Blick in die Presse Einer der’s wissen muss: ein Klinikchef über die Gesundheitsreform
Am Donnerstag verhandelten Gesundheitsminister Leoš Heger und Ärztevertreter wieder einmal über die zunehmend kritische Situation in den tschechischen Krankenhäusern. Erneut sind aber die Gespräche erfolglos zu Ende gegangen.
Leoš Heger (Foto: ČTK)
Gedanken über den Zustand des heimischen Gesundheitswesens macht sich auch
einer, der jeden Tag aufs Neue mit den verschiedensten Defiziten
konfrontiert ist. Der Leiter des Prager Fakultätskrankenhauses Vinohrady,
Marek Zeman, schreibt in seinem Gastkommentar für die Mladá fronta
Dnes:
„Gesundheitsminister Leoš Heger hat die Grundzüge der tschechischen Gesundheitsreform vorgestellt. Das ist eine Reform von oben, eine Systemreform. Die Reform von unten – die Rationalisierung der Anzahl der Krankenhäuser – haben die Ärzte mit ihrer Protestaktion ‚Danke, wir gehen’ gestartet. Ungewollt und unglücklich.“
Marek Zeman
Zwar würden beide Reformansätze in die richtige Richtung weisen, so
Klinikchef Zeman, doch sie lösten bei weitem nicht alle Probleme des
tschechischen Gesundheitswesens. Viele Schwierigkeiten seien auch kein
tschechisches Spezifikum, sondern einfach durch die steigende
Lebenserwartung und den unaufhaltsamen medizinischen Fortschritt bedingt.
Die Schere zwischen verfügbarer und bezahlbarer medizinischer Behandlung
gehe immer weiter auf:
„Würde jeder Bürger mit solchen Medikamenten und Methoden behandelt werden wie der tschechische Regierungschef in dem Fall, dass er plötzlich vor dem Klinikeingang kollabierte, würde die Finanzierung des tschechischen Gesundheitswesens innerhalb von wenigen Wochen zusammenbrechen.“
Er sei überzeugt, dass der medizinische Fortschritt die
Krankenversicherungen und die öffentlichen Haushalte immer weiter unter
Druck bringen werde, so Marek Zeman, der Leiter des Prager
Fakultätskrankenhauses Vinohrady, in seinem Gastkommentar für die
Tageszeitung Mladá fronta Dnes. Es führe deshalb kein Weg daran vorbei,
die durch die öffentlichen Krankenversicherungen garantierten und
bezahlten Behandlungen immer weiter einzuschränken. Man müsse in Zukunft
viel stärker auf private Krankenversicherungen und die Eigenvorsorge der
Bürger setzen.
„Eines Tages wird die europäische Gleichmacher-Gesellschaft einsehen
müssen, dass jene Leute, die aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten
bereit und in der Lage sind, mehr in ihre Gesundheit zu investieren, im
Durchschnitt länger leben und auch viel schwerwiegendere Erkrankungen
überstehen, als der Rest der Bevölkerung.“





