Kultursalon Tomáš Němec – aufgehender Stern der tschechischen Malerszene
Mucha, Kupka, Čapek – alles bekannte tschechische Maler. Nun zeigt eine neue Ausstellung in der Prager „Chemistry Gallery“ einen talentierten und jungen tschechischen Maler: Tomáš Němec. Mehr zum Maler und seinen Bildern hören Sie nun in einer neuen Ausgabe unserer Sendereihe Kultursalon.
Tomáš Němec, foto: Daniel Vojtěch / Red Bull Hangar-7
Tomáš Němec gehört zu den markantesten und talentiertesten jungen
Malern Tschechiens. Nun sind seine Bilder in der Chemistry Gallery in Prag
zu sehen. Petr Hájek ist Kurator der Ausstellung und Direktor der
Galerie:
„Tomáš ist einer der besten und am meisten geschätzten jungen tschechischen Maler. Er hat die Prager Akademie der bildenden Künste absolviert. Er ist noch sehr jung, erst 26 Jahre alt, aber auch die älteren tschechischen Maler und Kunstkritiker schätzen ihn bereits sehr. Meiner Meinung nach ist Tomáš einer der aufgehenden Sterne der tschechischen Malerszene.“
'Feier', 2012
Tomáš Němec wird 1986 in Polička geboren, einem Ort an der Grenze
zwischen Mähren und Böhmen. Gemäß dieser geografischen Zwischenlage
wählt er später auch seine Studienorte: Er beginnt seine Ausbildung an
der Mittelschule für Kunst und Handwerk in Brno / Brünn und geht 2005
für das Studium an die Akademie für bildende Künste nach Prag. In der
Chemistry Gallery hatte er bereits im vergangenen Jahr ausgestellt, die
damalige Ausstellung hieß „Tisch eines Jungen“. Nun hat er die
Ausbildung beendet und möchte das auch zeigen. Seine neueste Ausstellung
heißt Slavnost, auf Deutsch „Feier“. Hájek verrät, wie es zu diesem
Namen gekommen ist:
'Rabe', 2011
„Wir haben natürlich lange über einen Titel nachgedacht. Slavnost
kam
dann von Tomáš. Ich war mir zunächst nicht sicher, aber dann fand ich,
dass
es doch ein ganz gelungener Titel ist. Und das aus zwei Gründen. Der
erste
ist: Tomáš und ich kennen uns, und wir sind im Laufe der Zeit Freunde
geworden. Zu mehreren Anlässen in der letzten Zeit haben wir ordentlich
gefeiert. Und letztlich finden sich auch auf Tomáš Bildern viele Szenen
aus Clubs oder von Partys. Der zweite Grund ist, dass es mir wie ein
schöner symbolischer Ausdruck für seine gelungenen Bilder vorkam. Wenn
ein Werk gelungen ist, dann ist es ein Fest. Daher denke ich, es ist ein
gelungener Titel für die Ausstellung.“
Die Motive sind dem Alltag entnommen, sie wirken sehr farbenfroh und
modern. Němec malt mit Öl auf Leinwand und nutzt auch keine extravagante
oder auffällige Maltechnik. Im vergangenen Jahr waren seine Werke bereits
in Salzburg zu sehen, in der Galerie HangArt 7. Dort konnte er sich
gemeinsam mit anderen jungen Malern aus Tschechien präsentieren, wie zum
Beispiel Michal Pěchouček, Jakub Špaňhel oder Josef Bolf.
Die Bilder der aktuellen Ausstellung waren damals aber noch nicht zu sehen. Tomáš Němec erklärt, warum:
'Jana', 2010
„Sie sind eigentlich aus dem Sommer vergangenen Jahres, vom Ende
des
Studiums. Es sind neue Bilder, die noch nirgendwo bisher ausgestellt
wurden, weil wir bereits im Voraus mit dieser Ausstellung gerechnet haben.
