Der Medienspiegel Presseeinblicke – und: Radio Prag geht auch in Österreich „on Air“ bei Radio Ypsilon
Herzlich Willkommen zum Medienspiegel. Heute informieren wir Sie über eine neue Kooperation, die Radio Prag mit einem kleinen österreichischen Sender eingeht. Bald können Sie Radio Prag bei Hollabrunn auch über UKW hören. Doch zunächst zu unserem allfreitäglichen Presseeinblick. Was hat die Tschechen in dieser Woche bewegt, was haben die Tageszeitungen als so bemerkenswert betrachtet, dass sie diesem oder jenem Ereignis eine ganze Seite und mehr gewidmet haben?
Marriot-Hotel in Islamabad (Foto: ČTK)
Die „Hospodářské noviny“ widmet am Montag dem Tod
des tschechischen
Diplomaten in Pakistan ihre Aufmerksamkeit. Er war bei dem Anschlag
auf das
Marriot-Hotel in Islamabad umgekommen. Die HN titelt: „Der tschechische
Diplomat hätte überleben können.“ Diplomat Ivo Žďárek hatte die
erste Explosion unbeschadet überstanden. Das hatte er noch per Telefon
ins
tschechische Außenministerium gemeldet. Nach der zweiten Explosion kam
von
ihm kein Lebenszeichen mehr. Er hatte das Gebäude nicht verlassen,
sondern
den Verletzten geholfen.
Die erste Wochenhälfte stand auch in den Tageszeitungen ganz im Zeichen eines Diebstahls am Prager Hauptbahnhof. Die „Mladá fronta Dnes“ titelt am Mittwoch: „Diebe stoppten die Züge für Stunden – wegen zweier Kabel-Diebstähle war der Hauptbahnhof außer Betrieb“. Am Montagnachmittag hatten Metalldiebe ein 50 Meter langes Kabel der Signalanlage entwendet. Der Verkehr zwischen dem Hauptbahnhof und dem Stadtbahnhof Smichov brach komplett zusammen. Gleich in der darauffolgenden Nacht schlug der Kabel-Klau einweiteres Mal zu: Ein kürzeres Kabel, aber mit größeren Folgen. Die Sicherheitsanlagen des gesamten Bahnhofs fielen aus, tausende Pendler und Reisende kamen am Dienstag für mehrere Stunden nicht an ihr Ziel. Metalldiebe scheinen sich in Tschechien zu etablieren. Zig Fälle allein in den letzten beiden Jahren zeugen davon. Der wohl verwerflichste, wenn auch nicht der gefährlichste, war im April der Diebstahl von über 800 Bronze-Tafeln, die auf den Gräbern der Nazi-Opfer in der Gedenkstätte Theresienstadt angebracht waren.
Foto: Europäische Kommission
Die „Lidové noviny“ stürzt sich auf die Vorbereitungen
zur kommenden
EU-Ratspräsidentschaft Tschechiens und titel: „Verhöre bei
der Stasi.
So will sich Tschechien Europa präsentieren. – Totalität: der
tschechische Trumpf für die EU“. Zur Erklärung: In der ersten
Jahreshälfte 2009 wird die Tschechische Republik ihr fünfjähriges
Jubiläum als EU-Mitglied feiern und gleichzeitig der Europäischen Union
vorsitzen. Ebenso kommt der 20. Jahrestag des Falls vom Eisernen Vorhang
auf das Land zu. Die Regierung hat sich entschlossen, in verschiedenen
Projekten das Land zu präsentieren und dabei alle feierlichen Anlässe zu
kombinieren. So soll auch ein so genannter Totalitarismus-Zirkus durch
ganz
Europa reisen. Hier wird es auch einen Totalitarismus-Simulator geben, in
dem jeder Interessent ein Stasi-Verhör durchlaufen, oder sich seine
persönliche Kaderakte anfertigen lassen kann. Wir versüßen es Europa,
erinnert die „Lidové noviny“ in diesem Zusammenhang an das
Motto der
tschechischen TV-Kampagne zum EU-Vorsitz.
Soweit unser Presseeinblick. Gleich gehts weiter mit unserem Medienspezial.
Heute stellen wir Ihnen im zweiten Teil unseres Medienspiegels
ausnahmsweise ein Medium vor, das nicht aus Tschechien kommt, sondern aus
Österreich. Und zwar Radio Ypsilon aus Hollabrunn, nahe der
tschechisch-österreichischen Grenze. Radio Ypsilon ist ein freies Radio.
Was das bedeutet, das erklärt Programmdirektor Heribert Leschanz.
