Blick in die Presse Der mutige Kämpfer gegen Korruption / Weihnachten sollten wir nicht selbst abschaffen
Die Korruptionsaffäre um den staatlichen Umweltfonds sowie die Bedeutung des Weihnachtsfestes dominieren die Kommentare in den Donnerstagsausgaben der tschechischen Tageszeitungen.
Pavel Drobil
In der Hospodářské noviny widmet Jiří Leschtina seine
Aufmerksamkeit der Affäre um den Umweltfonds und den inzwischen
zurückgetretenen Umweltminister Drobil. Der Kommentator sieht etwas
Positives an der jüngsten Regierungskrise, die durch diese
Korruptionsaffäre verursacht wurde. Leschtina würdigt den Mut des
abberufenen Chefs des Umweltfonds Michálek, dessen Karriere von der Gunst
seiner politischen Vorgesetzten abhänge. Trotzdem sei er, so der
Kommentator, gegen die Chefs aufgestanden.
Libor Michálek
„Michálek stellte fest, dass er mit seinem Widerstand gegen die
Korruptionspläne von Drobils Beamten völlig allein dasteht. Erfolglos
ersuchte er den Umweltminister, den Innenminister und den Premier um Hilfe.
Trotzdem gab er nicht auf. (…) Die Bedeutung ähnlicher einsamer
Kämpfer, die anderen als Vorbild dienen könnten, steigt. Denn sie können
Unruhe im korrupten Milieu stiften. Kann sein, dass ein unbestechlicher
Verrückter auch anderswo auftaucht. Wenn der Satz von US-Präsident
Jackson gilt, dass auch ein mutiger Mann die Mehrheit bildet, dann können
auch weitere ´Drobils´ unangenehm überrascht werden.“
Festtage oder Weihnachten? heißt der Titel des Kommentars von Zbyněk
Petráček in der Lidové noviny. Die Weihnachtssymbolik surfe auf
der Welle der Globalisierung, an das Weihnachtsfest werde dem Kommentator
zufolge auch in Ländern erinnert, die mit christlicher Tradition nichts
gemeinsam haben. Weihnachtliche Briefmarken gebe es in den letzten Jahren
etwa auch in China oder in Japan. Diese Tatsache sage aber kaum etwas aus
über die Rolle der Zivilisation, die sich selbst vom Christentum ableitet,
meint Petráček. Die christliche Zeitrechnung stelle, so der Kommentator,
auch in jenen Ländern einen globalen Maßstab dar, die andere Kalender
benützten. Der Papst gelte als eine internationale Autorität, die
vielleicht nur im Iran oder in Nordkorea abgelehnt werde. Aber der
wirkliche Einfluss der westlichen Zivilisation, die von der christlichen
Barmherzigkeit und der jüdischen Moral (den Zehn Geboten) ausgegangen war,
werde immer geringer, meint Petráček.
Thilo Sarrazin (Foto: Nina Gerlach, Wikipedia)
„Diejenigen, die sich nun darüber freuen, dass die europäischen
Kämpfer gegen den Klimawandel in Cancún von China geschlagen wurden,
dürfen nicht vergessen, dass auch der von ihnen abgelehnte Kampf gegen den
Klimawandel seine Wurzeln in der christlichen Zivilisation hat. Und dass
diese auch anderswo verblasst – immer häufiger und immer mehr. Am
alarmierendsten ist es, wenn sich die christliche Zivilisation selbst
schlägt. Wenn sie Weihnachten zugunsten irgendwelcher Festtage
unterdrückt. Der ehemalige Bundesbankvorstand Sarrazin hat ein warnendes
Buch mit dem Titel ´Deutschland schafft sich ab´ geschrieben, das
umstritten ist. Über Sarrazin können wir denken, was wir wollen, aber
Weihnachten sollten wir selbst nicht abschaffen.“





