Von Folklore zur Oper: Bassbariton Lukáš Bařák

Der junge tschechische Bassbariton Lukáš Bařák studiert in Wien, tritt aber auch in tschechischen Opernhäusern auf.

Lukáš Bařák (Foto: Archiv von Lukáš Bařák)Lukáš Bařák (Foto: Archiv von Lukáš Bařák) Schon mit 22 Jahren sang er die Titelrolle in Mozarts Figaros Hochzeit. Für Lukáš Bařák war es ein sehr erfolgreiches Debüt auf der Opernbühne. Er wurde für die Rolle schließlich für den prestigeträchtigen tschechischen Thalia-Preis nominiert. Ursprünglich stammt der Sänger aus der mährischen Region Valašské Meziříčí, die vor allem wegen ihrer reichen Folklore bekannt ist. Auch deshalb ist Gesang schon seit frühester Kindheit ein fester Bestandteil seines Lebens. Zurzeit studiert er an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Im dortigen Opernstudio sang er zuletzt in Mozarts La clemenza di Tito. Der Bassbariton tritt aber immer wieder auch in tschechischen Operntheatern auf.

Herr Bařák, was war der Beweggrund für Ihr Musikstudium, wann fingen Sie damit an?

„Ich habe zuerst das Konservatorium in Ostrava besucht. Dann setzte ich das Studium an der Musikakademie in Prag. Von Prag ging ich dann nach Wien, wo ich jetzt an der Universität für Musik und darstellende Kunst studiere.“

Stammen Sie aus einer Musikerfamilie?

„Nein. Ich habe nur in einem Folkloreensemble gespielt und gesungen. Mit sieben oder acht Jahre habe ich mit dem Singen angefangen. Ich habe auch Gitarre gespielt, aber nur vier Jahre lang. Aber mir machte es keinen Spaß, nur klassische Gitarrenkompositionen zu üben, ich wollte etwas anderes spielen.“

Gebäude der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (Foto: Public Domain)Gebäude der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (Foto: Public Domain) Rock oder Folk?

„Eher Folk. Ich habe mich dann aber entschieden, dass ich nur singen und Fußball spielen werde.“

Vom Fußball zur Oper – war das ein langer Weg?

„Ja schon, das war ein verhältnismäßig langer Weg. Mit 15 beschloss ich, auf das Konservatorium zu gehen, denn ich wollte nur singen.“

Was studieren Sie konkret an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien?

„Das ist ein Programm für Gesang und Oratorien. Ich studiere bei Margit Klaushofer und Charles Spencer. Sie sind tolle Musiker und Professoren. Vorher habe ich als Erasmus-Student Oper studiert. Jetzt mache ich meinen Magister.“

Lukáš Bařák (links) in Mozarts Figaros Hochzeit (Foto: YouTube)Lukáš Bařák (links) in Mozarts Figaros Hochzeit (Foto: YouTube) Können Sie das Studium an der Prager Akademie mit dem Programm in Wien vergleichen? Wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten?

„Wir haben in Prag auch ein Opernstudio, aber in Wien ist alles irgendwie größer. In Wien studieren sehr viele Studenten aus der ganzen Welt. Ich finde, dass wir auch in Prag gute Pädagogen haben, und das Programm an der Musikakademie ist von guten Qualität.“

Wie erinnern Sie sich an Ihr Debüt in einem großen Opernhaus? Das war 2014 in Mozarts Figaros Hochzeit in Budweis. Wie alt waren Sie damals?

„Es ist ungewöhnlich, mit einer so großen Rolle in der Oper zu beginnen.“

„Ich war damals 22 Jahre alt. Es ist ungewöhnlich, dass man mit einer so großen Rolle in der Oper beginnt. Ich war schon nervös, vor allem bei den Proben. Die Proben bedeuteten mehr Stress als dann die Premiere.“

Aber es war ein Erfolg, denn für den Figaro wurden Sie für den Theaterpreis Thalia. Dann folgten weitere Rollen. In welchen Mozart-Opern haben Sie noch gesungen?

