Maori mit mährischen Wurzeln: Frank Tomas Grapl Junior

Frank Tomas Grapl Junior ist sozusagen das Bindeglied zwischen der tschechischen Kultur und der traditionellen Kultur Neuseelands. Er selbst nennt sich „Maoriavian“, also Maori-Mährer. Seine Mutter ist nämlich Maori, sein Vater stammt aus Mähren. Mit seiner Folkloregruppe Whakaari Rotorua macht Frank Tomas Grapl Junior regelmäßig Touren in Tschechien.

Frank Tomas Grapl Junior (links). Foto: Kateřina Svobodová, Archiv von Whakaari RotoruaFrank Tomas Grapl Junior (links). Foto: Kateřina Svobodová, Archiv von Whakaari Rotorua „Bei unseren Programmen machen wir die Menschen mit den traditionellen maorischen Gesängen und Tänzen, also mit der Kultur der Ureinwohner Neuseelands bekannt. In der maorischen Sprache heißt Neuseeland Aotearoa, es bedeutet ‚Land der langen weißen Wolke‘. Wir stellen dieses Land der langen weißen Wolke den Menschen aus anderen Kulturen vor, vor allem aus der Tschechischen Republik.“

Dass die Gruppe gerade Tschechien häufig besucht, ist kein Zufall. Franks Wurzeln liegen nämlich in Mähren:

„Dies war auch der erste Grund, warum ich begonnen habe, Tschechien zu besuchen. Mein Vater stammte aus Brno / Brünn. 1952 ist er aus der Tschechoslowakei nach Neuseeland emigriert, um nicht von den Kommunisten verhaftet zu werden. Er wollte frei sein. Er träumte aber immer davon, einmal in die Tschechoslowakei und später in die Tschechische Republik zurückzukehren. Als er starb, habe ich diesen Traum aufgegriffen und pflege die Verbindung zwischen meinen tschechischen Wurzeln und der maorischen Kultur. Ich verbinde die Traditionen und die Menschen, damit wir unsere Kulturgüter gemeinsam teilen können.“

„Der bekannteste Wein Neuseelands trägt den Namen eines Tschechen.“

Frank Tomas Grapl Junior freut sich, dass dies recht gut klappt. Ein schönes Beispiel sei eine Ausstellung im Jahr 2015 in Plzeň / Pilsen, sagt er. Dort waren 58 Maori-Porträts zu sehen, die er aus Neuseeland mitgebracht hatte.

„Diese Bilder sind überhaupt das erste Mal außerhalb Neuseelands gezeigt worden. Ein Maler aus Pilsen hat im 19. Jahrhundert diese Maori-Porträts gemalt. Die Menschen, die er abgebildet hat, sind meine Blutsverwandten. Der Maler selbst war tschechischer Herkunft. Er hieß Bohumír Gottfried Lindauer und gilt heute als der bekannteste Maler Neuseelands. Sogar die bei uns meistverkaufte Weinmarke wurde nach ihm benannt. Der bekannteste Wein Neuseelands trägt also den Namen eines Tschechen.“

Frank Tomas Grapl Junior (links). Foto: Archiv von Frank Tomas Grapl Junior / Whakaari RotoruaFrank Tomas Grapl Junior (links). Foto: Archiv von Frank Tomas Grapl Junior / Whakaari Rotorua Die Verhandlungen über die Ausleihe der Gemälde von Gottfried Lindauer nach Pilsen seien aber gar nicht einfach gewesen, erläutert Frank Tomas Grapl Junior.

„Manche Maori sind misstrauisch gegenüber den Europäern. Dies geht auf die negativen Erfahrungen mit dem britischen Imperium und mit der Kolonialgeschichte zurück. Sie hatten Angst, dass die Bilder nicht mehr zurückkommen. Wir Maori sind sehr spirituell veranlagt. Die Bilder sind für uns nicht nur schöne Gemälde. Wenn wir sie betrachten, schauen wir Menschen in die Augen, die ein Teil von uns selbst sind. Wenn jemand die Bilder mitnimmt, nimmt er uns auch diese Menschen weg. Die Vertreter der Pilsner Galerie waren so toll. Sie haben die Gefühle der Maori respektiert. Sie haben mit den Vertretern der Stämme verhandelt, die sich mit den Bildern verbunden fühlen. Alle sagten letztlich: ‚Ok, wir vertrauen Euch, wir schicken die Bilder zum ersten Mal nach Europa‘.“

Frank Tomas Grapl Junior hat auch die Heimatstadt seines Vaters besucht, und zwar Brno / Brünn in Südmähren.

