Es war einmal…

Märchen aus Tschechien und Deutschland stehen im Mittelpunkt beim neuen Filmfest „Fabulix“ in Annaberg-Buchholz. Los geht es schon am Mittwoch.

Aschenbrödel, der kleine Prinz, und ab und zu ein Zwerg: Die malerische Erzgebirgsstadt Annaberg-Buchholz steht in dieser Woche ganz im Zeichen der Märchen. Es findet nämlich zum ersten Mal das Märchenfilmfest „Fabulix“ statt. Das Festival steht ganz im Zeichen der tschechisch-deutschen Koproduktionen. Miriam Heezen hat sich über das Programm informiert.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ war schon im Jahre 1970 ein großer Erfolg und gehört nach wie vor zu den bekanntesten Märchenfilmen in Tschechien und Deutschland. Und genau daran soll in denen nächsten Tage angeknüpft werden. Filip Albrecht ist der Direktor des Festivals:

„Wir möchten bei dem Festival ganz gerne auf diese deutsch-tschechischen Koproduktionen aufbauen, weil beide Länder unabhängig voneinander in den letzten Jahren sehr viele Märchenfilme produziert haben. Es gibt im ZDF beispielsweise die ‚Märchenperlenreihe‘, die insgesamt 16 Filme umfasst. In Tschechien entstehen jedes Jahr fünf bis zehn Märchenfilme. Leider produzieren beide Länder solche Werke nur noch unabhängig voneinander. Wir haben dazu eine Veranstaltung mit Fachleuten organisiert. Die Idee dahinter ist, diese tschechisch-deutsche Koproduktion wieder aufleben zu lassen. Und dazu soll das internationale Märchenfilmfestival Fabulix in Annaberg- Buchholz einen sehr wichtigen Teil beitragen.“

Am Freitag wird es ein Symposium geben, bei dem eben dieser Leitgedanke diskutiert werden soll. Produzenten und Regisseure aus Tschechien und Deutschland kommen zusammen, um sich über die Zukunft der Märchenfilmlandschaft zu beraten.

„Das Ziel des Symposiums ist es eben, genau dieses Thema zu besprechen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutsch-tschechischen Märchenfilms. Wir hoffen darauf, dass die großen Namen der Branche sagen: ‚Also jetzt ist eigentlich die Zeit gekommen, ein neues Drei Haselnüsse für Aschenbrödel oder einfach einen anderen deutsch-tschechischen Märchenfilm entstehen zu lassen.‘ Unser großer Traum ist es, dass dieser Märchenfilm im Erzgebirge gedreht wird“, so Filip Albecht.

Deutsch-tschechische Koproduktionen

Insgesamt werden 76 Filme gezeigt. Das Programm umschließt DEFA-Klassiker, wie zum Beispiel den Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, Neuverfilmungen, wie „Krabat“ oder internationale Märchenfilme wie „Ronja Räubertochter“. Auch Zeichentrick- und Animationsfilme wie „Der kleine Prinz“ werden dem Publikum präsentiert. Die Filmvorführungen finden auf dem Marktplatz, den Altstadtterrassen und im Kino Gloria statt.

Die Vorbereitungen für die Festivalpremiere haben fast zwei Jahre in Anspruch genommen. Kein Wunder, neben den Teilnehmern des Symposiums werden noch viele weitere prominente Gesichter erwartet. Darunter auch die tschechische Sängerin und Schauspielerin Helena Vondráčková. Sie hat vorab ein Grußwort geschickt:

„Dobrý den, liebe Fabulix-Besucher. Ich bin Helena Vondráčková, und Ihr kennt mich vielleicht als die wahnsinnig traurige Prinzessin aus dem gleichnamigen Märchenfilm. Ich freue mich, schon am 25. August wieder Gast in Annaberg- Buchholz zu sein und den Zauber von Fabulix hautnah zu spüren. Es ist für mich eine besondere Ehre, am Freitagabend zum großen Galakonzert ‚Märchenhafte Sommernachtsmelodien‘ auf dem Marktplatz singen zu dürfen. Eine große Überraschung habe ich für Euch auch im Gepäck. Also, seid gespannt! Bis dahin. Na shledanou, Eure Helena.“

Singen wird Helena Vondráčková unter anderem die eigens vom Festivaldirektor komponierte Hymne „Kommt mit ins Märchenland“:

„Kommt mit ins Märchenland. Gemeinsam Hand in Hand. Macht Euch auf in eine ferne Galaxie. Kommt mit ins Märchenland. Es ist Euch gut bekannt…“

