Spezial „Kurzwellen-Weltreise in der Neujahrsnacht“ (Joseph Wechsberg)

31-12-2009 02:01 | Christian Rühmkorf

Zum Jahreswechsel hat Radio Prag ein Stück Literatur ganz speziell - aber keinesfalls nur - für die Kurzwellen-Fans ins Programm genommen. Es ist ein kurzes Hörstück auf der Grundlage einer Erzählung von Joseph Wechsberg aus dem Jahre 1937. Die Erzählung „Kurzwellen-Weltreise in der Neujahrsnacht“ war am 1. Januar 1937 im Prager Tagblatt erschienen. Wechsberg beschreibt eine Zeit, in der noch niemand zu träumen wagte von der Lichtgeschwindigkeit, mit der eine E-mail auf der anderen Seite des Erdballs landet. Auf den Geschmack von Geschwindigkeit war man allerdings schon gekommen. Nichts konnte zu dieser Zeit den Erdball schneller umrunden als Radiowellen. Hören Sie die Kurzwellen-Weltreise von Joseph Wechsberg, gelesen und bearbeitet von Christian Rühmkorf.

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Der Autor:

Joseph Wechsberg wurde 1907 in Mährisch-Ostrau in eine deutschsprachige Bankier-Familie jüdischen Glaubens hineingeboren. Früh lernt Wechsberg Geige zu spielen, später studiert er Welthandel, Musik und Rechtswissenschaften in Wien, Paris und Prag. Schon Ende der 1920er Jahre zieht Wechsberg ihn hinaus in die Welt. Er heuert auch als Schiffgeiger auf Überseefahrten unter anderem nach New York an. In dieser Zeit beginnt er, erste Erzählungen und Reiseberichte zu verfassen. Später engagiert er sich für die Jüdische Partei, und 1938 wird Wechsberg von der tschechoslowakischen Regierung nach Amerika geschickt, um dort Vorträge über das Sudetenproblem zu halten. Hier beginnt die Zeit seines Exils: Man empfiehlt ihm zu bleiben, denn die Bedrohung durch Deutschland hatte sich nach dem Münchner Abkommen zugespitzt. Erst in den letzten Kriegjahren kehrt er als amerikanischer Militärberichterstatter nach Europa zurück. Nach dem Krieg arbeitet er jahrzehntelang als Europa-Korrespondent für den New Yorker, reist weiterhin viel, nimmt aber Wohnsitz in Wien. Dort ist Joseph Wechsberg auch 1983 verstorben.

„Die Uhr über der Eingangstür der großen Kabine zeigt eine halbe Stunde vor Mitternacht. Die Apparate surren leise und der ganze Raum scheint sich langsam zu drehen. Die halbgefüllten Champagnergläser gebärden sich wie wild, steckten sie nicht in kleinen Holzgefäßen, sie lägen längst zersplittert auf der Erde…“

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