Spaziergang durch Prag Kaiser, Krönungen und Kutschen – willkommen in Ctěnice
Historische Sehenswürdigkeiten gibt es nicht nur im Stadtzentrum von Prag. Auch am Stadtrand, auf dem Gebiet der früher selbständigen Gemeinden, findet man Schlösser, Festungen sowie Industriearchitektur, die einen Besuch wert sind. Im Stadtteil Vinoř, am nordöstlichen Rand von Prag befindet sich das Schlossareal Ctěnice. Vor vier Wochen haben wir Sie mit der Geschichte der Gemeinde und des Renaissanceschlosses bekannt gemacht. Dabei versprachen wir, die Führung durch das Areal fortzusetzen.
Schloss Ctěnice
Das Schlossareal von Ctěnice wird seit 1995 vom Prager Informationsdienst
(PIS) verwaltet. Vor einigen Jahren wurden das Schloss sowie die früheren
Wirtschaftsgebäude und der große Park wieder in Stand gesetzt. Jaroslava
Nováková leitet die Tourismus-Abteilung beim Prager Informationsdienst,
der für die Renovierung der Gebäude in Ctěnice gesorgt hat:
„Bei der Restaurierung des Schlosses wurden nicht nur Wandgemälde aus dem 19. Jahrhundert, sondern vor allem auch Spuren der Renaissancemalerei gefunden. Wir standen vor der Frage, was für eine Ausstellung in die historischen Räumlichkeiten am besten passen würde. Wir wollten, dass sich die Besucher hier wirklich wie in einem Schloss fühlen. Von der ursprünglichen Schlosseinrichtung ist allerdings nichts mehr erhalten geblieben. Viele Gegenstände, die hier zu sehen sind, wurden ausgeliehen. Seit 2005 ist hier eine Dauerausstellung über die Habsburger in den Böhmischen Ländern zu sehen. Zahlreiche Exponate wurden zuvor 2004 im Rahmen der Ausstellung über das Jahrhundert der Habsburger im Archiv der Hauptstadt Prag im Clam-Gallas-Palast gezeigt.“
Die Ausstellung dokumentiert nicht die gesamte Regierungszeit der
Habsburger ab 1526, sondern konzentriert sich nur auf die Zeitspanne vom
Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In
Ctěnice sind rund 300 Gegenstände ausgestellt, die von Museen aus ganz
Tschechien geliehen wurden. Die meisten Exponate, unter denen Gemälde,
Waffen, Plastiken oder Glas sind, stammen aus den Sammlungen des Prager
Kunstwerbemuseums, des Nationalmuseums und der Nationalgalerie.
Zu den meistbewunderten Gegenständen gehören zwei sogenannte „Dioramen“. Diese Form der visuellen Unterhaltung aus dem 19. Jahrhundert war ein Vorgänger des Kinos. Das erste bewegliche Bild in Ctěnice stellt eine Szene vom Revolutionsjahr 1848 in Prag dar. Das andere „Diorama“ zeigt die erwartete, aber nie verwirklichte Prager Krönung von Franz Josef I.. Jaroslava Nováková dazu:
„Kaiser Franz Josef I. herrschte 68 Jahre lang, wurde aber nie zum
böhmischen König gekrönt. Viele Exponate zeugen von seiner Popularität.
Anlässlich verschiedener Jahrestage wurden Alltagsgegenstände und
Souvenirs mit dem Porträt des Kaisers hergestellt. In der Ausstellung ist
ein Porträt des jungen Franz Josef vom Ende der 1840er Jahre zu sehen. Es
gibt hier aber auch Porträts des Kaisers als alten Mann. Ein ganzer Saal
ist zwei Schicksalsfrauen des Kaisers gewidmet: der Kaiserin Sissy, die
sehr oft porträtiert wurde, und der Schauspielerin Katharina Schratt, der
Freundin des Kaisers.“
Kaiser Ferdinand I., der Vorgänger von Franz Josef, wurde noch zum böhmischen König gekrönt und ist in Böhmen als König Ferdinand V. bekannt geworden. Seine Krönung ist das Thema eines Gemäldes, auf dem der Vladislav-Saal im Prager alten königlichen Palast zu erkennen ist. Auf dem Bild ist der Vladislav-Saal mit Wandmalereien geschmückt.
2009 haben Jaroslava Nováková zufolge rund 14.500 Menschen Ctěnice
besucht, viele von ihnen sind gekommen, um das Kutschenmuseum zu
besichtigen, das im Jahre 2000 in einem der früheren Wirtschaftsgebäude
eröffnet wurde. Unter den 19 Kutschen sind einige sehr wertvolle
Exemplare, meint Jaroslava Nováková:
„Den Höhepunkt der Sammlung stellt die goldene Kutsche der Prager Erzbischöfe dar. Die Kutsche ist eine historische Sehenswürdigkeit und zudem ein Kunstwerk mitteleuropäischer Herkunft. Da die Kutsche dringend restauriert werden muss, wird das Museum sie wahrscheinlich nicht mehr ausstellen können. Die wertvolle Barockkutsche wurde nur bei besonders festlichen Gelegenheiten genutzt: bei Krönungen sowie bei Amtseinführungen von Bischöfen.“
Die modernste der ausgestellten Kutschen stammt aus dem Jahr 1930 und war
für den Posttransport bestimmt.
Schloss Ctěnice ist von Mai bis Ende Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet,
im April nur an den Wochenenden. Möglicherweise könnte es jedoch zu
zukünftigen Änderungen der Öffnungszeiten kommen, denn der Prager
Stadtrat plant, das Areal einer seiner untergeordneten Institutionen
anzubieten.
Die Ausstellung über die Habsburger, die im Schloss Ctěnice zu sehen
ist, knüpft an eine Ausstellung an, die vor einigen Jahren im Archiv der
Hauptstadt Prag im Palais Clam-Gallas gezeigt wurde. Falls Sie wissen, in
welcher Straße in der Prager Altstadt das Palais steht, können Sie es uns
schreiben. Denn so lautet die heutige Quizfrage, für deren Beantwortung
Sie ein Buch über Prag gewinnen können. Ihre Zuschriften richten Sie
bitte an Radio Prag, Vinohradská 12, PLZ 120 99 Prag. Ende September wird
der Gewinner des Buches ausgelost.
In der Juli-Sendung fragten wir Sie danach, in welchem Jahrhundert das Prämonstratenserkloster Strahov gegründet wurde. Es war im 12. Jahrhundert und ein Buch für die richtige Antwort geht diesmal an Maria Glitzner aus Brünn.







