Heikles Treffen von Zeman und Van der Bellen auf Prager Burg

Der tschechische Präsident Miloš Zeman hat seinen neuen österreichischen Kollegen Alexander Van der Bellen in Prag empfangen. Das Treffen war mit Spannung erwartet worden, weil Zeman offen Van der Bellens Gegenkandidaten, den Freiheitlichen Norbert Hofer, unterstützt hatte – mit der Begründung, er möge Grüne nicht. Nun gab sich der 72-jährige Zeman nach außen versöhnlich: „Berge treffen sich nicht, aber Menschen treffen sich.“ Und, um Lockerheit bemüht, fügte das Staatsoberhaupt hinzu, er würde es begrüßen, wenn die EU ihren Sitz von Brüssel nach Prag verlegen würde. Van der Bellen reagierte ebenfalls scherzhaft, dass dies „eine glänzende Idee“ sei.

Unterschiedliche Ansichten trafen dennoch bei den Fragen der Zuwanderung und der Atomkraft aufeinander. Aus Sicht Österreichs habe die Kernenergie keine Zukunft, sagte Ex-Grünen-Chef Van der Bellen. „Warum lehnen Ökologen die Atomkraftwerke so leidenschaftlich ab, wo sie doch keine Treibhausgase ausstoßen“, argumentierte Zeman. Der Streit um das AKW Temelín, das nur rund 60 Kilometer von Österreich und Bayern entfernt ist, hatte jahrelang die Beziehungen belastet. Österreich hatte 1978 den Atomausstieg beschlossen.