Eleonore von Schwarzenberg - die Vampirfürstin auf der Leinwand

Die Stadt Cesky Krumlov / Krumau wurde in den letzten Wochen von Filmemachern besetzt. Das ist an sich nicht verwunderlich, denn das im Unesco-Weltkulturerbe verzeichnete Schloss gab schon für mehrere Filme die Kulisse. Diesmal hat man hier jedoch einen Streifen über eine erstaunliche Persönlichkeit der örtlichen Geschichte gedreht.

Kein Märchen, sondern ein Dokumentarfilm, in dem alles wissenschaftlich belegt ist - so stellen sich die österreichischen Urheber ihren Film über die Gräfin Eleonore von Schwarzenberg (1682-1741) vor. Die Geschichte ist durch einen kürzlich gemachten Fund auf einem ehemaligen Friedhof in Krumau inspiriert. Archäologen haben dort Gräber mit typischen Vampirbestattungen entdeckt. Den Leichnamen war die Brust jeweils mit einem angespitzten hölzernen Pfahl durchbohrt worden, was dafür spricht, dass sie für Vampire gehalten wurden. Die Vampire stehen nach alten abergläubischen Vorstellungen nachts aus den Gräbern auf und saugen das Blut der Lebenden. Die ausgegrabenen Skelette stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also aus einer Zeit, in der die Vampirlegenden sehr verbreitet waren. Und damals regierte auf dem Krumauer Schloss die rätselhafte Gräfin Eleonore von Schwarzenberg, erklärt der Schlossverwalter Pavel Slavko.

Schloss Cesky Krumlov (Foto: CzechTourism)Schloss Cesky Krumlov (Foto: CzechTourism) "Eleonore war in ihrer letzten Lebensphase sehr krank. Sie setzte ihre Hoffnung auf verschiedene ungewöhnliche Heilmethoden und holte die berühmtesten Alchimisten und Okkultisten nach Krumau. Manche von ihnen kamen auch ohne Einladung und versuchten, die Gunst der reichen Gräfin zu gewinnen. Und sie hatte großes Vertrauen zu ihren Ratschlägen. Es ist beispielsweise zu erwähnen, dass Eleonore eine starke Raucherin war. Sie nutzte Tabak als Arzneimittel, und die Rechnungen dafür überstiegen die Kosten für andere Medikamente. Darüber hinaus gab es regelmäßig spiritistischen Sitzungen auf dem Schloss, mit denen die bösen Kräfte fortgejagt werden sollten. Eleonore legte sogar eine Wolfszucht an, weil ihr empfohlen worden war, Wolfsmilch zu trinken. Es gibt auch eine ganze Reihe von Gemälden, die die Schlossherrin aus Deutschland und den Niederlande bestellt hatte und die das Thema von Vampirismus und Zauberei deutlich darstellen."

Das ist jedoch nur ein Gesicht der Gräfin. Das zweite zeigt eine tatkräftige Dame, die gemeinsam mit ihrem Mann das Leben der Stadt deutlich förderte. Unter ihrer Herrschaft wurde das Schloss umgebaut und bekam seine gegenwärtige Form. Es wurde zum Beispiel das barocke Theater errichtet, das bis heute mit seinen originalen Kulissen und Kostümen erhalten ist und ein weltweites Unikat darstellt. Es trafen sich auch viele Persönlichkeiten aus der Welt der Technik, der Wissenschaften und Künste in Krumau. Am Hof und in den Gässchen der Stadt erklangen neben der tschechischen Sprache auch Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch. Diese reiche Epoche wurde jedoch von einem tragischen Ereingis überschattet, erzählt Pavel Slavko:

"Im Jahre 1732 wurde Fürst Adam Franz Karl Eusebius von Schwarzenberg bei einem Unfall erschossen. Das Unglück geschah bei einer Jagd mit Kaiser Karl VI. Die Gräfin Eleonore war also Witwe und musste in den nächsten 11 Jahren, die ihr bis zu ihrem Tod noch blieben, selbst die große Wirtschaft leiten. Das bedeutete, sich mit Bergbau, Glashütten, Holzindustrie, Teichwirtschaft, Brauereien und anderen Bereichen auszukennen. Den verfügbaren Angaben nach gelang ihr das sehr gut. Zu Ehren ihres Mannes ließ sie eine neue schwarzenbergsche Gruft einrichten. Man muss in Betracht ziehen, dass adelige Frauen sich damals vor allem dem gesellschaftlichen Leben widmeten und nur Männer sich mit der wirtschaftlichen Arbeit befassten. Weit und breit gab es keine andere Frau, die quasi als Managerin eine so große Herrschaft geleitet hat."

Das barocke Theater (Foto: CzechTourism)Das barocke Theater (Foto: CzechTourism) Die Filmemacher haben sich entschieden, das Leben von Eleonora so real wie möglich zu schildern. Gespielten historischen Szenen wechseln sich ab mit Aussagen von Historikern, Archäologen und Ärzten. Als Komparsen spielen Dutzende einheimischer Bewohner mit. Einer der Höhepunkte sind die Passagen mit den bereits erwähnten Wölfen, verrät Regisseur und Produzent Klaus Steindl.

"Eleonore hatte einen großen Wunsch nach Kindern. Sie hat den Thronfolger erst mit 41 Jahren bekommen, dass heißt, sie war mit dem Kinderkriegen unter großem Druck. Und damals galt es als medizinisch bewiesen, dass Wolfsmilch die Fruchtbarkeit steigert. Das kommt von der Geschichte von Romulus und Remus her, also von Altertum. Eleonora hatte deshalb einen Wolfzwinger am Schloss eingerichtet. Wir müssen uns vorstellen, dass die Wölfe nachts geheult haben, und die Menschen unten im Dorf haben darauf natürlich sehr ängstlich reagiert. Deshalb haben wir die Wölfe bringen lassen, um die entsprechenden Szenen nachstellen zu können: Die Wölfe werden im Zwinger gemolken und dann trinkt Eleonore die Milch."

Der Tod von Eleonore ist von einem Mysterium umhüllt. Sie starb ganz unerwartet eines Abends, und noch derselben Nacht wurde sie nach Wien zur Obduktion gebracht. Den Autoren des Filmes ist es gelungen, den Obduktionsbericht im Archiv zu finden. Wieder Klaus Steindl:

"Es ist wichtig für uns, die Geschichte auch medizinisch zu betrachten. Eleonore war, so weit wir jetzt wissen, natürlich sehr hypochondrisch, aber sie litt auch an einer Krankheit. Wie aus dem Obduktionsbericht hervor geht, handelte es sich um Gebärmutterhalskrebs. Und der hat genau die Symptome, die die Ärzte damals einem Vampirbiss zugeschrieben haben. Das also, so hat man geglaubt, ist ihr Schicksal gewesen."

Der Film über Eleonora von Schwarzenberg wird von der österreichischen Firma Pro Omnia gemeinsam mit ORF und dem europäischen TV-Kanal Arte produziert. Es sollte schon im Herbst in Österreich und Deutschland gesendet werden. Über eine Ausstrahlung in Tschechien wird noch verhandelt.