Kultursalon Nationales Technikmuseum in Prag kurz vor der Wiedereröffnung
Vor mehr als vier Jahren, im November 2006, schloss das Nationale Technikmuseum auf der Prager Letná-Höhe seine Pforten. Das in den Jahren 1931 bis 1941 errichtete Museumsgebäude brauchten ebenso dringend eine Generalsanierung wie die schon ziemlich angestaubten Exponate. Am 29. Dezember präsentierte sich das Museum mit einem Tag der Offenen Tür der Öffentlichkeit. Und zu Beginn des Jahres 2011 empfängt der runderneuerte Bau dann die ersten regulären Besucher. Daniel Kortschak hat sich für uns im neuen technischen Museum umgesehen.
„Das Nationale Technikmuseum wird am 15. Februar 2011 für Besucher
wiedereröffnet. Konkret machen wir die ersten fünf renovierten
Sammlungen
zugänglich: Verkehrsgeschichte in der großen Verkehrshalle, Architektur
und Bauwesen, Druck- und Vervielfältigungstechnik, das gläserne Atelier
sowie den Bereich Astronomie und exakte Wissenschaften. Diese fünf
Sammlungen eröffnen wir am 15. Februar.“
Kurz vor Weihnachten hat der neue Leiter des Nationalen Technikmuseums,
Karel Ksandr, das lange gehütete Geheimnis über die Wiedereröffnung des
Hauses auf der Prager Letná-Höhe gelüftet. Schwierigkeiten bei der
Finanzierung und Vorwürfe gegen den ehemaligen Museumschef, er sei allzu
sorglos mit den öffentlichen Geldern umgegangen, ließen das Projekt
mehrmals ins Stocken geraten. Doch nun kann wenigstens ein Teil des
vielbesuchten Hauses wiedereröffnet werden. Und das, obwohl das Museum
wie
alle anderen staatlichen Einrichtungen auch vom Sparkurs der Regierung
Nečas betroffen ist, wie Museumschef Ksandr im Gespräch mit dem
Tschechischen Rundfunk sagt:
Karel Ksandr
„Ich will mich dazu im Moment nicht wirklich äußern. Aber aus
dem, was
die Regierung vor Kurzem beschlossen hat, geht klar hervor, dass ich im
kommenden Jahr weniger Geld für die Gehälter meiner Mitarbeiter habe.
Also muss ich das irgendwie lösen. Wie, darüber kann ich Ihnen zurzeit
nichts Konkretes sagen.“
Aber nicht nur die Mitarbeiter, auch der Museumsbetrieb bekommen den von der Regierung angesetzten Rotstift zu spüren, räumte Museumsdirektor Karel Ksandr auf Nachfrage von Radio Prag ein:
„Ja, vor allem im kommenden Jahr werden wir das zu spüren bekommen
und
wir müssen mit dieser unangenehmen Situation irgendwie fertig werden.
Konkret bedeutet das, dass sich die Wiedereröffnung weiterer
Ausstellungsteile verzögert.“
Betroffen von dieser weiteren Verzögerung ist eine der größten Attraktionen des Technischen Nationalmuseums, das in den Fünfzigerjahren errichtete Schaubergwerk. Auch beim neuen Eisenbahnmuseum, das im ehemaligen Lokomotivdepot des Prager Masaryk-Bahnhofs seine neue Heimat gefunden hat, ist man noch lange nicht soweit.
Jiří Střecha
„Die Lokomotiven sind zurzeit in einem Depot in Chomutov / Komotau
untergebracht, wo sie auf ihre Präsentation im neuen Eisenbahnmuseum am
Prager Masaryk-Bahnhof warten. Dort erneuern wir im Moment das Dach. Das
ist dringen notwendig, um das denkmalgeschützte Gebäude zu sichern.
Außerdem stellen wir gerade die Projektdokumentation und den
Gebäudenutzungsplan fertig. Ich hoffe, wir können schon in den kommenden
Monaten mit den eigentlichen Planungsarbeiten beginnen, um die Errichtung
des Museums innerhalb der nächsten sechs Jahre abschließen zu
können“,
erläutert Jiří Střecha, der Leiter des Eisenbahnmuseums, das als
Außenstelle dem Nationalen Technikmuseum angeschlossen ist.
