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- Ex-Präsident Havel: Tschechien braucht eine klarere Verfassung
- Präsident Klaus dankte Havel für dessen Rolle bei den Ereignissen von 1989
- Minister für Menschenrechte: Über das Schicksal der KSČM soll das Gericht entscheiden
- Fotograf Ladislav Sitenský im Alter von 90 Jahren gestorben
Ex-Präsident Havel: Tschechien braucht eine klarere Verfassung
Tschechien würde in den nächsten Jahren eine eindeutigere Verfassung brauchen. Das sagte Ex-Präsident Václav Havel in seiner Rede, die am Samstagabend vom öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen übertragen wurde. Havel zufolge wäre zudem ein neues Wahlgesetz notwendig. Seiner Meinung nach müssen die politischen Parteien auch begreifen, dass sie nicht da sind, um „irgendwo im Dunklen darüber zu entscheiden, was der sichtbare Staat machen soll“. Der Staat soll sich nach Meinung des Ex-Präsidenten mehr auf die Bürgergesellschaft verlassen. Der Ex-Präsident brachte zudem die Meinung zum Ausdruck, dass es notwendig wäre, dass die Menschen die moralische Ordnung mehr respektieren.
Klaus dankte Havel für dessen tragende Rolle bei den Ereignissen von 1989
Präsident Václav Klaus hat seinem Vorgänger im Amt, Václav Havel, für dessen Schlüsselrolle während der Samtenen Revolution 1989 gedankt. Klaus dankte dem Ex-Präsidenten bei der Eröffnung des Festkonzerts, das am Samstagabend anlässlich des 20. Jahrestags der Samtenen Revolution auf Havels Initiative im internationalen Zentrum „Prager Kreuzung“ stattfand. Für seine Worte erntete Klaus einen begeisterten Beifall der Gäste im Konzertsaal.
Während des Festkonzerts traten Persönlichkeiten verschiedener Musikstile auf. Wie Havel zuvor sagte, ging es um ein „etwas unkonventionelles Konzert“, zu dem seine Freunde aus den Künstlerkreisen gekommen sind: wie Suzanne Vega, Joan Baez, Lou Reed und die amerikanische Sopranistin Renée Fleming. Alle Beteiligten sangen abschließend den Spiritual Freedom, den Havel den Bürgern in Ländern widmete, die immer noch von der Staatsmacht unterdrückt werden.
Obama und Merkel gratulierten Tschechien zur Samtenen Revolution
US-Präsident Barack Obama hat sich am Samstag einer Videobotschaft für die Samtene Revolution bedankt, die seinen Worten zufolge immer noch überall Menschen inspiriert. Die Videobotschaft wurde zum Abschluss des Konzertabends in der „Prager Kreuzung“ gezeigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnerte per Video an die großen Demonstrationen auf dem Wenzelsplatz und dankte den Tschechen dafür, dass sie 1989 den Leuten aus Ostdeutschland halfen, die versuchten über Prag in den Westen zu flüchten. Seine Botschaft für Ex-Präsident Havel hat auch der tibetische Dalai Lama übermittelt. Unter den rund 400 Gästen in der Prager Kirche war auch die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright.
Ehemaliger Studentenführer: Tschechiens Orientierung ist immer noch nicht gelöst
Der ehemalige Studentenführer und jetzige Diplomat, Václav Bartuška, brachte die Meinung zum Ausdruck, dass die weitere Orientierung Tschechiens immer noch nicht gelöst ist. Nach der Wende von 1989 seien, so der Diplomat, die Bemühungen auf den EU- und den Nato-Beitritt konzentriert worden. Darum war die Orientierung der Innen- und Außenpolitik klar gewesen. Jetzt stelle man, so Bartuška, fest, die Nato sei eher ein Diskussionsklub demokratischer Staaten als eine real funktionierende Institution. Tschechien müsse sich entschieden, in welchem Europa es sein wolle, meint der Sonderbotschafter für Energiesicherheit. „Reicht uns, in der Freizügigkeitszone zu sein oder Bestandteil einer einheitlichen Währung und Sicherheitsstruktur zu sein?“ fragt Bartuška. Die Suche nach der Antwort erwarte, so der Diplomat, noch die tschechische Gesellschaft. Es sei die Frage der weiteren Orientierung des Landes, ob wir zum Ost- oder zum Westeuropa gehören wollen.
