MusikCzech 120 Jahre Tschechische Philharmoniker: von Talich bis Bělohlávek

10-01-2016 02:01 | Till Janzer

Die großen Dirigenten – sie haben die Tschechische Philharmonie geprägt. Das Orchester hat am vergangenen Montag seinen 120. Geburtstag gefeiert. Aus gut acht Jahrzehnten davon sind auch Aufnahmen erhalten: von Talich bis Bělohlávek.

Václav Talich (Foto: Tschechisches Fernsehen)Václav Talich (Foto: Tschechisches Fernsehen) Václav Talich übernahm 1919 den Taktstock. In seiner Ägide ging das Orchester auf erste Auslandsreisen. Im Juni 1939 traten die Philharmoniker zusammen mit dem Orchester des Tschechoslowakischen Rundfunks mehrmals im Nationaltheater in Prag auf. Böhmen und Mähren waren zu dem Zeitpunkt bereits von Hitler-Deutschland besetzt. Die Konzerte wurden live im Rundfunk übertragen, und das auch in andere Länder wie unter anderem Frankreich und Norwegen. Die Aufnahmen sind erhalten geblieben. Das Erstaunliche dabei ist: Nach dem Schlussapplaus am Ende des ganzen Konzerts stimmten die Besucher die tschechische Nationalhymne an. Dies war ein Zeichen des Protests gegen die Besatzungsmacht.

Rafael Kubelík (Foto: YouTube)Rafael Kubelík (Foto: YouTube) Mitten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde Rafael Kubelík Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. Er brachte das Orchester durch die schwere Zeit und konsolidierte es ab Kriegsende. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten floh Kubelík aus der Tschechoslowakei. Sein Nachfolger wurde Karel Ančerl, der zunächst von den Orchestermitgliedern argwöhnisch beäugt wurde. Durch seinen Fleiß jedoch konnte der neue Meister am Dirigentenpult das Vertrauen der Musiker gewinnen. Letztlich hob er die Tschechische Philharmonie auf eine nächste Stufe: Ančerl machte aus dem bisherigen Spitzenorchester für tschechische Musik ein Ensemble von Weltformat, das alle wichtigen Komponisten interpretiert.

Václav Neumann (Foto: YouTube)Václav Neumann (Foto: YouTube) Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im Jahr 1968 emigrierte Karel Ančerl aus seiner Heimat. Václav Neumann führte sein Werk weiter.

Nach der demokratischen Revolution in der Tschechoslowakei kam es häufiger zum Taktstockwechsel. Von 1993 bis 1996 leitete auch ein Deutscher das Orchester, und zwar Gerd Albrecht. Heute ist wieder Jiří Bělohlávek Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. Er war auch der erste nach der politischen Wende von 1989 gewesen.

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