MusikCzech Pianistenlegende Rudolf Firkušný wurde vor 100 Jahren geboren
Mit sieben Jahren wurde er dem Komponisten Leoš Janáček vorgestellt, mit acht Jahren gab er bereits sein erstes Konzert. Und als elfjähriger Junge spielte er zum ersten Mal zusammen mit der Tschechischen Philharmonie: Es geht um Rudolf Firkušný, der schon zu Lebzeiten eine Legende unter den tschechischen Pianisten wurde. In der heutigen Ausgabe von Music Czech stellen wir Ihnen den weltberühmten Klaviervirtuosen vor. Und das aus gutem Grund: Firkušný wurde vor 100 Jahren geboren.
Rudolf Firkušný
Firkušný wurde am 11. Februar 1912 in Napajedla nahe der ostmährischen
Stadt Zlín geboren. Seine Familie hatte nicht viel mit Musik zu tun bis
auf die Tatsache, dass Firkušnýs Vater, der als Notar arbeitete, einst
Mitschüler von Gustav Mahler am Gymnasium in Jihlava / Iglau war. Die
phänomenale Begabung des kleinen Firkušný erkannte als erstes ein
Mitglied des Brünner Theaterorchesters. Er stellte den siebenjährigen
Jungen, der schon mit drei Jahren Klavier zu spielen begann, dem
Komponisten Leoš Janáček vor. Firkušný wurde 1919 dann einer der
letzten Schüler Janáčeks. Der Komponist, der kein großer Anhänger von
Wunderkindern war, soll über Firkušný gesagt haben: Ein solches Talent
wird nur einmal in 100 Jahren geboren.
Rudolf Firkušný
Die Karriere des Klaviervirtuosen Firkušný begann glänzend: Mit elf
Jahren spielte er bereits zusammen mit den Tschechischen Philharmonikern
Mozarts Krönungskonzert in Prag, ein Jahr später trat er in Wien auf.
Ende der 1920er Jahre und in den 1930er Jahren gab er Konzerte in vielen
musikalischen Zentren Europas. Eine weitere Persönlichkeit, die neben
Janáček den gefragten Pianisten beeinflusst hat, war Staatspräsident
Tomas Garrigue Masaryk. Ihn traf der Musiker erstmals 1927. Der
Staatspräsident soll von Firkušný begeistert gewesen sein und setzte
sich danach für ein Stipendium ein. Das Stipendium ermöglichte dem
Pianisten, auch im Ausland zu studieren. 1931 begegnete Firkušný in Paris
dem Komponisten Bohuslav Martinů, der später einige seiner Kompositionen
eben Firkušný widmete.
Rudolf Firkušný
Vor der Okkupation durch die Nazis lebte der Musiker abwechselnd in seiner
Heimat und in Paris. 1941 reiste er in die USA. Das erste Konzert gab er im
Dezember 1941 in New York, im Publikum saßen damals so herausragende
Pianisten wie Arthur Rubinstein und Vladimir Horowitz, aber auch
Firkušnýs Landsleute Jan Masaryk und Bohuslav Martinů. In der Folge
eroberte Firkušný auch die Herzen der Amerikaner.
1946 nahm Firkušný am ersten Jahrgang des Musikfestivals Prager Frühling teil. Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 brach er die offiziellen Kontakte zur Tschechoslowakei ab. Erst nach der Samtenen Revolution kehrte er in seine Heimat zurück, 1990 spielte er dort erneut beim Prager Frühling Martinůs zweites Konzert für Klavier und Orchester g-moll:
„Es war natürlich sehr rührend, nach so vielen Jahren denselben Saal zu betreten, in dem ich in meiner Jugend war und dort auch viele schöne Konzerte gehört habe. Es war zudem schön, wieder mit der Tschechischen Philharmonie zusammenzuspielen, mit der ich zuvor öfters gemeinsam aufgetreten war. Ich bin mir dessen bewusst, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Aber trotzdem bin ich sehr glücklich“, sagte der 78-jährige Pianist 1990 in Prag.
Rafael Kubelík und Rudolf Firkušný
Das Konzert beim Prager Frühling mit Firkušný wurde damals
aufgezeichnet, die Tschechische Philharmonie spielte unter der Leitung von
Rafael Kubelík. Es folgten weitere Konzerte von Firkušný in seiner
Heimat, der Pianist nahm in der Tschechoslowakei noch einige weitere CDs
auf und bemühte sich vor allem, den Musikschulen und weiteren
Institutionen hierzulande zu helfen. Er gründete beispielsweise eine
Stiftung für die Janáček-Akademie der musischen Künste in Brünn.
Rudolf Firkušný ist am 19. Juli 1994 in seinem Sommersitz unweit von New York gestorben. Die sterblichen Überreste des namhaften tschechischen Pianisten wurden 2007 auf dem Zentralfriedhof in Brno / Brünn bestattet.