„Radio Ypsilon ist ein so genanntes freies Radio. Ein freies Radio nimmt den dritten Sektor der Rundfunklandschaft ein. Erster Sektor ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF, zweiter Sektor sind die kommerziell geführten privaten Radios. Und wir sind ein freies Radio. Es darf jeder kommen und sagen ´ich möchte eine Sendung machen´ und wir sagen ´wenn du dich an die Gesetze hältst, dann darfst du bei uns Sendungen machen und deine Interessen bekannt machen´.“
Heribert Leschanz
Soweit Heribert Leschanz über Radio Ypsilon. Aber ich bin Ihnen, liebe
Hörerinnen und Hörer, jetzt noch eine Erklärung schuldig. Weshalb
berichten wir im Medienspiegel von Radio Prag über ein österreichisches
Radio? Ganz einfach: Radio Ypsilon wird ab dem 1. Oktober zwei Mal
täglich
die Sendungen von Radio Prag in seinem Sendegebiet ausstrahlen. Und das
brandaktuell, voraussichtlich um 15:30 und um 23:30 Uhr
mitteleuropäischer
Zeit. Es entsteht also eine neue Kooperation zwischen beiden Sendern, die
nicht nur für Radio Ypsilon von Vorteil ist, sondern auch für Radio
Prag.
Denn neben den klassischen Verbreitungsmöglichkeiten wie Kurzwelle und
den
neueren wie Satellit und Internet gibt es noch eine dritte Möglichkeit,
wie Radio Prag seine Hörer im Ausland erreicht. Radio Prag-Chefredakteur
Gerald Schubert:
Radio Ypsilon (Foto: www.radioypsilon.at)
„Eine dritte Möglichkeit, und die halte ich für besonders
wichtig,
ist das so genannte Re-Broadcasting. Das heißt, wir haben auch Partner in
unseren Zielgebieten, die sich einen gewissen inhaltlichen Vorteil davon
versprechen, wenn sie unsere Sendungen re-broadcasten, also wieder
senden. Natürlich in einem vernünftigen zeitlichen Abstand, um die
Aktualität zu gewährleisten. Und für uns wiederum ist es ein Vorteil,
einfach Hörer zu erreichen. Wir sind ja öffentlich-rechtlich, unser
Interesse und unsere Aufgabe ist es, unsere Inhalte an die Hörerinnen und
Hörer zu bringen. Und wenn ein junger, vielleicht kleiner Sender wie Radio
Ypsilon bereit ist und sogar einen Vorteil davon hat, unser Programm zu
übernehmen, dann soll es uns recht sein. Unser Vorteil ist, dass wir
unsere Inhalte an den Mann und an die Frau bringen. Nämlich im Ausland,
also dort, wohin wir gemäß unseres Auftrags ohnehin senden .“
Radio Prag wird also in der Region Hollabrunn schon bald in bester UKW-Qualität zu hören sein. Programmdirektor Leschanz erklärt, wo genau Sie Radio Ypsilon und also auch demnächst Radio Prag über UKW empfangen können.
„Wir senden im nördlichen Niederösterreich, genauer gesagt im Bezirk Hollabrunn mit den Städten Hollabrunn und Retz und über die Grenze in den südmährischen Raum, in das Gebiet der Stadt Znaim.“
Radio Ypsilon-Mitarbeiter (Foto: www.radioypsilon.at)
Und aus Znojmo / Znaim kommen auch einige Mitarbeiter von Radio Ypsilon.
Schüler vom dortigen deutschsprachigen Gymnasium. In den Anfängen hieß
der Sender mal Radio Gym. Das klingt nach Schule und das war es auch. Das
Radio ist aus einem Projekt zwischen dem Gymnasium Hollabrunn und dem
Gymnasium in Znaim auf der anderen Seite der Grenze entstanden. Heute ist
Radio Ypsilon zwar kein Schülerradio mehr, aber Schüler sind dennoch mit
von der Partie:
„Also wir sind kein Gymnasialsender mehr, aber wir speisen unsere tschechische Personalkomponente aus dem Schülerbereich des Gymnasiums, wobei wir jetzt bemüht sind, das auf andere Gruppen auszuweiten.“
Dietmar Jäger
Aber welches Interesse hat ein freies Radio in Österreich, die
Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks zu übernehmen? Redakteur
und
Moderator Dietmar Jäger:
„Wir haben vor allem zwei Ziele. Einerseits das Abbauen der Grenzen im Kopf, die ja meistens aus Vorurteilen und die wiederum aus Nicht-Wissen resultieren. Da können wir einen wesentlichen Mosaikstein beseitigen. Und das Zweite ist: Viele tschechische Freunde und Kollegen, die im Raum Hollabrunn, im Raum Retz arbeiten – sei es als Lehrer, als Kellnerin oder in den verschiedensten Berufen – auch die bekommen auf diese Art Informationen über das Radio, und ich glaube, das ist ganz wesentlich.“
Auch für Programmdirektor Heribert Leschanz heißt die Kooperation mit Radio Prag „offene Grenzen einrennen“. Dafür sei es höchste Zeit.
„Die Grenze ist offen. Es geht uns jetzt darum, dass wir diese offene Grenze mit Leben füllen. Und daher ist es uns wichtig zu wissen, was passiert im Nachbarland Tschechien. Und da war es immer unser Wunsch, authentische Informationen zu bekommen. Und wenn wir die jetzt mit den Sendungen von Radio Prag, die wir übernehmen werden, liefern können, dann sind wir unserem Wunsch ein sehr großes Stück näher gekommen.
Das freie Radio Ypsilon im österreichischen Hollabrunn übernimmt ab dem 1. Oktober die Sendungen von Radio Prag. Das war´s für heute im Medienspiegel. Bis nächste Woche!





