„Maria Theresia ist ein Mysterium“

Das Tschechische Fernsehen zeigt eine „österreichisch-ungarische“ Koproduktion über Maria Theresia.

Foto: Karel Cudlín, Archiv des Tschechischen FernsehensFoto: Karel Cudlín, Archiv des Tschechischen Fernsehens Es handele sich vermutlich um die größte Koproduktion, an der das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen bisher teilgenommen hat, erklärte Fernsehdirektor Petr Dvořák bei der Präsentation des neuen Zweiteilers über Maria Theresia. Mit dem fertigen Drehbuch in der Hand sprachen die tschechischen Fernsehleute ihre ORF-Kollegen in Wien an. Dem Filmprojekt schlossen sich schließlich auch Ungarn und die Slowakei an. Der Film beschäftigt sich mit den ersten 30 Lebensjahren der Herrscherin. Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen Maria Theresia und ihrem Mann Franz Stephan von Lothringen, aber auch die Konsequenzen, die aus der Beziehung entstanden sind. Er habe jedoch kein Geschichtsbuch verfilmt, sagt der renommierte österreichische Regisseur Robert Dornhelm:

Schweres Material für einen leichten Unterhaltungsfilm

Robert Dornhelm (Foto: Martina Schneibergová)Robert Dornhelm (Foto: Martina Schneibergová) „Wir behandeln hauptsächlich die guten Seiten von Maria Theresia. Es gibt einen kleinen Einstieg in die Kindheit, aber das ist nur die Titelsequenz. Nachher ist es die Geschichte ihrer Ehe und der ersten drei Kinder. Wir feiern heuer den 300. Geburtstag von Maria Theresia. Kritische Filme sollen diejenigen machen, die Dokumentarfilme drehen und sich mit Geschichtsaufarbeitung befassen. Das war nicht Absicht dieses Drehbuchs. Es ist eine amüsante und leichte Unterhaltungsgeschichte, die die menschlichen Züge von Maria Theresia, ihren Humor und ihre Liebe darstellt.

Maria Theresia war eine Politikerin, aber auch eine sorgsame Mutter. Hierzulande werden vor allem die Reformen der Herrscherin geschätzt. Wie ist Ihre Beziehung zu dieser Persönlichkeit?

„Für mich ist Maria Theresia ein Mysterium. Auf der einen Seite bewundere ich ihre Kraft. Wenn man sich vorstellt, dass eine Frau16 Kinder zur Welt bringt, dabei Kriege führt, Reformen im Schulwesen sowie im medizinischen Bereich durchführt und zudem den Staat repräsentiert. Es ist unvorstellbar, wie diese Frau das alles geschafft hat – so gesehen ist es wie ein Wunder. Sie war natürlich hart, kalt, berechnend. Für sich selbst hat sie die Liebe erzwungen. Alle ihre Kinder waren jedoch so zu sagen Figuren, die sie verwendet hat, um ihre Macht zu vergrößern. Diese Seiten von Maria Theresia wäre aber nicht unbedingt für einen attraktiven Unterhaltungsfilm geeignet.“

Mirka Zlatníková (Foto: Martina Schneibergová)Mirka Zlatníková (Foto: Martina Schneibergová) Wie war die Zusammenarbeit mit dem internationalen Team von Schauspielern? War es ein Vorteil, dass sie alle aus Mitteleuropa stammen?

„Die Zusammenarbeit mit den tschechischen, slowakischen, ungarischen und österreichischen Schauspielern war wunderbar. Es war sehr kreativ dabei zuzusehen, wie die sprachlichen Missverständnisse gelöst wurden und wie wieder etwas Neues und Unerwartetes dabei herauskam. Das war eine sehr gute Erfahrung für mich.“

Eine Frau, die viel verbergen wollte

Das Drehbuch für den Zweiteiler Maria Theresia hat Mirka Zlatníková geschrieben. Die Monarchin sei ein Mensch gewesen, der sehr auf sein Privatleben geachtet habe, erzählt die Drehbuchautorin.

