Kultursalon Gertruda Göpfert lässt ihr "Winterklavier" ertönen

25-01-2004 | Marketa Maurova

Ein Klavier leitet unser Gespräch mit der tschechischen Dichterin und Malerin Gertruda Goepfert ein. Genauer gesagt das "Winterklavier". So heißt nämlich ihr letzter Gedichtband. Markéta Maurová hat sich mit Gertruda Geopfert über deren dramatisches Leben und künstlerisches Schaffen unterhalten.

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Im Buchverlag Atlantis ist vor kurzem der Gedichtband "Das Winterklavier" erschienen. Was findet man in diesem Buch, wollte ich zunächst von der Autorin wissen:

"Also es beinhaltet meine zwei Gedichtbände, die schon erschienen sind, und zwar Stieglitzschar' und Feuerwerk der Vergeblichkeit'. Des Weiteren trifft man auf neue Gedichte, die in Zeitschriften hier und da, in Rom oder in Deutschland, oder auch als Übersetzungen in Tschechien erschienen sind."

Die erwähnten Bände sind in den 60er und 70er Jahren erschienen. Wann haben Sie eigentlich begonnen, Gedichte zu schreiben?

"Im Exil habe ich damit begonnen, ich denke so Ende der 50er Jahre. Früher habe ich nie Gedichte geschrieben. Aber dann plötzlich ist mir meine Muttersprache wichtig geworden und seitdem habe ich Gedichte geschrieben. Vorher waren das nur Prosatexte. In Bayern habe ich zum Beispiel die Dorfskizzenblätter' geschrieben. Das sind Beschreibungen der Dörfer in der Umgebung von Rosenheim und München."

Ihre künstlerische Tätigkeit hat sich eigentlich in zwei Richtungen entwickelt, in der Literatur und in der bildenden Kunst. Verlief diese Entwicklung parallel oder gab es Perioden, in denen die Literatur überwogen hat, und Perioden, in denen Sie mehr Bilder gemalt haben?

"Natürlich. Als ich zum Beispiel nach 1949 in Paris gelebt habe, da war es fast ausschließlich die bildende Kunst. Ich war an der Akademie und habe fast nur gemalt. Also auf Tschechisch habe ich jedenfalls nicht geschrieben."

Das Buch, das wir in der Hand halten, ist nicht nur von Ihnen geschrieben, sondern auch illustriert worden. Ist es eigentlich ein Unterschied, das eigene Buch oder das Buch eines anderen Dichters mit Bildern zu begleiten?

"Ja, es ist ein Unterschied, weil ich zum Teil in den Bildern sehe. Also auch das, was ich sage, sehe ich manchmal in Bildern. Ich sehe mögliche Bilder dazu, und dann fällt das Illustrieren für mich selbst auch leichter. Male ich aber für andere Dichter, da muss ich überlegen. Manchmal finde ich Autoren, für die ich problemlos illustriere. So habe ich z.B. das Werk eines Exilautors namens Robert Vlach illustriert und habe volkstümliche Sachen dazu gemacht, was mir leicht fiel, weil mich seine Gedichte dazu inspiriert haben. Aber für manche Leute muss ich lange überlegen, was ich dann zeichne."

Können wir ein bisschen auf Ihre Biographie zurückblicken? Sie sind in Tschechien geboren, haben aber fast Ihr ganzes Leben im Ausland verbracht...

"Ich bin in Mähren geboren, bei Iglau, habe aber sehr lange in Prag und auch in Südmähren bei Kyjov (Gaia) gelebt. Nach meiner Hochzeit, kurz nach dem Abitur, bin ich wieder nach Prag zurückgekehrt. Und von Prag bin ich dann für immer fort gegangen."

In Prag haben Sie Kunst studiert...

"...in Prag war ich an der Kunstgewerbehochschule, habe aber dann leider das Land verlassen müssen."

Sie haben ein Stipendium bekommen und sind bereits im Ausland geblieben. War es denn ihre freie Entscheidung, im Ausland zu bleiben?

"Ich wollte nicht im Ausland bleiben, ich wäre sehr gerne zu Hause geblieben. Aber dann ist die Situation für meinen Mann so kritisch geworden, er wäre verhaftet und wahrscheinlich entweder auf lebenslang verurteilt oder hingerichtet worden. Er hat so viel Angst gehabt, dass er unbedingt flüchten wollte. Also habe ich ihn begleitet. Ich habe zunächst legal ein Stipendium bekommen, als Belohnung für meine Arbeiten an der Kunstgewerbehochschule. Ein Stipendium für die Schweiz, für die Praxis in der Druckerei Orel-Füssli in Zürich. Das war eine sehr vornehme, sehr bekannte Druckerei und ich war sehr froh und stolz, dass sie mich zur lithographischen Praxis für zwei Monate aufgenommen haben. Aber in der Schweiz durfte ich nicht länger bleiben. Und deshalb habe ich überlegt, wie mache ich das, dass ich im Ausland bleiben kann und das Recht habe, in einem Land zu leben. Dann ist mir eingefallen, dass man in Frankreich, wenn man dort studiert, die Aufenthaltsgenehmigung bekommt. Ich bin also nach Paris gefahren und habe erreicht, dass ein Professor mich an der Akademie, in seinem Atelier aufgenommen hat."

Später haben Sie auch in Deutschland gelebt, Ihr Mann hat beim Sender Radio Freies Europa gearbeitet...

"Ja, wir haben dann in Deutschland gelebt und nur die Ferien im Ausland verbracht, meistens in Italien, wo mein Mann (?) geboren ist. Wir haben in München und dann in Rosenheim gelebt."

Sie haben Ihre Gedichte auf Tschechisch geschrieben. Sie sagten, die Beziehung zur Muttersprache war so stark, dass sie diese in der Poesie zum Ausdruck bringen mussten. War es für Sie schwierig, die Muttersprache weiter zu entwickeln und zu behalten?

"Nein, es war absolut nicht schwierig, zur Muttersprache zurückzukehren. Aber ich glaube, ich habe nicht zu ihrer Entwicklung beigetragen. Ich bin mit meiner Sprache nicht dort, wo die Leute in Tschechien sind. Aber trotzdem, so denke ich, pflegte ich keine beschränkte Sprache. Es ist vielmehr meine poetische Sprache."

Ich würde sagen, dass sie sogar sehr poetisch, zauberhaft und lyrisch ist. Sie haben wahrscheinlich viele tschechische Dichter lesen müssen...

"Also meine Sprache entwickelt sich nicht aus der Inspiration von anderen, nein, die kommt wirklich vom Inneren. Und ich glaube, sie wirkt und klingt deshalb so, weil sie wahre Gefühle, wahre Empfindungen, wahre Gedanken ausdrücken will. Eben nach meiner Art. Sie ist deshalb so überzeugend, weil sie nicht nur formal ist. Sie hat auch Inhalt, nicht nur den Klang, sondern gerade den Inhalt."

Jetzt ist ein Buch fertig. Setzen Sie Ihre Arbeit weiter fort? Schreiben Sie weiter Gedichte oder malen Sie?

"Ja natürlich, ich schreibe weiter Gedichte, wenn auch selten. Meistens male ich. Die Malerei ist jetzt meine Arbeit."

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