Spaziergang durch Prag Tschechisches Museum der Musik - Gespräch mit Museumsdirektorin Markéta Hallová (I.)

28-06-2003 | Martina Schneibergová

Das Tschechische Museum der Musik ist Bestandteil des Prager Nationalmuseums. Neben Gedenkstätten, die namhaften Komponisten gewidmet sind, werden in der historischen Abteilung des Museums wertvolles Notenmaterial und Dokumente zur Musikgeschichte sowie einzigartige Musikinstrumente aufbewahrt. Mehr erfahren Sie im folgenden Spaziergang durch Prag von Martina Schneibergova und Katrin Sliva.

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Tschechisches Museum der MusikTschechisches Museum der Musik In den vergangenen Monaten stellten wir Ihnen, verehrte Hörerinnen und Hörer, die berühmtesten Prager Orgeln vor. Im heutigen Spaziergang zum Thema "Prag - eine Musikstadt" lade ich Sie in das Tschechische Museum der Musik ein, das im nächsten Jahr in ein renoviertes Gebäude auf der Prager Kleinseite ziehen wird. Hören Sie einleitend einen Ausschnitt aus Haydns Sonate C-dur gespielt von Vojtech Spurny auf dem Hammerflügel - einem Musikinstrument aus den Sammlungen des Prager Museums. Das Instrument stammt aus dem Jahre 1799.

Dr. Marketa HallovaDr. Marketa Hallova Mit der Direktorin des Tschechischen Museums der Musik, Dr. Marketa Hallova, traf ich in der Eintrittshalle des Gebäudes zusammen, in dem ab nächstem Jahr die Sammlungen des Museums zu besichtigen sein werden. Die Direktorin bemerkte, ich sei die erste Rundfunkjournalistin, die diese Räumlichkeiten besuchte, die zur Zeit noch renoviert werden:

"Wir befinden uns gerade auf der Kleinseite in der Karmelitská-Straße, im Gebäude der ehemaligen Maria Magdalena-Kirche. Es war ursprünglich eine Barockkirche, die später im klassizistischen Stil umgebaut wurde. Bis 1999 hatte hier das Staatliche Zentralarchiv seinen Sitz. Vorher gehörte das Gebäude den Behörden der K. u. K. Monarchie. Nach 1918 wurde es vom tschechoslowakischen Staat übernommen."

Das Gebäude wurde vor einigen Jahren dem Tschechischen Museum der Musik zur Verfügung gestellt. Das Museum entstand verhältnismäßig spät - im Jahre 1976 - als letzter Teil des Nationalmuseums. Letzteres wurde 1818 gegründet, und bereits damals wurde damit begonnen auch Exponate aus der Welt der Musik zu sammeln. Sie wurden in der historischen Abteilung des Museums aufbewahrt - Beispielsweise Musikdokumente, die den Komponisten Frantisek Skroup betrafen, den Autor der tschechischen Nationalhymne. Auf welche Weise wurden die Sammlungen des Museums damals erweitert? Marketa Hallova dazu:

"Bei den Exponaten, die das Museum im 19. Jahrhundert erhalten hat, handelte es sich meistens um Geschenke. Diese Gegenstände bildeten die Grundlage für die musikgeschichtliche Abteilung des Nationalmuseums, die nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet wurde. Sie hatte im Großpriorenpalais auf der Kleinseite ihren Sitz."

Im Zuge der Rückgabe des während des kommunistischen Regimes vom Staat beschlagnahmten Eigentums wurde dieses Gebäude in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem ursprünglichen Besitzer - dem Malteser Ritterorden - zurückgegeben. Das Museum konnte das Haus laut Gesetz noch zehn Jahre lang weiternutzen. Nachdem für das Zentralarchiv ein modernes Gebäude in Prag-Chodov erbaut worden war, stellte die Regierung dem Museum der Musik den früheren Sitz des Archivs zur Verfügung, sagte die Direktorin des Museums:

"Es war notwendig, mit einer umfangreichen Rekonstruktion des Objektes zu beginnen, denn das Gebäude befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Aus kunsthistorischer Sicht ist es wertvoll, sodass sich die Rekonstruktion wirklich lohnte. Die Denkmalschutzexperten arbeiteten an den Rekonstruktionsplänen mit. Ich meine, dass der Umbau im Hinblick auf die Zukunft durchgeführt wurde und dass die Gestaltung des Interieurs gelungen ist."

Marketa Hallova rechnet damit, das das Museum in der Karmelitska-Straße im Jahre 2004 eröffnet werden kann. Sie räumte jedoch ein, dass die Vorstellungen über die künftige Exposition zwar schön sind, dass man jedoch immer die finanziellen Möglichkeiten im Auge behalten muss. Im neuen Gebäude werden auch die einzigartigen Musikinstrumente zu sehen sein. Eines davon können Sie gleich in der folgenden Kostprobe hören. Auf dem Pyramidenflügel aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt Hanus Barton die Komposition Le Désir von Jan V. Hugo Vorisek:

Wenn alles klappt, könnte das Museum anlässlich des internationalen Musikfestivals Prager Frühling - d. h. im Mai 2004 - geöffnet werden. Neben der ständigen Ausstellung soll das Museum den musikinteressierten Besuchern noch mehr anbieten, wie Marketa Hallova betonte:

"Hier im Erdgeschoss in dem herrlichen Raum der ursprünglichen Barockkirche möchten wir Vernissagen und Konzerte veranstalten. Leider ist die Akustik nicht so gut, daran werden wir noch arbeiten müssen. Aus akustischer Sicht ist ein anderer, kleinerer Saal besser geeignet. Dieser befindet sich in der ehemaligen Sakristei. Dieser Mehrzwecksaal wird etwa 70 Sitzplätze haben. Außerdem werden dort auch Ausstellungen, Konferenzen und Diskussionen stattfinden."

Sie hörten einen Ausschnitt aus der Polka Fis dur von Bedrich Smetana. Es spielte Jan Novotny - auf einem Hammerflügel aus dem Jahr 1863. Auch dieses Musikinstrument gehört dem Tschechischen Museum der Musik. Die Führung durch das noch nicht geöffnete, neue Museumsgebäude werden wir im nächsten musikalischen Spaziergang - Ende Juli- fortsetzen.

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