Helena Vondráčková singt

Am Galaabend werden außer der wahnsinnig traurigen Prinzessin noch weitere Künstler zu hören und zu sehen sein. Der Festivaldirektor:

„Für diese Musikgala wird die Erzgebirgische Philharmonie spielen, unter der Leitung des japanischen Dirigenten Naoshi Takahashi. Natürlich wird die Philharmonie die schönsten Filmmelodien spielen. Aber zugleich werden wir auch prominente Musiker aus beiden Ländern haben, die zusammen mit dem Orchester ihre Solotitel vortragen. Diese Solokünstler das sind Helena Vondráčková, Ella Endlich und Michael Schanze. Auf Michael Schanze freue ich mich besonders, da er mehrere Jahrzehnte lang ein bekanntes Kinderidol in Deutschland war. Beate Werner, die bekannte NDR-Moderatorin, wird das Ganze moderieren.“

Neben den musikalischen Einheiten wird es ab dem 24. August eine Kostümausstellung geben. Eröffnet wird sie unter anderem von Pavel Trávníček, der den Prinz in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ spielt. Filip Albrecht:

„Wir haben eine einzigartige Ausstellung von Märchenfilmkostümen, die in sehr enger Kooperation mit den weltberühmten Barrandov-Studios stattfindet. Dabei arbeiten wir eng mit Herrn Patrick Bandiky, dem Vorstandsvorsitzenden der Barrandov-Studios, zusammen. Da werden beispielsweise die Originalkostüme aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gezeigt, was natürlich ein Kulturgut in Tschechien ist. Wir mussten sogar die Genehmigung des Kulturministers einholen, dass wir diese Kostüme überhaupt außer Landes schaffen dürfen – auch wenn Annaberg-Buchholz nur ein paar Kilometer hinter der Grenze ist.“

Eine neue Tradition schaffen

Seit Juni verwandelt sich Annaberg-Buchholz immer mehr in eine Märchenstadt. Eine „Dornröschenhecke“ wächst das Rathaus empor, und es werden fleißig Dekorationen gebastelt. Einen Zauberwald gab es bis vor kurzem auch noch. Doch leider haben Vandalen diesen in der Nacht auf den 6. August zerstört.

„Wir hatten einen Märchenwald von dem bekannten amerikanischen Künstler Glenn Brecht. Der Märchenwald wurde im Wald aufgestellt. Wir haben dann die Nachricht bekommen, die in Deutschland auch durch die Presse ging, dass dieser Märchenwald über Nacht von Vandalen zerstört worden ist. Das muss eine große Enttäuschung für die 1000 angekündigten Besucher und Schulklassen gewesen sein. Bei dem Telefongespräch wurde mir gesagt, der Märchenwald sei über Nacht zerstört worden, was wirklich Wahnsinn ist“, meint der Festivaldirektor.

Trotz des unschönen Ereignisses vor zwei Wochen erwartet das Fabulix-Team eine fünftstellige Besucherzahl.

Ein Ziel des Festivals ist es, Annaberg-Buchholz für Besucher während der Sommersaison attraktiver zu machen. Bisher war die Erzgebirgsstadt vor allem während der Wintermonate ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Deutsche und Tschechen. Das Festival soll der Stadt ein anderes Flair verleihen. Aber nicht nur das:

„Das Ziel ist es, dass Fabulix wirklich in der Filmlandschaft eine Tradition aufbaut. Und dass sich Annaberg in Deutschland als Märchenfilmhauptstadt etabliert, möglicherweise sogar in Zukunft europaweit. Es wird wahrscheinlich im zweijährigen Turnus stattfinden. Einfach deswegen, weil die Vorbereitungen immer extrem aufwändig sind. Annabergs Oberbürgermeister Rolf Schmidt hat einmal auf einer Pressekonferenz eine sehr witzige Sache gesagt. Das Ziel sei es, dass es das Festival immer noch geben soll, auch wenn wir, die Veranstalter, schon in Pension sind. Sprich, dass wir in zwanzig oder dreißig Jahren das Zepter abgeben und dann eine neue Generation unsere Arbeit übernimmt.“

Bei Fabulix die Zuschauer über ihren Favoritenfilm abstimmen. Am 27. August um 14.30 Uhr wird der Siegerfilm bekanntgegeben und zum krönenden Abschluss des Filmfestes den Zuschauern noch einmal gezeigt.

www.fabulix.de