Kulturweg auf den Spuren von Kyrill und Method

Die Liste der „Kulturwege des Europarats“ könnte demnächst erweitert werden. So bewirbt sich derzeit eine Themenstraße zu den Slawenaposteln Kyrill und Method um entsprechende Anerkennung. Treibende Kräfte sind dabei Institutionen in Mähren.

Jakobsweg (Foto: José Antonio Gil Martínez, Flickr, CC BY 2.0)Jakobsweg (Foto: José Antonio Gil Martínez, Flickr, CC BY 2.0) Der Jakobsweg gehört dazu, aber etwa auch die Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt. Insgesamt 31 solcher Routen galten zu Ende des vergangenen Jahres als „Kulturwege des Europarats“. Vor einer Aufnahme in diesen erlesenen Kreis erfolgt ein langer Beurteilungsprozess. Diese Erfahrung hat vor kurzem auch das Kreisamt im ostmährischen Zlín gemacht. Es ist der Projektträger für die „Kulturroute der heiligen Kyrill und Method“. Das Kreisamt koordiniert die Bewerbung und verhandelt mit dem „Europäischen Institut für Kulturstraßen“ in Luxemburg.

Die Idee für das ambitionierte Projekt entstand schon vor einigen Jahren im Mährisch-Slowakischen Museum in Uherské Hradiště / Ungarisch Hradisch. Das Museum verwaltet im nahe gelegenen Staré Město / Altstadt die „Gedenkstätte Großmährens“ (Muzeum Velké Moravy). Dieser Museumsbau wurde über eine der wichtigsten Fundstätten am Ort des frühmittelalterlichen Veligrad gebaut. „Die große Stadt“, so die Bedeutung des Namens, war im 9. Jahrhundert eines der Hauptzentren des Großmährischen Reiches, also des ersten Staatsgebildes der Westslawen. Der Museumsbau spannt sich über das Gelände einer Friedhofskirche aus der Zeit. Tomáš Chrástek leitet die archäologische Abteilung des Mährisch-Slowakischen Museums in Uherské Hradiště:

Fundamente der Kirche in der „Gedenkstätte Großmährens“ (Foto: Palickap, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Fundamente der Kirche in der „Gedenkstätte Großmährens“ (Foto: Palickap, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) „Die Fundamente der Kirche wurden 1949 entdeckt. Die Ausgrabungen dort leitete Vilém Hrubý vom Mährischen Landesmuseum in Brünn. Die Kirche war umgeben von einem weit ausgedehnten Gräberfeld, das aller Wahrscheinlichkeit nach die größte Nekropole Großmährens war. Bei den nachfolgenden Ausgrabungen wurden bis heute über 2000 Gräber freigelegt. Aber es gibt dort noch viel mehr zu entdecken. Wie zahlreiche archäologische Funde bestätigen, bestattete man dort sowohl Angehörige des großmährischen Adels, als auch arme Menschen, Handwerker und Landwirte. In den Adelsgräbern stieß man auf wertvolle Beigaben wie zum Beispiel Waffen und Gold- sowie Silberschmuck. Über den bloßgelegten Fundamenten der Kirche wurde damals ein einfacher Bau im Stil einer Scheune mit einer provisorischen Ausstellung errichtet. Gleichzeitig befasste man sich mit den Plänen für eine Gedenkstätte. Diese wurde in den 1950er Jahren dann in mehreren Etappen gebaut.“

Leben im Großmährischen Reich

Ivo Frolec (Foto: Archiv der Stadt Uherské Hradiště)Ivo Frolec (Foto: Archiv der Stadt Uherské Hradiště) Danach wurde die Gedenkstätte jahrzehntelang nicht renoviert. Erst in den Nullerjahren wurde dies nachgeholt. Seit der Wiedereröffnung 2010 bietet die Stätte einen interessanten Exkurs in die Zeit des Großmährischen Reiches. Ivo Frolec leitet das Mährisch-Slowakische Museum in Uherské Hradiště. Er denkt, dass die Dauerausstellung in der Gedenkstätte mittlerweile auch im internationalen Vergleich gut abschneidet.

„Sie vermittelt den Besuchern einen Einblick in das Leben vor über eintausend Jahren anhand typischer Artefakte, die einen Menschen damals von der Geburt bis zum Tod begleitet haben. Der Besucher reist per Multimedia sozusagen durch Raum und Zeit. Obwohl die Gedenkstätte modern ausgestattet ist, weist sie aus unserer Sicht auch bestimmte Mängel auf. So fehlen zum Beispiel Räume für kürzere Ausstellungen, mit denen wir neue archäologische Funde der Öffentlichkeit präsentieren könnten. Und unsere Besucher sehen zwar eine multimedial gut gestaltete Exposition, sie wird aber – wie die meisten ständigen Ausstellungen – selten erneuert. Deswegen fehlt den Besuchern der Grund, öfters hier herzukommen“, so Frolec.

Der Plan ist nun, das Gebäude umzubauen und zu vergrößern. Und zwar soll genügend Fläche entstehen für künftige archäologische Funde. Außerdem möchte man im Gebäude eine Präsenzbibliothek unterbringen – mit einem großen Bestand an Fachliteratur, der bislang im Mährisch-Slowakischen Museum aufbewahrt wird.

Nicht zuletzt besteht die Vision, die Gedenkstätte zu einem Präsentationszentrum für jene Länder zu machen, die das Gedenken an die Slawenapostel pflegen. So wurde 2013 aus der Initiative des Kreisamts in Zlín der Verein „Europäischer Kulturweg der heiligen Kyrill und Method“ (Evropská kulturní stezka sv. Cyrila a Metoděje). Er hat die Schirmherrschaft über das Projekt und koordiniert die internationale Zusammenarbeit im Pilgertourismus und Fremdenverkehr. 15 Mitglieder gehören dem Verein an.