Ex-Präsident Havel: Ausnahme aus der Grundrechtcharta der EU dürfte nicht in Kraft treten
Die Ausnahme aus der Grundrechtcharta der EU dürfte nach Meinung von Ex-Präsident Václav Havel gar nicht in Kraft treten. Wie Havel am Sonntag gegenüber dem Tschechischen Fernsehen sagte, auch wenn sie in Kraft treten würde, wird sie später wieder aufhören zu gelten. Die Ausnahme hatte sich Präsident Václav Klaus vor kurzem als die Bedingung für die Unterzeichnung des Lissabon-Vertrags erzwungen.
Kocáb: Über das Schicksal der KSČM soll das Gericht entscheiden
Über die weitere Tätigkeit der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSČM) soll dem Minister für Menschenrechte, Michael Kocáb, zufolge das Gericht entscheiden. Bis dahin soll die Tätigkeit der Kommunisten eingestellt werden. Das sagte Kocáb am Sonntag in einer Diskussionssendung des privaten TV-Senders Prima. Das Gericht müsste nach Kocábs Meinung bestimmte Bedingungen und Grenzen für die kommunistische Partei festlegen. Die Lehre, zu der sich die Partei bekennt, widerspricht dem Minister zufolge der tschechischen Verfassung. Der Kommunistenführer Vojtěch Filip sagte, es sei unmöglich, sich von der Geschichte vollständig zu trennen. Auch die von Jaromír Štětina geleitete Senatskommission setzt sich dafür ein, dass über das weitere Schicksal der KSČM das Gericht entscheidet.
Tschechien verfügt über Methode, die Patienten mit Schweinegrippe hilft
Tschechien verfügt über eine Methode, die Patienten mit Schweinegrippe helfen kann. Das sagte am Sonntag Jan Pirk, der das Zentrum für Kardiologie im Prager Institut für die klinische und experimentelle Medizin (IKEM) leitet. Pirk erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK, die Methode könne vor allem bei jungen Menschen genutzt werden, bei denen der H1N1-Virus eine schwere Lungenerkrankung hervorrief. Über die Methode informierte am Sonntag im Fernsehen auch der Chef-Hygieniker Tschechiens, Michael Vít.
In Tschechien sind bislang drei Menschen gestorben, die sich an der Schweinegrippe ansteckten, aber zuvor an einer schweren Erkrankung gelitten hatten. In Tschechien wird bislang gegen die Schweinegrippe nicht geimpft. Die ersten Impfstoffe sollen Vít zufolge am kommenden Mittwoch geliefert werden.
Fotograf Ladislav Sitenský im Alter von 90 Jahren gestorben
Im Alter von 90 Jahren ist am Samstag in Prag der namhafte tschechische Fotograf Ladislav Sitenský gestorben. Sitenský ist vor allem durch seine Fotografiezyklen aus den Kämpfen auf der Westfront während des Zweiten Weltkriegs bekannt geworden. Er kämpfte selbst in den Reihen der British Royal Air Force. Sitenský wurde mit mehreren Militärorden ausgezeichnet. 2007 wurde er von Präsident Klaus mit der Medaille für die Verdienste um den Staat im Kultur- und Kunstbereich ausgezeichnet.
Fotograf des verschwindenden Prag Jan Reich gestorben
Im Alter von 67 Jahren ist am Samstag in Prag der tschechische künstlerische Fotograf Jan Reich gestorben. Reich war einer der letzten Klassiker der tschechischen Fotografie. 1968 emigrierte er nach Frankreich, kehrte jedoch nach neun Monaten in die Tschechoslowakei wieder zurück. Er schuf eine Reihe von Fotografiezyklen – beispielsweise aus der Slowakei oder aus Paris. Bedeutend ist Reichs Zyklus über das verschwindende Prag, der in den Jahren 1971-1974 entstand. Nach 1989 stellte Reich seine Fotografien auch im Ausland vor. Sein Bildband „Bohemia“ wurde 2006 mit dem Magnesia-Litera-Preis für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet.
Das Wetter am Montag, dem 16. November:
Am Montag ist es in Tschechien überwiegend bedeckt, während des Tages ist mit Regenschauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 7 bis 11 Grad Celsius.