Petr Kožíšek
Während also die Eisenbahnfans noch bis zum Jahr 2016 auf die Eröffnung
„ihres“ Museums warten müssen, kommen die Liebhaber von historischen
Pkw, Motorrädern, Flugzeugen und Feuerwehrfahrzeugen schon bald auf ihre
Kosten. Die historische Verkehrshalle, ein weiteres Wahrzeichen im
Hauptgebäude des Nationalen Technikmuseums, steht unmittelbar vor der
Fertigstellung. Die meisten Exponate stehen bereits an ihrem Platz, auch
Beleuchtung und Beschriftung sind fertig. Der Direktor der
verkehrshistorischen Sammlung, Petr Kožíšek, erläutert das Konzept der
Ausstellung:
„Unsere Ausstellung zur Verkehrsgeschichte besteht aus mehreren voneinander unabhängigen Teilen. Im Erdgeschoss stellen wir Automobile, einen kleinen Teil der Eisenbahnsammlung und Feuerwehrfahrzeuge aus. Auf der ersten Galerie sind Motorräder zu sehen, einen Stock höher Fluggeräte und ganz oben, auf der dritten Galerie sind Fahrräder und einige Beispiele für den Schiffsverkehr zu sehen.“
Zwar zeigt das Technische Nationalmuseum im Zusammenhang mit der
Errichtung eines eigenen Eisenbahnmuseums in seinem Hauptgebäude weniger
Waggons und Lokomotiven als bisher. Ganz habe man aber nicht darauf
verzichten wollen, so Ausstellungskurator Kožíšek. Ausgestellt sind in
der großen Verkehrshalle unter anderem zwei Dampflokomotiven und der um
1900 gebaute kaiserliche Salonspeisewagen. Außerdem zu sehen sind
historische Ausrüstungsgegenstände wie Signale oder jener
Zugzielanzeiger, der mehr als 100 Jahre lang den Reisenden auf dem Bahnhof
Břeclav / Lundenburg den richtigen Weg gewiesen hat. Die meisten Exponate
seien einzigartig, erzählt Sammlungsleiter Kožíšek im
Radio-Prag-Gespräch:
„Viele Ausstellungsstücke, die wir in der Verkehrshalle zeigen,
haben
eine ganz bewundernswerte aber manchmal auch düstere Vergangenheit. Als
Beispiele kann ich den Pkw Tatra 80 von Präsident Masaryk nennen oder den
gepanzerten Mercedes 540K des SS-Obergruppenführers Karl Hermann Frank.
Auch die Löschfahrzeuge, die wir zeigen, haben ihre eigene Geschichte. Am
berühmtesten ist sicher die pferdebespannte Löschpumpe, die seinerzeit
beim Brand des Nationaltheaters zum Einsatz kam; leider
erfolglos.“
Die vierjährige Sperre des Museums für die Umbauarbeiten habe man
genützt, um viele Ausstellungsstücke umfassend zu restaurieren,
erläutert Petr Kožíšek:
„Wir konnten zum Beispiel viele Motorräder restaurieren. Besonders wichtig war für uns auch, dass wir endlich einen Großteil der in der Halle aufgehängten Flugzeuge überarbeiten konnten. Kleinere Objekte wie zum Beispiel die Motorräder kann man jederzeit aus der Ausstellung nehmen, um sie zu restaurieren. Bei den großen Flugzeugen geht das natürlich nicht und wir mussten die Zeit nutzen, in der das Museum für Besucher geschlossen war. Bei einigen Fluggeräten war sehr viel zu machen und die Arbeiten haben zum Teil mehrere Monate gedauert.“
Besonders aufwändig gestaltete sich die Konservierung und Aufarbeitung
jenes Heißluftballons, der seit Jahrzehnten unter der Decke der großen
Verkehrshalle des Technischen Nationalmuseums schwebt. Zwar wiegt er bei
weitem nicht so viel wie die gezeigten Flugzeuge, allerdings war der Stoff
des Ballons bereits so angegriffen, dass er bei einer Abnahme einfach
zerfallen wäre. Dabei handle es sich bei dem seltsam anmutenden
Flugobjekt
um ein besonders wertvolles Exemplar, sagt der Leiter der
verkehrshistorischen Sammlung im Technischen Nationalmuseum, Petr
Kožíšek:
„Dieser Ballon ist unter anderem deshalb sehr interessant, weil aus
seinem Korb die ersten Luftaufnahmen von Prag gemacht worden sind. Er
wurde
auch komplett restauriert, was alles andere als einfach war. Der
Durchmesser der Ballonhülle beträgt mehr als sechs Meter, es war
ausgeschlossen, ihn irgendwo anders zu bearbeiten. Also haben wir mitten
in
der Baustelle des Nationalen Technikmuseums auch noch eine komplette
Restauratorenwerkstätte eingerichtet.“
Doch der Aufwand habe sich gelohnt, findet Petr Kožíšek. Er freue sich darauf, die in frischen Glanz erstrahlende große Verkehrshalle schon bald wieder der Öffentlichkeit zeigen zu können.
Nationales Technikmuseum
Nähere Informationen zum Nationalen Technikmuseum finden Sie hier:
www.ntm.cz/en
Fotos: Barbora Kmentová






