Western und Sci-Fi: „Das Filmfest“ startet

„Das Filmfest“ wird am Mittwoch in Prag eröffnet. Zu sehen sind 30 deutschsprachige Streifen.

In den kommenden Tagen werden mehr als 30 Filme beim Festival der deutschsprachigen Filme in Prag und in Brno / Brünn gezeigt. Der zwölfte Jahrgang von „Das Filmfest“ wird am Mittwoch im Prager Kino Lucerna eröffnet. Über das Programm sprachen wir mit Tomáš Fridrich vom Prager Goethe-Institut, Sarah Polewsky vom Österreichischen Kulturforum und Jana Kuhnová von der Schweizer Botschaft.

Herr Fridrich, welche Filmsektionen gibt es beim diesjährigen Filmfest?

„Wir zeigen ungefähr 30 Filme, die wir wieder in vier Sektionen eingeteilt haben. Die sozusagen klassische Sektion hat den Titel ,Filmfest Spezial‘. Da stellen wir Filme verschiedener Genres von jungen Regisseurinnen und Regisseuren sowie von bekannten Filmemachern. Die nächste Sektion ist ,Doku‘ und zudem gibt es zwei thematische Filmsektionen: ,Futur Perfekt‘ und ,(Ohn)macht‘. Wir zeigen drei Filme, die in der Oscar-Shortlist waren oder sind. Bei einem der Streifen ist klar, dass er nicht für den Oscar nominiert wird, weil er bereits im vergangenen Jahr nominiert wurde. Es handelt sich um den Film ,Unter dem Sand‘, der bisher in Tschechien nicht gezeigt wurde. Es ist ein Film, der Tabus bricht: Er spielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und zeigt junge Kriegsgefangene, die den dänischen Nordseestrand von Tretminen der Nazis säubern müssen. Für den Oscar wurde in diesem Jahr der Film ,Aus dem nichts‘ von Fatih Akin nominiert. Es ist ein harter Film, der 2018 auch in den tschechischen Kinos gezeigt wird. Und schließlich der schweizerische Film ,Die göttliche Ordnung‘ geht auch ins Oscar-Rennen.“

Jana Kuhnová, Sarah Polewsky und Tomáš Fridrich (Foto: Martina Schneibergová)Jana Kuhnová, Sarah Polewsky und Tomáš Fridrich (Foto: Martina Schneibergová) Kommen einige der Regisseure oder Schauspieler nach Prag oder Brünn, um die Filme dem tschechischen Publikum vorzustellen?

„Ja, wir haben einige Gäste eingeladen und haben ungefähr zehn Zusagen bekommen. Nach Prag kommt beispielsweise der Regisseur Johannes Naber, der seinen Streifen ,Das kalte Herz‘ vorstellen wird. Er präsentierte beim Filmfest schon 2015 seinen Film ,Zeit der Kannibalen‘.“

Gibt es auch ein Begleitprogramm zum Festival?

„Wir arbeiten mit dem Kino Lucerna an Filmvorstellungen für Schulklassen zusammen. Das Interesse ist sehr groß. Wir wollen nicht nur die Filme zeigen, sondern auch die Themen der Streifen besprechen. Dabei arbeiten wir mit der Organisation Antikomplex zusammen. Die Lektoren von Antikomplex führen mit den Schülern eine Diskussion über den Film, was für die meisten der Besucher etwas Neues ist.“

Wie war das Interesse für das Filmfest im vergangenen Jahr?

„Das Interesse steigt, im letzten Jahr gab es 8500 Besucher. Dies war um 20 Prozent mehr als 2015. Wir hoffen, dass das Interesse auch weiterhin so bestehen bleibt oder noch steigen wird.“

 

Foto: Archives New Zealand, CC BY-SA 2.0Foto: Archives New Zealand, CC BY-SA 2.0 Frau Polewsky, was verbirgt sich hinter der Filmsektion „Futur Perfekt“?

