Forum Gesellschaft „An seine Träume glauben und alles dafür tun…“ – die Galeristin Petra Vaňková
Es ist wieder Donnerstag und Zeit für das Forum Gesellschaft. Diesmal hat Christian Rühmkorf das Forum aber nach Deutschland verlegt. Er hat die junge tschechische Galeristin Petra Vaňková besucht. In Berlin-Kreuzberg fängt sie ganz klein an - und zwar in der Schönleinstraße 32.
Petra Vaňková in ihrer Galerie (Foto: Christian Rühmkorf)
Petra Vaňková ist eine eher kleine Frau mit dunkelbraunen Haaren,
freundlichen Augen und rot lackierten Fußnägeln. Barfuß, mit
hochgekrempelter Jeans und dunkelblauem T-Shirt steht sie in ihrer kleinen
Galerie in der Schönleinstraße 32, mitten in Berlin-Kreuzberg. In einer
Stunde beginnt ihre erste Vernissage in den eignen vier Galerie-Wänden.
Gleich zwei junge deutsche Künstler präsentiert sie. Da gibt es noch
einiges vorzubereiten. Dennoch wirkt die 34-jährige Petra Vaňková
gelassen und zeigt ihre Räumlichkeiten.
Ein vielleicht 20 Quadratmeter großer Ausstellungsraum mit einem großen Schaufenster – früher ein Laden. Hinten befinden sich die Räume, in denen Petra Vaňková bis vor kurzem noch gewohnt hat: Ihr Schlafzimmer – heute der zweite Ausstellungsraum – das Bad und die Küche. Petra Vaňková hat es gewagt, im Galeriewesen klein anzufangen. Und das auch noch in einem Land, das nicht ihre Heimat ist. Petra ist Tschechin, lebt aber seit 14 Jahren fast ununterbrochen in Deutschland. 1996, gleich nach dem Abitur hat sie ihre Sachen gepackt und die nordböhmische Heimatstadt Česká Lípa / Böhmisch Leipa Richtung München verlassen, um Au-pair-Mädchen zu sein. Warum gerade Deutschland?
Stefan Rinck: „Helena“ (Foto: http://galerie.petravankova.org)
„Englisch hat damals jeder gelernt. Und Deutschland – ist ein
Nachbarland. Ich hatte auch eine gute Freundin in München, die auch als
Au-pair gearbeitet hat und das hat mich einfach mehr angezogen. Ich war als
Kind auch oft in Deutschland und so war das einfach eine ganz klare
Entscheidung. Da habe ich nicht lange überlegt – ich habe es einfach
gemacht.“
Eigentlich wollte Petra Vaňková nur eineinhalb Jahre in Deutschland bleiben. Aber nach den ersten Erfahrungen, reizte sie ein Studium in Deutschland. Mit mehreren Deutsch-Intensivkursen machte sie sich fit für die Aufnahmeprüfung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2001 nahm sie im Hörsaal Platz.
„Ich habe während des Studiums immer sehr viel gearbeitet. Und ich war sehr tüchtig, sehr tüchtig und hatte immer vier, fünf Jobs. Ich habe sehr schnell – gleich 2001, parallel zum Studium – angefangen für eine Galerie in München zu arbeiten, ich habe auf Kinder aufgepasst, auf dem Oktoberfest als Bedienung gearbeitet, auf Messen als Hostess. Jedes Semester.“
Galerie Vankova (Foto: Christian Rühmkorf)
Nach ihrem Studienabschluss 2006 dann die Entscheidung: Zurück nach
Tschechien. Viele Bewerbungen für die unterbezahlten Jobs in der
Kunstgeschichte liefen ins Leere. Petra Vaňková landete also erst einmal
als Dolmetscherin in einem Forstwirtschaftsunternehmen, verdiente aber gut.
„Aber nach ungefähr einem Jahr habe ich festgestellt, dass mir doch mein Fach fehlt und dass mir auch Deutschland fehlt und habe mich dann wieder auf die Suche gemacht nach einer Arbeit in Deutschland.“
Ein Jahr lang arbeitete Petra Vaňková für einen Kunsthistoriker und eine Galerie in München. Dann zog sie 2008 ihr eigenes Projekt auf: Die Ausstellung „Most – Brücke – Bridge“. 31 zeitgenössische Künstler aus Deutschland präsentierte sie in Prag. Noch heute ist Petra stolz auf dieses Großprojekt.
