Blick in die Presse Soldaten auf Demos und die Preisverleihung durch Kanzlerin Merkel
Die tschechische Presse hat in ihren Kommentaren am Donnerstag mehrere Themen aufgespießt. Darunter auch die Verleihung des Potsdamer Medienpreises an den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard und die Proteste von Soldaten gegen die Kürzung ihrer Bezüge.
Kurt Westergaard (links) und Angela Merkel (Foto: ČTK)
Sie erinnern sich vielleicht: Westergaards Zeichnungen hatten im Jahr 2005
weltweit Proteste von Muslimen ausgelöst und der Karikaturist hatte
Todesdrohungen bekommen. Seitdem lebt er unter Polizeischutz. Am Mittwoch
hat Kanzlerin Merkel ihm den Potsdamer Medienpreis überreicht. Daniel
Anýž schreibt dazu in der Hospodářské noviny, dass dies
selbstverständlich durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt sei.
Doch er hat Einwände:
Eine der Mohammed-Karikaturen von Kurt Westergaard (Foto: www.ct24.cz)
„Die Preisübergabe aus der Hand von Kanzlerin Merkel ist eine
überflüssige Geste – sowohl gegenüber Deutschland, als auch gegenüber
Europa, wo die Kanzlerin niemanden überzeugen muss, dass sie an die
Prinzipien der westlichen Demokratie glaubt. Aber auch gegenüber der
anderen Seite, wo Merkel nicht in dieser Weise verstanden wird, sondern so,
als ob die sonderbaren beleidigten Reaktionen uns nicht interessieren
würden. Die Meinungsfreiheit bildet eine Grundlage der Demokratie. Aber
sie reißbrettmusterartig anzuwenden ist nicht ratsam. (…) Auch nicht
für die deutsche Bundeskanzlerin.“
Selbstverständlich haben die tschechischen Zeitungskommentatoren sich
zudem am Donnerstag über das wichtigste innenpolitische Thema hergemacht.
Das sind weiterhin die Kürzungen im Staatshaushalt. Das Kabinett hatte in
seiner Sitzung am Mittwoch noch einmal bestätigt, dass die
Staatsbediensteten mit Gehaltseinbußen von zehn Prozent zu rechnen haben.
Am 21. September planen die Gewerkschaften eine große Protestkundgebung.
Auch Soldaten der tschechischen Armee wollen in Zivil gegen die Kürzungen
ihrer Bezüge demonstrieren. Doch die Armeeführung scheint dies verhindern
zu wollen. Sie hat für den Tag der Demonstration Schulungen und
Beförderungsgespräche angesetzt. Zbyněk Petráček schreibt dazu in der
Lidové noviny:
„Bereits ein Viertel der Soldaten hat sich bei Facebook der Gruppe
‚Gegen die Kürzung der Löhne in der Armee’ angeschlossen. Wem das
nicht gefällt, der sollte sagen, was ihn mehr belastet: Dass die Soldaten
die Lohnkürzungen kritisieren oder dass sie ihren Protest in Zivil
kundgeben wollen? Dann aber würde auch das Wahlrecht für Soldaten stören
und wir könnten gleich zur apolitischen Praxis aus der Ersten Republik
zurückkehren, die den Soldaten das Wahlrecht verweigert hat. Hat das aber
zu etwas Gutem geführt? Streng unpolitisch war auch die deutsche Wehrmacht
während der Weimarer Republik. Und zwar so sehr, dass sie ohne Proteste
Hitler gedient hat. Damit muss man heutzutage niemandem drohen, umso eher
sollten wir aber den Soldaten erlauben, ihre private politische Meinung
kundzutun.“