„Mehrere Male war ich dort, vor allem weil dort meine Familie väterlicherseits wohnt. Es sind meine Wurzeln. Außerdem gibt es dort einen wirklich guten Sliwowitz. Ich nenne mich selbst ‚Maorimährer‘, das ist eine neue Art des tschechischen Maori, ich bin eines der ersten Mitglieder der Art überhaupt.“

„Ich nenne mich selbst ‚Maorimährer‘.“

Es sei wichtig, die eigenen Wurzeln kennenzulernen, unterstreicht Grapl junior:

„Man muss wissen, woher man kommt. Jeder sollte danach forschen. Aus diesem Grund liebe ich Prag und interessiere ich mich für die Geschichte. Vieles habe ich von Alexandr Dubček (tschechoslowakischer Reformpolitiker von 1968, Anm. d. Red.) gelernt, er war ein guter Freund meines Vaters. Er kam 1990 zu Besuch in unsere Stadt Rotorua und blieb vier Tage bei uns. Ich war damals acht Jahre alt. Ich kann mich aber erinnern, dass ich ihm viele Fragen gestellt habe, was die Unterschiede zwischen der Tschechoslowakei und Neuseeland betrifft.“

Frank Tomas Grapl Junior mit seinem Vater (ganz rechts) und Alexander Dubček (Foto: Archiv von Frank Tomas Grapl Junior / Whakaari Rotorua)Frank Tomas Grapl Junior mit seinem Vater (ganz rechts) und Alexander Dubček (Foto: Archiv von Frank Tomas Grapl Junior / Whakaari Rotorua) Frank Tomas Grapls Maori-Gruppe heißt Whakkari Rotorua. Whakkari bedeutet ausstellen und Rotorua ist der Name der Stadt, bedeutet aber auch „zwei Seen“:

„Wir zeigen die zwei Seen der Welt, die ein Teil unserer Stadt sind. Wir zeigen nicht nur die Stadt, sondern auch einen Teil unseres Landes. Genauso wie die Tschechische Republik ein Herz Europas ist, ist Rotorua das Herz der Nördlichen Insel Neuseelands. Die Stadt liegt in der Mitte. In Rotorua gibt es mehr maorische Kultur als in anderen Städten Neuseelands. Deswegen sind unsere Wurzeln so stark. Dies betrifft ebenfalls meine Gruppe, zu der auch meine Mutter gehört. Wir dürfen nicht nur in Ruhe singen und uns freuen, sondern sollten unsere Kultur mit der Welt teilen. Deswegen fahren wir hierher und beobachten, wie die Menschen auf uns reagieren. Und die Reaktionen sind perfekt. Wir könnten glücklicher nicht sein.“

Als Halb-Tscheche fühlt sich Frank Tomas Grapl Junior keinesfalls fremd in Neuseeland…

„Ich vermittle Kontakte zwischen den tschechischen Gruppen in ganz Neuseeland.“

„Ich fühle mich dort zu Hause. Und die Tschechische Republik ist mein zweites Zuhause. Die Gesellschaft in Neuseeland ist seit längerer Zeit bereits sehr multikulturell. Dort ist es kaum wichtig, aus welcher Kultur man stammt. In Neuseeland kommentiert niemand etwa die Hautfarbe. Die Unterschiede werden einfach nicht wahrgenommen. Und alle Kulturen ohne Unterschied sind willkommen.“

Gruß Hongi (Foto: Kateřina Svobodová, Archiv von Whakaari Rotorua)Gruß Hongi (Foto: Kateřina Svobodová, Archiv von Whakaari Rotorua) Auch Tschechen und Slowaken leben heute in Neuseeland. Sie würden immer mehr. Und er helfe ihnen, wenn möglich, sagt Frank:

„Ich habe bei mir zu Hause immer viele Touristen aus Tschechien beherbergt. Manche von ihnen wenden sich heute an mich mit der Bitte, ob auch ihre Freunde mich besuchen könnten. Ich sage: ‚Kein Problem, meine Tür steht offen, Ihr könnt kommen und bei uns verweilen.‘ Manchmal vermittle ich Kontakte zwischen den tschechischen Gruppen in ganz Neuseeland.“

Bei der Begegnung mit anderen Menschen grüßt Frank mit dem traditionellen maorischen Gruß Hongi. Dabei werden die Nasen aneinandergedrückt, um den Atem des anderen zu spüren:

„Es ist für uns normal, dass wir uns auf diese Weise begrüßen, auch wenn wir Ausländer treffen. So wie man hierzulande ‚Ahoj‘ sagt oder ‚Dobrý den‘, sagen wir ‚Kia ora‘. Es ist für uns wie bei euch das Handschütteln. Die Nasen von zwei Menschen berühren sich, damit sich ihre Seelen zu einer einzigen Seele verbinden können.“

In der Tschechischen Republik kann man Frank Tomas Grapl Junior und seine Folkloregruppe Whakkari Rotorua im Herbst wieder sehen. Von September bis Dezember sind sie hierzulande auf Tournee.