Galerie Vankova (Foto: Christian Rühmkorf)
In Deutschland zu leben bedeutet Petra Vaňková eine ganze Menge, auch
wenn Sie eines Tages eine Rückkehr nach Tschechien nicht ausschließt:
„Ich fühle mich hier einfach sehr wohl. Weil ich hier auch meine Freunde – die meisten. Und weil ich hier auch das machen kann, was ich will. Das ist in Tschechien, glaube ich, nicht so einfach. Ich glaube, dass man in Deutschland motivierter ist, dass man hier einfach an die Träume glaubt und die dann einfach auch verwirklicht. Da hatte ich immer in Tschechien das Gefühl, dass das nicht möglich ist, dass ich das da nicht kann. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Leute hier ein bisschen optimistischer sind.“
Stefan Rinck: „Mama aus dem Eoszän fehlt“ (Foto: http://galerie.petravankova.org)
Seit eineinhalb Jahren lebt Petra Vaňková nun in Berlin. Hier hat sie
den Schritt gewagt, mit ihrem Ersparten die eigene kleine Galerie zu
eröffnen. Die Berliner Luft tut ihr gut.
„In Berlin sind 90.000 Künstler, die aus der ganzen Welt hierher kommen. Man sagt, dass Berlin das zweite New York ist. Und da wo die Künstler sind, das sind auch die Leute, die sich für Kunst interessieren und da sind auch die Galerien, Galeristen. Aber warum ich hierher gekommen bin: Weil ich auch näher an Tschechien sein wollte. In der Zukunft plane ich auch tschechische Künstler auszustellen, und ich glaube, für sie ist es viel interessanter in Berlin auszustellen.“
Stefan Rinck: „Die fiktive Freundin“ (Foto: http://galerie.petravankova.org)
München will Petra Vaňková jedoch nicht aus den Augen verlieren. Sie
möchte – ganz in der Weise ihres ersten Großprojektes - eine Art
Kunst-Brücke zwischen Deutschland und Tschechien sein. Ihr Interesse für
Kunst wurde übrigens schon in ihrer Kindheit geweckt, obwohl die
34-Jährige aus einfachen Verhältnissen stammt. Die Mutter Glasmalerin,
der Vater hat als Bergmann Uran abgebaut. Von den vier Geschwistern ist
Petra jedoch die Einzige, die beruflich in Richtung Kunst gegangen ist.
„Ich glaube, das ist sehr früh schon entschieden worden. Seit meinen ersten Kirchenbesuchen in Česká Lípa habe ich mich für die Malerei sehr interessiert, für die Kirchenmalerei, für die Gemälde. Seitdem ich in Deutschland bin, habe ich mich damit mehr und mehr auseinandergesetzt, bin oft ins Museum gegangen. Ich könnte nichts anderes. Ich habe es schon einmal versucht.“
Sylvia Trabusch: „Große liegende“ (Foto: http://galerie.petravankova.org)
Sich nun mit bescheidenen Mitteln in der Welt der Galeristen ihren eigenen
Weg zu bahnen, dafür hat Petra Vaňková die Rückendeckung ihrer Familie.
„Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern immer – und alle Entscheidungen – unterstützt haben und immer alle Entscheidungen mich haben selbst treffen lassen. Und das ist ein wahnsinniges Glück. Sie unterstützen mich total und drücken mir die Daumen.“
Galerie Vankova (in der Mitte). Foto: Christian Rühmkorf
Und die wichtigste Entscheidung in Petra Vaňkovás Leben?
„Mich wahrscheinlich für immer der Kunst zu widmen – nach der Dolmetscher-Erfahrung in Prag. Dass man das machen sollte, was einem Spaß macht. Und man sollte es wirklich versuchen. Es ist alles möglich im Leben beziehungsweise nichts ist unmöglich. Und auch wenn man wenig Geld hat, sollte man trotzdem an seine Träume glauben und alles dafür tun.“





