Regionjournal Ein Tag in Marienbad
Vor zwei Wochen konnten Sie, liebe Freunde, mit uns den Golfplatz in Marienbad besuchen. Diesmal laden wir Sie im nun folgenden Regionaljournal noch einmal zu einem Streifzug durch die westböhmische Kurstadt ein. An einem Tag, den Jitka Mladkova dort verbracht hat, ist sie verschiedenen Menschen begegnen und hat sich mit ihnen unterhalten:
Chopinhaus (Foto: Autorin)
Kaum in Marienbad angekommen, machte ich mich zunächst auf die Spuren
zweier "Riesen", die sich Heilwirkung von dortigen
Sprudelquellen für ihre angeschlagene Gesundheit versprachen. Der eine aus
der Welt der Literatur, der andere aus der Welt der Musik kommend: Johann
Wolfgang von Goethe und Frederik Chopin. Der erstere pflegte wiederholt in
einem und demselben Bürgerhaus zu wohnen, in dem sich heute das
Goethe-Museum befindet.
Engländer im Chopinhaus (Foto: Autorin)
Im Goethe-Haus werden Sie von einem jungen Mann begrüßt und auch durch die
einzelnen Räumlichkeiten geführt. Dabei erfahren Sie viel Interessantes
über Goethes Aufenthalt in Marienbad. Die authentische Führung können Sie
auch bei uns in einer der nächsten Sendungen unserer Reihe Reiseland
Tschechien absolvieren. Von hier aus schlenderte ich schnurstracks in das
Chopinhaus, das zwar nicht wie das Goethehaus auf dem Goetheplatz auch auf
einer Chopinstraße zu finden war - aber immerhin, die Chopinstraße gibt es
in Marienbad auch. Der polnische Komponist weilte hier im Jahre 1736 - ein
guter Anlass, nächstes Jahr das 170.Jubiläum seines Marienbader Aufenthalts
zu begehen. Dafür rüsten sich bereits die in diesem Haus beherbergte
Chopin-Gesellschaft sowie das Chopin-Museum. Im Museum stieß ich auf einen
Mann, den es ebenfalls unmittelbar nach seiner Ankunft gerade dorthin
gezogen hatte. Ein wahrer Europäer: Engländer, der mal in Deutschland
studiert hat, in Spanien lebt und einer mitteleuropäischen Mischehe
entstammt:
Nach diesem Gespräch musste ich mich schon wirklich beeilen. In wenigen Minuten sollte nämlich eine Weindegustation beginnen. Der Wein war österreichisch, der Winzer auch, das Publikum tschechisch. Als die Weinkostprobe vorbei war, sprach ich mit zwei ortsansässigen Weinliebhabern. Dass sie ausgerechnet Mitglieder des örtlichen Sommelierklubs sind, überraschte ganz und gar nicht. Übrigens, den Klub haben die beiden Herren vor etwa 15 Jahren als wohl ersten seiner Art hierzulande mitbegründet. Auf meine Frage, warum sie gekommen seien, sagte Jan Bena:
Jan Bena (Foto: Autorin)"Ich bin kein Profi-Winzer, aber wir sind Mitglieder eines
Sommelierklubs und Wein ist unser Hobby. Er schmeckt mir sehr und mit
meinem Freund, Herrn Jonak, führe ich endlose Debatten zum Thema Wein. Wir
leben eigentlich für den Wein!"
Ein schönes Hobby, in der Tat! Herr Bena lebte 35 Jahre lang in der Schweiz. Dort, wie er mir erzählte, hatte er in seinem Keller immer einen guten Vorrat an Wein - bis zu 3.000 Flaschen auf einmal. Als Weinkenner liebt er vor allem italienische Weine, weiß aber auch den einheimischen Wein zu schätzen.
"Ich liebe auch den mährischen Wein, insbesondere den Weißwein. Ich glaube, wenn den mährischen Winzern daran gelegen wäre, dann können sie mit ihrem Weißwein mit jedem anderen Wein auf der Welt konkurrieren. Für den Anbau von Rotweinsorten gibt es hierzulande nicht entsprechende Bedingungen, aber auch den Rotwein können sie gut machen."
Das Monty-Hotel (Foto: Autorin)
Höchst positiv bewertet Herr Bena die Tatsache, dass es von Marienbad aus
nur ein Katzensprung bis nach Deutschland ist, wo man guten Wein zu
vernünftigem Preis kaufen kann. Die Weinregale in tschechischen Geschäften
sind seiner Meinung nach mit Produkten aus allen Herren Länder gefüllt, die
aber zum Großteil das Billigste vom Billigen oder im Gegenteil übermäßig
teuer sind.
Marienbad ist vor allem als eine Kurstadt bekannt. Doch nicht nur wegen der Heilanwendungen, sondern auch wegen ihrer guten Gastronomie und Hotellerie wurde diese Stadt gerne aufgesucht. Schon 1928 wurde dort die Gastgewerbe- und Hotelfachschule eröffnet, die sich im Laufe der Zeit zu einer Spitzeneinrichtung ihrer Art entwickelte und als solche mittlerweile mehrere tausend Absolventen in die Welt der Gastronomie entließ. Darunter selbstverständlich auch in die Kur- und Hotelhäuser direkt vor Ort. Eines davon habe ich auch besucht, das Monty-Hotel. Die Hausherrin, oder in der heutigen Sprache gesagt die Direktorin, Frau Henrietta Filkova hielt mir zunächst einen kleinen Vortrag über Geschichte des Hauses:
Henrietta Filkova (Foto: Autorin)
Das Haus Monty, das von der Architektur her eher an ein Schloss erinnert,
steht auf einem Hügel oberhalb der Stadt hat und diese sozusagen zu seinen
Füssen liegen. Es wurde wiederholt gründlich rekonstruiert und renoviert,
zuletzt in den Jahren 2001 - 2002, und hat dadurch die Gestalt eines den
Ansprüchen der heutigen Gäste angepassten Hauses mit 104 Zimmern und 217
Betten gewonnen. Alles schön unter Fach und Dach gebracht, Heil- und
Aufbaukuren, inklusive Trinkmöglichkeiten des Marienbader Sprudels. Zur
Ergänzung noch eins, zwei Fragen an Frau Henrietta Filkova:
Frau Direktor kann man ganz bestimmt glauben, was sie sagt, aber ich wollte auch eine Meinung aus den Reihen der Kurgäste. Beim Kaffeetrinken traf ich ein älteres Ehepaar aus Deutschland:
Also, wer kann, der sollte schon sein Reisegepäck vorbereiten und ab die Post - nach Marienbad. Wie wir gehört haben, beginnen dort gerade die schönsten Monate für einen Aufenthalt.
Das war ein im Fluge erlebter Tag in Marienbad mit Jitka Mladkova und unserem Regionaljournal.