Das war angenehm, weil ich an den Bildern fast neun Monate arbeiten
konnte. Das
war fast so ähnlich wie meine Vorbereitung auf die
Abschlussarbeit.“
Wie der Künstler erzählt, geht die Komposition der Ausstellung auf ihn selbst zurück:
„Ich habe die Bilder im Voraus selbst ausgewählt und niemandem
davon
erzählt. Dann habe ich dies mit Daniel Pitín und Michal Pěchouček
besprochen. Sie haben meine Auswahl dann bekräftigt, auch gemeinsam mit
dem Kurator Petr Hájek.“
Pitín und Pěchouček sind ebenfalls Absolventen der Prager Akademie der bildenden Künste, beide unterstützen ihren jüngeren Kollegen Němec bei seinen Ausstellungen, wie Kurator Hájek bestätigt:
'Teller', 2011
„Kurator dieser Ausstellung bin natürlich ich. Aber wir haben uns
sehr
intensiv von Michal Pěchouček und Daniel Pitín beraten lassen und am
Ende die Ausstellung zusammen mit Pěchouček gemacht. Wir wollten vor
allem den starken Fortschritt im Schaffen von Tomáš ein Jahr nach dem
Ende seines Studiums zeigen.“
Němec malt sowohl auf kleinen, als auch auf großen Leinwänden, wobei er auf den kleinen Bildern oftmals Ausschnitte der großenformatigen Werke präsentiert. Auffällig ist dies zum Beispiel bei einem seiner Stillleben: Auf einem Stuhl stehen ein kleiner Espressokocher und eine Tasse. Beide Gegenstände finden sich dann einzeln auf zwei 20 mal 30 Zentimeter großen Bildern wieder, mit gleichen Farben, aber leicht verschobener Perspektive. Fragt man den Künstler nach seiner Inspiration, gibt er eine erstaunliche Antwort:
Tomáš Němec
„Ein Mensch beschäftigt sich sein ganzes Leben lang mit einem
Thema.
Oder es ist in ihm etwas aus der Kindheit. Ich mag halt Edith Piaf, ihre
Lieder und ihre Inhalte, ihre persönliche Geschichte. Ich habe das
Gefühl, dass in meinen Bildern immer wieder Edith ist, auch wenn dort nur
eine Blume oder ein Stillleben zu sehen sind. Wenn wir es oberflächlich
betrachten wollen, dann klingt ihr Motiv in diesen neuen Bildern
nach.“
Kurator Hájek versucht, den Stil von Němec zu beschreiben:
'Blume', 2011
„Tomáš richtet seinen Stil auf drei Bereiche aus: Einmal
Stillleben,
der zweite Bereich sind Porträts, der dritte Bereich sind expressive und
erzählende Bilder, wie zum Beispiel das Bild vom Petřín oder die
Landschaft mit kahlen Bäumen. Tomáš ist ein Romantiker, und seine
Sachen
sind sehr romantisch. Seine letzten Arbeiten haben einen sehr starken
Symbolismus, der sich besonders in diesen expressiven und narrativen
Landschaften ausdrückt.“
Hájek ist aber vor allem von Němec´ kleinen Bildern begeistert, eines ist sein besonderer Favorit:
„Mir gefallen sehr die Erdbeeren, das ist ein kleines Bild von 20
auf 30
Zentimetern. Dabei sieht es aus wie eines dieser klassischen Bilder, die
irgendwo bei einer Auktion für furchtbar viel Geld zu ersteigern
sind.“
Das Bild Erdbeeren ist tatsächlich ein eher klassisches Werk, ein Stillleben, das vor allem durch seine starke rote Farbe vor einem eher blass gehaltenen Hintergrund auf der sehr kleinen Kleinwand auffällt. Hájek erklärt auch, was bei einer Ausstellung sehr schwer ist. Vor allem, weil er mit dem Künstler befreundet ist:
'Petřín', 2012
„Es gibt da zwei verschiedene Sichten: Einmal betrachte ich
Tomášs
Sachen als Galerist. Der möchte natürlich so viele Bilder wie möglich
verkaufen. Andererseits schaue ich mir Tomášs Sachen als Kurator an, als
Mensch, der die Werke verständlich machen möchte. Beide Sichten
muss man abwägen. Der Galerist sollte so ausstellen, dass er darauf
abzielt, zu verkaufen. Der Kurator darf da etwas spitzfindiger
sein.“
Bisher ist der Erfolg umwerfend. Němec ist mit seinen 26 Jahren schon international bekannt und es reiht sich eine Ausstellung an die nächste. In der kommenden Woche werden seine Bilder im Tschechischen Haus in Brüssel zu sehen sein, er hat bereits in Salzburg, Leipzig und Utrecht ausgestellt, ganz zu schweigen von zahlreichen Galerien in ganz Tschechien.





