Gorillas und Eisbären ziehen um: Prager Zoo baut neue Pavillons

Der Prager Zoo gilt als eine der größten Besucherattraktionen in der tschechischen Hauptstadt. Auf einer Fläche von 58 Hektar leben dort 681 Tierarten und rund 4720 Tiere. Zuletzt haben wir Ihnen im Herbst in unseren Sendungen den Elefantennachwuchs vorgestellt. Heute geht es um die Pläne des Prager Zoos für die nächste Zeit.

Hochwasser im Prager Zoo (Foto: Tomáš Adamec)Hochwasser im Prager Zoo (Foto: Tomáš Adamec) Der Prager Zoo war 2002 bei einer Hochwasserkatastrophe stark beschädigt worden. Über 1000 Tiere wurden damals evakuiert, 134 Tiere starben in den Fluten. Am bekanntesten davon ist der Seehund Gaston. Er schwamm aus dem Zoo die Moldau hinab bis in die Elbe nach Deutschland. Beim Rücktransport nach Prag starb Gaston an Erschöpfung. Das Restaurant, das sich im unteren Teil des Zoos befindet, wurde bald danach nach dem tapferen Seehund benannt. 2013 wurde jedoch der untere Teil des Zoo wieder überflutet. Und dabei wurde eben das Restaurant Gaston stark beschädigt. Zurzeit wird es umgebaut und soll im Sommer dieses Jahres wieder geöffnet werden. Jiří Kotek leitet im Zoo den Bereich für Bauplanung:

„Das neue Restaurant wird mehr Plätze bieten als das alte. Vergrößert werden sowohl die Innenräume als auch die Sitzmöglichkeiten draußen vor dem Gebäude. Zudem wird dort ein größerer Souvenirladen eingerichtet.“

Jiří Kotek (Foto: Martina Schneibergová)Jiří Kotek (Foto: Martina Schneibergová) Nicht weit vom Restaurant Gaston wird schon bald ein neuer Pavillon für exotische Vögel eröffnet. Er werde Rákos-Pavillon heißen, erzählt Kotek:

„Benannt wurde er nach dem großen Mäzen und Züchter Stanislav Rákos, der sehr zur Errichtung des Pavillons beigetragen hat. Im Pavillon sind sieben große Volieren geplant. Draußen wird zudem eine Voliere für neuseeländische Papageien stehen. Im Gebäude wird es zum Beispiel eine Voliere für südamerikanische Papageien geben. An der Außenwand des Pavillons installieren wir mehrere Lautsprecher. Über diese können sich Besucher die Stimmen der Vögel anhören, die wir im Pavillon zeigen.“

Der Tasmanische Teufel erhält mehr Platz

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Die exotischen Vögel werden im Laufe dieses Jahres in das neue Gebäude ziehen. Ganz in der Nähe soll in den nächsten Jahren auch ein neues Gehege für die australische Fauna entstehen. Dazu der stellvertretende Zoo-Direktor Jaroslav Šimek:

„Das Areal für australische Tiere knüpft an den Pavillon für exotische Vögel an. Das Tier, das als Symbol des neuen Areals gilt, ist der Beutelteufel, der auch unter dem Namen tasmanischer Teufel bekannt ist. Er lebt heute nur noch in Tasmanien. Im westlichen Teil des Areals wollen wir zudem einige Känguruharten unterbringen, die heute nur noch in Australien leben.“

Ein medial sehr diskutiertes Projekt, ist die Übernahme von Großen Pandas aus China. Die seltenen Bären wurden früher nur in Zoos weniger europäischer Hauptstädte gezüchtet – wie in Berlin, London, Moskau oder Madrid. Zurzeit befinden sich Pandas außerhalb von China nur in 13 Zoos der Welt. Fünf davon liegen in Europa. An der Zucht der Pandas beteiligen sich in den letzten Jahren auch neue, moderne europäische Zoos – wie beispielsweise der Pairi Daiza in Belgien. Dort entfachten die Pandas eine solche Begeisterung, dass die Besucherzahl um fast 40 Prozent gestiegen ist.

Welt der Arktis: Eisbären, Robben, Seevögel

Jaroslav Šimek (Foto: Martina Schneibergová)Jaroslav Šimek (Foto: Martina Schneibergová) Auch der Prager Zoo verspricht sich viel von den charakteristisch schwarz-weiß gemusterten Tieren. Zunächst müsse aber ein entsprechender neuer Pavillon für die Tiere gebaut werden, betont Jaroslav Šimek.

„Wir möchten den Bereich für die Pandas dort einrichten, wo sich heute der Pavillon der Eisbären befindet. Dieser Pavillon gehört zu den ältesten Gebäuden im Zoo überhaupt, er wurde vor 70 Jahren erbaut und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Wir werden den Pavillon der Eisbären abreißen und am selben Ort ein neues Gebäude für die Pandas bauen lassen. Das gesamte Gelände ist rund 4000 Quadratmeter groß. Neben den Pandas werden dort in der Zukunft dann auch chinesische Languren untergebracht sein.“

Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Eisbären werden seit 1932 im Prager Zoo gehalten, sie sollen in Zukunft in den nördlichen Teil des Zoo umziehen. Dort werde der sogenannte „Arktische Pavillon“ erbaut, sagt Jaroslav Šimek:

„Wir möchten den Eisbären viel mehr Raum bieten als bisher. Das Gebäude wird nicht voller Beton und Kunstfelsen sein, wie im alten Pavillon. Dort sind nun einige Wasserbecken geplant, die für die Eisbären wichtig sind. Auch für die Besucher sind diese Becken attraktiv, da man die Eisbären dann beim Schwimmen beobachten kann. Und wir möchten im Arktischen Pavillon auch Robben unterbringen. In einer Voliere werden zudem skandinavische Seevögel zu sehen sein.“

Weg von der Moldau: Neues Zuhause für die Gorillas

Der Prager Zoo ist bis Ende Februar täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet, im Sommer schließen die Tore sogar erst um 21 Uhr. Zu erreichen ist der Zoologische Garten am besten mit dem Bus Nr. 112 von der Metro-Station Bahnhof Holešovice.

Während der Hochwasserkatastrophe von 2002 stand der Pavillon der Gorillas vollständig unter Wasser, weil er sich im unteren Teil des Zoo befand. 2013 waren die Gorillas erneut vom Hochwasser betroffen. Die Leitung des Zoos habe darum beschlossen, ein neues Zuhause für die Gorillas an einem geschützteren Ort zu bauen, sagt Zoo-Direktor Miroslav Bobek:

„Das Areal für Gorillas wird nahe den Giraffen, im Norden des Zoo eingerichtet. Sobald es fertiggestellt ist, werden wir das bestehende Gelände für die Raubtiere erweitern. Nördlich vom Gehege mit afrikanischen Steppentieren wird in der Zukunft zudem ein Gehege mit dem Titel ‚Afrikanische Ebene II‘ entstehen, mit Geparden, Nilpferden und Hyänen. Wir möchten dort einen Safaripark einrichten, durch den die Besucher mit speziellen Verkehrsmitteln fahren könnten. Welche Art Verkehrsmittel das sein wird, wollen wir jetzt noch nicht verraten. Und nicht zuletzt haben wir vor, einen zweiten Eingang zum Zoo nahe des künftigen Gorilla-Pavillons zu eröffnen.“