: ČTK)Zdeněk Šafránek (Foto: ČTK) Am olympischen Turnier nehmen acht Mannschaften teil, die zunächst in zwei Gruppen spielen. Die jeweils Ersten und Zweiten beider Gruppen kämpfen danach um die Medaillen, die anderen vier Teams spielen um die Plätze fünf bis acht. Das tschechische Sledge-Eishockey-Team hatte einen weiten Weg nach Pyeongchang. Nach der verkorksten WM 2016 in Buffalo, wo selbst gegen Deutschland 0:1 verloren wurde, war es in die B-Gruppe abgestiegen. Nun hat es sich wieder aufgerappelt. Vor Olympia mussten zwei Qualifikationsturniere bestritten werden – und beide wurden gewonnen. Auch deshalb ist Zdeněk Šafránek für das Turnier in Südkorea optimistisch:

„Für mich wäre es ein Traum, wenn wir olympisches Edelmetall mit nach Hause bringen. Unser Primärziel ist aber, ins Halbfinale zu kommen.“

Anna Pešková (Foto: ČTK)Anna Pešková (Foto: ČTK) Die einzige Frau unter den tschechischen Teilnehmern im alpinen Skisport ist Anna Pešková. Unter ihrem Mädchennamen Kulišková trat sie schon zweimal bei den Winter-Paralympics an: 2006 in Turin und vier Jahre später in Vancouver. In der kanadischen Küstenstadt holte sie zudem eine Medaille – sie gewann Bronze im Super-G. Zusammen mit ihrem Freund blieb sie danach zwei Jahre in Kanada, um besser trainieren zu können. Doch als Sehbehinderte taten sich ihr nur wenige Arbeitsmöglichkeiten auf. Ihr ging deswegen das Geld aus, und so konnte sie sich auch nicht für die Paralympics 2014 in Sotschi qualifizieren. Dafür war ihr das private Glück hold. Sie heiratete und brachte 2016 Zwillinge auf die Welt. Mit Hilfe ihrer Familie hat sie seitdem einen Weg gefunden, erneut für ihren Sport zu trainieren. Als junge Mutter will sie nun in Pyeongchang wieder vorn mitmischen. Doch die 32-Jährige weiß auch, dass ihr die jüngere Konkurrenz enorm zusetzen wird:

Anna Pešková: „In der laufenden Saison sind wir nur wenige Rennen gefahren. Trainiert haben wir ebenfalls nur sporadisch. Von daher sind wir froh, uns überhaupt für die Paralympics qualifiziert zu haben.“

„Das wird bestimmt um ein Vielfaches schwerer. Wir haben auch keinen schlüssigen Vergleich zur Weltspitze, denn in der laufenden Saison sind wir nur wenige Rennen gefahren. Trainiert haben wir ebenfalls nur sporadisch. Von daher sind wir froh, uns überhaupt für die Paralympics qualifiziert zu haben.“

Das „Wir“ in Peškovás Aussage bezieht sich auf ihre Begleitsportlerin Michaela Hubačová. Wegen ihrer starken Sehbehinderung braucht die Bronzegewinnerin von Vancouver nämlich eine Art Co-Pilot, der sie über die jeweilige Piste manövriert. Wie dies funktioniert, erläutert Hubačová:

„Ich fahre vor Anna, denn ihr Gesichtsfeld ist auf vier Grad beschränkt, während ein Normalsehender 180 Grad wahrnimmt. Anna sieht von mir folglich nur die Ski-Enden bis zu meinen Schuhen. Sie ist in der Lage, sich darauf zu konzentrieren. Wenn sie diese aber aus dem Fokus verliert, stoppen wir die Abfahrt. Dazu kommunizieren wir mit Hilfe von Sendern an unseren Helmen.“

Wie vor acht Jahren in Vancouver rechnet sich Anna Pešková ihre größten Chancen im Super-G aus. Er biete ihr gewisse Vorteile im Vergleich zum Abfahrtslauf:

„Es ist toll, dass für die Abfahrt auch die Trainingszeiten gemessen werden. Dabei können wir die Strecke genau in Augenschein nehmen und festlegen, wo sich beschleunigen lässt und wo nicht. Der Super-G ist dann schon die angenehmere Variante: Er ist nicht so schnell und auch etwas kürzer“, lacht Pešková.

Tschechische Sportler mit körperlicher Behinderung gehören allgemein zu den Besten in der Welt. Dies zeigt sich jedoch viel stärker bei den Paralympischen Sommerspielen. So haben bei den Paralympics 1996 in Athen die Tschechen insgesamt 31 Medaillen gewonnen, davon 16 goldene. Zudem räumen tschechische Athleten auch regelmäßig bei den Spielen der Gehörlosen ab, den sogenannten Deaflympics. Im Jahr 1999 wurde zudem eine Tschechin zur weltbesten Sportlerin der Gehörlosen gekürt: Es war die alpine Skiläuferin Petra Kurková.