"Der Sieger ist...": ´Jugend debattiert 2007´- Tschechische Republik

Angefangen hatte es als privater Debattierclub, mittlerweile hat sich der Bundespräsident der Sache als Schirmherr angenommen. - Der Wettbewerb "Jugend debattiert". Seit wenigen Jahren entwickelt er sich sogar zu einem kleinen deutschen Exportschlager - "Jugend debattiert - international" ist schon in Tschechien angekommen.

"Damit alles auch zeitlich richtig funktioniert", so der stellvertretende Leiter des Goethe-Instituts, Matthias Makovski, "haben wir eine Glocke und einen Zeitnehmer. Versuchen Sie mal, ob die Glocke funktioniert - ja! Dann möchte ich Ihnen das Thema der heutigen Debatte bekannt geben. Es lautet: `Soll die Türkei in die Europäische Union aufgenommen werden?` - Meine sehr verehrten Damen und Herren Debattanten, Sie haben das Wort!"

Der 11. Mai. Im Festsaal des Lobkovic-Palais, der deutschen Botschaft in Prag, stehen vier Jugendliche hinter Rednerpulten, zwei links - die Pro-Seite - und zwei rechts - die Contra-Seite. Vor ihnen Exzellenzen und Prominenzen und vieles, was Rang und Funktion hat. Die Schüler stehen im Finale des Wettbewerbs "Jugend debattiert - international", einem Projekt der Hertie-Stiftung, des Fonds "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und des Goethe-Instituts. Gesucht wird der beste jugendliche Debattant der Tschechischen Republik. Unter den letzten Vieren ist der 17-jährige Jakub Stefela vom Liberecer Gymnasium F.X. Saldy. Ihn und seine Mitschüler Roman Uhlir, 18 Jahre, und Adela Votavova, 15 Jahre, sowie den Lehrer Christian Bergen, der die Schüler im Debattieren trainiert, habe ich bereits im April zu einem Gespräch ins Studio eingeladen. Also drei Wochen vor dem großen Finale in der Botschaft. Damals war noch nicht klar, ob Jakub das Halbfinale im Goethe-Institut meistern und sich am Ende ins Finale debattieren wird.

 

Herr Bergen, "Jugend debattiert - international" - was ist das eigentlich?

Christian Bergen: "Jugend debattiert ist ein Wettbewerb, der schon lange Jahre in Deutschland erfolgreich läuft und erst in den letzten Jahren auch ins Ausland exportiert wird. Vor vier Jahren fand der Wettbewerb zum ersten Mal in der Tschechischen Republik statt und wird jetzt in die Baltischen Länder, nach Polen und nach Weißrussland ausgeweitet. "Jugend debattiert" ist ein interessantes Format, bei dem zwei Gruppen zu aktuellen Themen nach festgesetzten Regeln debattieren."

Debattieren ist gut und schön, aber manchmal kann das ja auch im Chaos enden. Jakub, wie läuft das eigentlich ab?

Jakub Stefela: "Jugend debattiert hat ziemlich strenge Regeln. Es gibt immer zwei Seiten, die Pro-Seite nud die Contra-Seite. Und die Frage muss immer so gestellt sein, dass es möglich ist, mit "ja" oder "nein" zu antworten. Die Ganze Debatte ist in drei Teile geteilt. Erst die Eröffnungsrunde, in der jeder in zwei Minuten seinen Standpunkt darlegt und seine Argumente in die Debatte bringt. Dann kommt die Freie Aussprache, in der alle die Argumente miteinander konfrontieren, miteinander sprechen und versuchen die Argumente zu bekräftigen. Und am Ende hat jeder noch eine Minute Zeit für die Schlussrunde.

Roman, was sind die üblichen Themen für "Jugend debattiert"?

Roman Uhlir: "ES geht um Themen, die auch meistens die ganz normalen Menschen betreffen. Es sind aktuelle Themen. Eins von diesen Themen war letzten Jahr zum Beispiel die Frage, ob das Wahlrecht auch für Jugendliche 1b 16 eingeführt werden soll. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel auch über reproduktives Klonen in Einzelfällen gesprochen. Und es gibt auch so genannte Spaßdebatten, wo man darüber sprechen kann, ob zum Beispiel das Kaugummikauen in der Öffentlichkeit in der Öffentlichkeit verboten sein soll oder nicht."