„Sie ließ ihre Biografien nach dem Vorbild antiker Heldinnen verfassen und nicht nach der Wirklichkeit. Ich habe darum in anderen historischen Quellen nach Erwähnungen über Maria Theresia gesucht. Aber es gibt nur sehr wenig, denn die persönliche Zensur der Herrscherin war streng. Ich musste mir also die Geschichte einer Frau teilweise ausdenken, die sich so sehr davor gefürchtet hat, etwas über sich preiszugeben.“

Brief von Maria Theresia (Foto: Österreichisches Staatsarchiv)Brief von Maria Theresia (Foto: Österreichisches Staatsarchiv) Maria Theresias Korrespondenz ist zwar erhalten geblieben. Die Kaiserin hat laut Zlatníková aber gewusst, dass die Briefe in Archiven aufbewahrt werden würden. Darum seien sie mit politischen Reden vergleichbar, meint die Autorin.

„Ich habe mir aber gesagt, dass sich doch etwas abgespielt haben müsste, noch bevor Maria Theresia als Mensch so steif geworden ist. Denn ein Mensch wird nicht so unzugänglich, ohne vorher einen emotionalen Schock erlebt zu haben. Sie hat aus Liebe geheiratet. Aber keinem ihrer Kinder, bis auf eine Ausnahme, hat sie erlaubt, dasselbe zu machen. Man könnte beinahe sagen, sie hat den Kindern diesen Luxus nicht gegönnt und wollte sie vor den Folgen einer Liebesheirat schützen.“

Sie habe auch bei der Besetzung der Hauptrollen mitreden dürfen, erzählt Mirka Zlatníková:

„Marie-Luise Stockinger vom Wiener Burgtheater war für uns eine Überraschung. Robert Dornhelm hat sich diese Schauspielerin sehr gewünscht für die Hauptrolle. Entscheidend war schließlich eine natürliche Kommunikation zwischen ihr und Vojta Kotek, der ihren Mann spielt. Es gab ursprünglich etwa drei Adepten für seine Rolle. Aber die beiden – Stockinger und Kotek -verstanden einander sehr gut und hatten zusammen viel Spaß bei den Dreharbeiten.“

Der Zauber von Jugend und Liebe

Vojtěch Kotek als Franz Stephan von Lothringen und Marie-Luise Stockinger als Maria Theresia (Foto: Karel Cudlín, Archiv des Tschechischen Fernsehens)Vojtěch Kotek als Franz Stephan von Lothringen und Marie-Luise Stockinger als Maria Theresia (Foto: Karel Cudlín, Archiv des Tschechischen Fernsehens) Er habe in Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen junge Menschen gesehen, über deren Zukunft schon im Voraus entschieden worden sei, sagt der tschechische Schauspieler Vojta Kotek.

„Ich bin davon überzeugt, dass es für diese Menschen sehr kompliziert war, die Herausforderungen jener Zeit zu bewältigen. Auch wenn sie von klein auf in der Familie und auf dem Hof auf ihr künftiges Leben vorbereitet wurden. Ich glaube, dass Maria Theresia schon in ihrer Jugend eine große Kraft und Entschlossenheit gezeigt hat. Ich halte sie für eine beeindruckende Frau.“

Es sei jedoch fast unmöglich gewesen, ausführlichere Informationen über Franz Stephan von Lothringen zu finden, räumt Kotek ein.

„Er wurde in den historischen Quellen übersehen. Für mich war er ein hoch interessanter Mensch. Er durfte am politischen Geschehen nicht teilhaben, die Politik betraf ihn einfach nicht. Er war imstande diese Situation zu bewältigen. Doch ihm machte es nicht wirklich etwas aus. Er wirkte auf dem Hof damals wie ein Marsmensch. Ich hoffe, dass die Zuschauer dank dem Film etwas mehr über ihn erfahren.“

Die Dreharbeiten zu Maria Theresia dauerten 46 Tage. Gefilmt wurde in Wien, Bratislava und vor allem an mehreren Orten Tschechiens, darunter drei Wochen lang im Schloss in Kroměříž / Kremsier, zudem in Dobříš, Valtice / Feldsberg und in der Reithalle in Světce bei Tachov / Tachau. Während der Filmarbeiten wurden 2500 Kostüme und 55 Perücken benutzt.

Beim ORF hat der Film Maria Theresia am 27. Dezember seine Premiere erleben. Das Tschechische Fernsehen sendet den Zweiteiler am 1. und 2. Jänner.