„Wir präsentieren in der Sektion überwiegend aktuelle Science-Fiction-Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ursprünglich hatten wir die Sektion als eine Retrospektive geplant. Dann haben wir aber gemerkt, dass es sehr viele aktuelle Produktionen gibt. Wir zeigen aber nicht nur aktuelle Filme, sondern auch die Mutter aller dieser Filme, und zwar ,Metropolis‘ von Fritz Lang aus dem Jahr 1927. Der Film wird in Prag und in Brünn mit Live-Musik von der Gruppe Forma vorgestellt.“

Es werden nicht nur Schulvorstellungen angeboten, sondern die Schüler werden diesmal auch die Möglichkeit haben, hinter die Kulissen eines Kinos zu schauen. Wie sind Sie auf diese Idee?

„Wir haben uns in diesem Jahr mit dem Zyklus ,Ponrepo für Kinder‘ zusammengetan. Im Kino Ponrepo werden wir am Sonntag, den 22. Oktober, den Film ,Henry‘ zeigen. Das ist ein mittellanger Film, eine deutsch-österreichische Koproduktion. Er erzählt die Geschichte des talentierten 12-jährigen Henry, der in ein Musikinternat kommt. Er ist musikalisch begabt, aber sozial hat er Probleme. Er wird verzaubert vom Orgelspiel. Dies bietet ihm eine Flucht vor seinen Mitschülern. Es ist ein sehr spannender und mysteriöser Film, in dem die Musik eine große Rolle spielt. Den Blick hinter die Kulissen ermöglicht dann das Kino Ponrepo, die Zuschauer können erfahren, wie der täglich Ablauf im Kino aussieht.“

,Life Guidance‘ (Foto: YouTube),Life Guidance‘ (Foto: YouTube) War es schwierig, Filme für das Festival auszusuchen?

„In diesem Jahr hatten wir eher das Problem, dass wir uns sehr beschränken mussten bei der Auswahl, weil wir nur eine begrenzte Zeit haben. Konkret für Österreich kann ich sagen, dass es sehr viele aktuelle Filme gibt, die bei Festivals ausgezeichnet wurden. Aus der Sektion ‚Futur Perfekt‘ kann ich den Film ,Life Guidance‘ von Ruth Mader nennen, der Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig hatte. Aus der jungen Produktion will ich auf den Film ,Siebzehn‘ von Monja Art aufmerksam machen. Er hat den Hauptpreis beim Festival Max-Ophüls-Preis gewonnen.“

 

,Das Mädchen vom Änziloch‘ (Foto: YouTube),Das Mädchen vom Änziloch‘ (Foto: YouTube) Frau Kuhnová, welche Filme werden in der Sektion „Doku“ gezeigt?

„Es werden insgesamt sechs Filme in der sehr beliebten Sektion präsentiert: ein deutscher, zwei österreichische und zwei aus der Schweiz. Der erste Film aus der Schweiz heißt ,The Chinese Lives of Uli Sigg‘. Uli Sigg war Unternehmer, Diplomat und Kunstsammler. Er spielte eine große Rolle bei der wirtschaftlichen Öffnung nach der Mao-Zeit. Der Film beschreibt sein außergewöhnliches Leben in der chinesischen Gesellschaft von den 1970er Jahren bis heute. Der andere Schweizer Film heißt ,Das Mädchen von Änziloch‘, gedreht hat ihn Alice Schmid.“

,Die göttliche Ordnung‘ (Foto: YouTube,Die göttliche Ordnung‘ (Foto: YouTube Filme aus der Schweiz sind auch in den anderen Sektionen vertreten. Welchen der Filme würden Sie besonders empfehlen?

„Bestimmt den Film, der für die Schweiz ins Oscar-Rennen geht. Das ist der Film ,Die göttliche Ordnung‘ von der jungen Regisseurin Petra Volpe. Ihr Film ,Das Traumland‘ wurde letztes Jahr beim Filmfest mit großem Erfolg gezeigt. Im Streifen ,Die göttliche Ordnung‘ wird das Thema der späten Einführung des Wahlrechts für die Frauen in der Schweiz aufgegriffen. In der Schweiz ist der Film momentan Nr. 1.“

 

Das Filmfest findet in den Prager Kinos Lucerna, Atlas und Ponrepo vom 18. bis 22. Oktober statt. Danach werden die Filme vom 30. Oktober bis 2. November in Brünn gezeigt.