Energetik des Raumes – Doppelausstellung in Prag

Die tschechisch-deutsche Malerin Dagmar Dost-Nolden und der deutsche Glaskünstler Patrick Roth stellen in Prag aus.

Dagmar Dost-Nolden (Foto: Martina Schneibergová)Dagmar Dost-Nolden (Foto: Martina Schneibergová) Frau Dost-Nolden, wie ist der Name der Ausstellung entstanden?

„Wir hatten ursprünglich einen anderen Arbeitstitel. Als aber die Kuratorin Vlasta Čiháková Noshiro die Werke sah, hat sie diesen Namen festgelegt. Denn es geht hier um Energie.“

Haben Sie beide den Ausstellungsraum mit so viel Licht dank der Glaskuppel im Vorfeld schon gesehen?

„Ja, schon. Ich war vorher mehrmals hier. Die Kuratorin schätze ich sehr, denn ich lese oft ihre Artikel im Fachmagazin Ateliér. Der Raum ist sehr schön, man spürt die Energie durch die Glaskuppel hereinströmen.“

Sie leben seit fast 40 Jahren in Deutschland. Wie haben sich Ihre Gemälde oder Skulpturen seit dieser Zeit gewandelt?

„Alles entwickelt sich mit den Jahren, auch die Kunst. Natürlich versuche ich, dem Grund, dem Urwesen der Dinge näherzukommen.“

Eines der Gemälde heißt „S podivem“, auf Deutsch: mit Erstaunen. Worüber erstaunt man vor dem Werk?

„Man erstaunt darüber, was man heute alles weiß, dass Materie praktisch aus nichts entstehen kann. Es handelt sich um das Staunen über das Universum.“

In einigen Werken gibt es bestimmte Anzeichen von Personen oder Gesichtern, stimmt das?

„Dieses Bild heißt ,Smysl toho‘ – The Sence oft That. Da gibt es Formen, fließende Linien, hell, dunkel und viel Rot. Es bewegt sich zwischen expressiv und abstrakt, die Figur ist nur angedeutet, aber sie ist da. Man kann sie sehen oder auch nicht. Ich wollte die Grenze zwischen dem Materiellen und dem Ideellen zeigen. Das Bild ist nicht schnell entstanden. Es gibt Bilder, die viel Zeit brauchen, die sich entwickeln.“

 

Patrick Roth (Foto: Martina Schneibergová)Patrick Roth (Foto: Martina Schneibergová) Herr Roth, arbeiten Sie zum ersten Mal mit Frau Dost-Nolden zusammen?

„Das ist unsere erste Ausstellung. Ich bin relativ neu im Kunstbusiness. Ich arbeite zwar seit 20 Jahren mit Glas und habe eine klassische Ausbildung. Erst vor etwa drei Jahren habe ich mich entschlossen, mich auf dem Markt sozusagen zu propagieren. Vorher war ich Lehrer an einer Glasfachschule.“

Haben Sie dieses Kunstwerk speziell für die Prager Ausstellung geschaffen?

„Ja, es heißt auch Energetik des Raumes, ich habe es speziell für Prag angefertigt. Es besteht aus 200 Einzelscheiben, die alle einzeln angepasst sind und in denen sich dadurch eine Spirale ergibt, dass die Rückseite der einen Scheibe mit der Vorderseite der anderen Scheibe korrespondiert. Dadurch ergeben sich Ringe in diesem ganzen Objekt. Das hat mich einiges an Konstruktionsarbeit gekostet. Ich habe während des ganzen Arbeitsprozesses, der etwa vier Wochen dauerte, sogar von den einzelnen Scheiben geträumt.“

Die Ausstellung „Energetik des Raums“ ist in der Galerie der Kritiker im Palast Adria zu sehen. Sie läuft bis 29. Oktober.

Bei Ihrem Werk „Der Störenfried“ hat man Lust, das Glas zu berühren. Das darf man aber in einer Ausstellung vermutlich nicht?

„Grundsätzlich habe ich in meinem Atelier nichts dagegen, wenn ein Betrachter die Sachen greift. Die Haptik ist durchaus ein wichtiger Faktor für mich. Natürlich ist es bei Ausstellungen schwierig. In dem Objekt gibt es zwei sogenannte Störenfriede. Der eine ist deutlicher und erscheint in der Sichtfront dunkler. Es gibt aber auch einen zweiten Störenfried, der versteckt ist und nur bei bestimmten Lichteinfällen deutlicher wird.“