Im April vergangenen Jahres hat der Verein beim Europarat beantragt, den „Europäische Kulturweg der heiligen Kyrill und Method“ zu zertifizieren. Seitdem wird geprüft, ob das Kulturprojekt alle Kriterien erfüllt. So muss etwa die kulturgeschichtliche Bedeutung des Themas nachgewiesen werden. Dazu gehören zum Beispiel archäologische Fundstätten, Archäoparks, sakrale Bauten und Statuen, die slawischen Schriftzeichen, Kultur- und Bildungsveranstaltungen als Teil des interkulturellen Dialogs und noch vieles mehr.

Archäologische Funde und Sakralbauten

Tomáš Chrástek (Foto: Roman Verner, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Chrástek (Foto: Roman Verner, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Welche Bedeutung hat also der neue Kulturweg? Archäologe Chrástek nennt zwei Punkte:

„Einer davon ist das Wandern als solches. Eine Route führt den Wanderer von A nach B. Er braucht im Grunde nicht den ganzen Weg entlang Markierungen mit detaillierten Infoschildern. Für ihn ist die Idee des Wanderns an sich wichtig und dass man sich auf den Weg gemacht hat. Zum Beispiel auf den bekannten Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien, der 1987 als erster das Zertifikat ‚Europäische Kulturroute des Europarates‘ erhalten hat. Er war gewissermaßen auch Vorbild für unser Projekt der Kyrill-und-Method-Kulturroute. Es soll auch die bedeutendsten Pilger- beziehungsweise Wallfahrtsorte verbinden, die direkt oder indirekt einen Bezug zu Kyrill und Method haben.“

Svatý Kopeček / Heiligenberg (Foto: Michal Maňas, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5)Svatý Kopeček / Heiligenberg (Foto: Michal Maňas, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5) Sie sind nun durch ein teils grenzüberschreitendes Routennetz miteinander verbunden. Dies ist sowohl auf Landkarten verzeichnet oder aber in Handy-Apps sowie auf Webseiten erfasst. Genannt sei zum Beispiel Svatý Hostýn / Hostein, der meistbesuchte Wallfahrtsort in Mähren und nach Velehrad auch der zweitbedeutendste. Oder Svatý Kopeček / Heiligenberg – die dortige Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung aus dem 17. Jahrhundert wurde beim Besuch von Papst Johannes Paul II. 1995 zur Basilika geweiht.

Als Hauptachse vorgesehen ist die Verbindung Velehrads mit Rom sowie Thessaloniki. Von der griechischen Stadt brachen damals Kyrill und Method nach Mähren auf. Die beiden Brüder kamen 863 hierzulande an, ein wichtiges Datum für die Geschichte der Slawen. Sie waren der Einladung von Fürst Rastislav von Großmähren gefolgt. Die beiden Brüder waren sowohl byzantinische Gelehrte als auch Priester und sollten auf dem Gebiet des frühmittelalterlichen Staates missionieren. Für diesen Auftrag schufen sie das sogenannte glagolitische Alphabet, es wurde zum Fundament für das Altslawisch. Die Sprache half dabei, dass sich das Christentum auf großmährischem Gebiet verbreitete.

Der geplante Pilgerweg von Velehrad nach Rom hängt wiederum vor allem mit Methods Besuchen beim Papst zusammen. Nach Kyrills Tod bemühte er sich wiederholt um eine Unterstützung des Heiligen Stuhls für die großmährische Kirche.

Internationale Zusammenarbeit

An die Kulturstraße Kyrills und Methods sind mehrere Dutzende kürzere oder längere Wanderwege und Pfade angeschlossen. Und es werden Kontakte zu ausländischen Partnern gesucht. Bisher ist das in Griechenland, Italien, Bulgarien und Mazedonien gelungen. Kürzlich haben Vertreter des Kreises Zlín das Projekt auch in der kroatischen Hauptstadt Zagreb vorgestellt. Es stieß den Reaktionen nach auf positive Resonanz.

Dabei läuft aber nicht alles reibungslos. Zum Beispiel der geplante Umbau der Gedenkstätte Großmährens in Staré Město, die eigentlich eine zentrale Stellung am „Europäischen Kulturweg der heiligen Kyrill und Method“ einnehmen soll. Ivo Frolec, Leiter des Mährisch-Slowakischen Museums:

Mährisch-Slowakisches Museum (Foto: Palickap, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)Mährisch-Slowakisches Museum (Foto: Palickap, Wikimedia Commons, CC BY 3.0) „Das Projekt ist ziemlich anspruchsvoll. Unser Museum sowie sein Träger – also das Kreisamt Zlín – haben nicht genügend eigene Mittel. Deswegen versuchen wir, eine Förderung aus dem EU-Operationsprogramm für regionale Entwicklung zu erhalten. Es handelt sich um 100 Millionen Kronen (knapp vier Millionen Euro, Anm. d. Red.). Das Geld soll nicht nur für den Umbau der Gedenkstätte dienen. Unser Museum verwaltet auch eine Reihe weiterer Kulturdenkmäler, die frei zugänglich sind und restauriert werden müssten.“

Da 2018 von Brüssel zum Europäischen Jahr des Kulturerbes ausgerufen wurde, würde man sich in Uherské Hradiště und Zlín über ein „europäisches Geschenk“ freuen.