Adela, wie lange bist Du dabei?

Adela Votavova: "Ich bin erst seit ein oder zwei Monaten dabei. Ich habe nicht so viel Erfahrung bisher. Ich bin also heute eigentlich zum ersten Mal im Goethe-Institut dabei gewesen und es hat mir Spaß gemacht. Ich will weiterhin dabei bleiben."

Jakub, wie fühlt sich das an, auf einem Podium zu sitzen und vor einem fremden Publikum in einer fremden Sprache debattieren zu müssen?

Jakub Stefela: "Ich muss sagen, für mich ist das immer ein Problem vor den Leuten zu sitzen und zu sprechen. Und wenn es dann noch auf Deutsch ist, dann ist die Situation manchmal sehr schwer. Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass solche Erfahrungen für das Leben sehr gut sind. Wir müssen es im Leben einfach lernen, auch vor Leuten zu sprechen. Und es ist auch gut, dass man lernt Argumente und Gründe für das, was man behauptet, zu finden und diese dann gegenüber den anderen durchzusetzen. Also ich glaube, es ist eine sehr gute Sache."

Ich wünsche Euch auf alle Fälle für den weiteren "Debatten-Weg" viel Erfolg, vor allem dir, Jakub, im Goethe-Institut und in der Botschaft - ich hoffe, dass Du dort landen wirst.

 

Drehen wir die Zeit wieder drei Wochen vor, bis zum 11. Mai. Jakub Stefela hat es ins Finale geschafft. Er und seine Mitstreiter von drei anderen Schulen in der Republik debattieren 25 Minuten konzentriert über die Frage, ob die Türkei in die Europäische Union aufgenommen werden soll. Und zwar in Anwesenheit des türkischen Botschafters. Hier die letzten Worte in Jakubs Schlussplädoyer:

"...viele Leute unter der Armutsschwelle leben. Vielleicht ist die türkische Regierung bereit dazu, diesen Zustand zu ändern, aber bis das nicht passiert ist, muss ich dagegen sein und sagen, dass die Türkei nicht in die EU aufgenommen werden soll."

Die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Im Publikum diskutiert man bei Kaffee und Kuchen über seine Favoriten und nach einer halben Stunde verkündet Matthias Makowski:

"...der Sieger von `Jugend debattiert 2007´ in der Tschechischen Republik - Jakub Stefela!"

 

Wann hast Du erfahren, dass der türkische Botschafter dabei sein wird?

Jakub Stefela: "Erst etwa fünf Minuten vor der Debatte und es war wirklich ein Schock für mich, weil ich dagegen war (gegen den EU-Beitritt) und es war ein komisches Gefühl. Aber es ist nur eine Debatte und deshalb werden sich daraus keine Probleme ergeben."

Was war das für ein Gefühl hier in der Botschaft zu stehen - du bist jetzt das zweite Jahr dabei, im ersten Jahr hat es nicht geklappt, jetzt hat es geklappt und du bist sogar Sieger geworden.

Jakub Stefela: "Hier auf der Botschaft war die Atmosphäre wirklich ein bisschen anders als in den letzten Runden. Da war man immer nur unter Leuten, die etwas mit Debattieren zu tun haben. Und jetzt so offiziell und vor so wichtigen Leuten...es war schwer hier zu debattieren, aber das Gefühl am Ende ist ja immer gut! (lacht) Es war eine tolle Sache und eine tolle Erfahrung."

 

In wenigen Wochen wird Jakub Stefela als Vertreter der Tschechischen Republik nach Berlin fahren und vor dem deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler debattieren. Ist ihm mulmig zumute bei dem Gedanken? Jakub stammelt und lacht...- Wem ginge es da nicht so!?

Ab Sonntag bis zum darauf folgenden Samstag können Sie abstimmen, welcher Song aus der Woche Ihnen am meisten gefallen hat. (mehr...)