Lukáš Bařák (Foto: YouTube Kanal von Lukáš Bařák)Lukáš Bařák (Foto: YouTube Kanal von Lukáš Bařák) „Ich habe dann den Papageno in der Zauberflöte im Theater in Liberec gesungen. In den vergangenen zwei Jahren sang ich den Masetto in Don Giovanni in Prag.“

Gibt es auch kleinere Rollen, die Sie in den letzten Jahren übernommen haben?

„Ja, soeben spiele ich den Indianer in der Verkauften Braut im Nationaltheater. Im Südböhmischen Theater in Budweis und im Mährisch-Schlesischen Nationaltheater in Ostrava singe ich den Marquis in Verdis La Traviata. Ich habe zudem in Ostrava den Junius in Brittens Oper The Rape of Lucretia gesungen. Wir werden mit der Oper beim Festival Prager Frühling gastieren. Es freut mich, dass ich in einer nicht so oft aufgeführten Oper spielen kann.“

„In Wien gibt es die Möglichkeit, vielen bekannten Opernsängerinnen und Sängern zu begegnen.“

Ist es nicht anstrengend, zwischen verschiedenen Opernhäusern und der Uni zu pendeln und immer in eine andere Rolle schlüpfen zu müssen?

„Es ist ein bisschen stressig. Aber ich mag das sehr. Der Gesang und das Opernleben machen mir Spaß.“

Haben Sie in Wien die Möglichkeit, große Opernstars zu treffen?

Adam Plachetka (Foto: Markéta Navrátilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Adam Plachetka (Foto: Markéta Navrátilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ja, ich habe Adam Plachetka oder Jongmin Park getroffen. Oder auch den italienischen Bariton Leo Nucci. Nucci hatte einen Master Class an der Universität. In Wien gibt es die Möglichkeit, vielen bekannten Opernsängerinnen und Sängern zu begegnen.“

Sie stehen erst am Anfang ihrer Musikkarriere. Haben Sie aber eine Traumrolle, die sie gern singen würden?

„Ich habe eigentlich meine Traumrolle – den Figaro – schon gesungen. Aber gern würde auch Leporello in Don Giovanni singen. Mir gefielen in dieser Rolle beispielsweise Bryn Terfel oder Feruccio Furlanetto. Ich kann mir vorstellen, in Puccinis Tosca den Bösewicht Scarpia zu spielen. Auf diese Rolle werde ich aber vermutlich noch etwa 20 Jahre lang warten müssen.“

Haben Sie Zeit noch für etwas anderes als Musik?

„Ich hatte in diesem Jahr bisher keine Zeit, Pilze zu suchen. Ich hoffe, dass es am Sonntag damit klappt. Als ich jünger war, habe ich mit meiner Oma Pilzgerichte gekocht. Also ich kann schon etwas mit den Pilzen anfangen.“

Kommen Sie manchmal noch dazu, Fußball zu spielen?

„Auf die Rolle des Scarpia werde ich vermutlich noch etwa 20 Jahre lang warten müssen.“

„Leider nicht, obwohl ich gern wieder würde. Aber dafür habe ich keine Zeit mehr.“

Wo sind Sie in den kommenden Wochen zu hören?

„Am 6. Dezember werde ich mit meinen Kollegen beim Klassenabend an der Universität in Wien singen. Vorher habe ich aber mehrere Vorstellungen in Budweis und im Nationaltheater in Prag. Am 22. Dezember singe ich im Neustädter Rathaus in Prag.“

Lukáš Bařák (Foto: Archiv von Lukáš Bařák)Lukáš Bařák (Foto: Archiv von Lukáš Bařák) Wie lange bleiben Sie noch in Wien?

„Ich hoffe, ich werde weiter in Wien studieren. Nächstes Jahr würde ich gern nach Deutschland gehen und in einem Opernstudio singen – in der Bayerischen Staatsoper in München oder in der Oper in Stuttgart.“