1989 – Miss Moskva

Ein perfektes Video, ein leicht ironischer Text – das ist der beste Song im Wendejahr.

Foto: SupraphonFoto: Supraphon Im Jahr 1989 brach endlich das Eis, und die Tschechoslowakei machte sich auf zu demokratischen Ufern. Doch welche Musik begleitete dieses Abenteuer? Vielleicht waren es die rhythmischen Rufe „Máme toho dost“ (Wir haben genug) und „Máme hole ruce“ (Wir haben leere Hände) bei den Massendemos im November des Jahres. Vielleicht war es das Stück „Náměšť“ von Liedermacher Jaroslav Hutka, sang doch der ganze Wenzelsplatz mit gemeinsamer Stimme seine Worte „mocná je zbraň, mocnější je právo“ (Waffen sind mächtig, das Recht aber mächtiger).

Doch der wahre Hit des Jahres hieß „Miss Moskva“. Das Video dazu war ausgefeilt mit perfekt einstudierten Tanzszenen und pfiffigen Ideen. Der Song stammte aus der Feder von Ondřej Soukup und Gabriela Osvaldová, gesungen wurde er von Jiří Korn. Das Land des großen sozialistischen Bruders wird in dem Lied leicht parodiert, ohne gehässig zu wirken.

Ereignisse 1989
■ 17. November: Um 16 Uhr startet in Prag ein Marsch von Studenten. Als die Polizei auf die jungen Menschen losknüppelt, ist das der Funke für die Samtene Revolution.
■ 29. November: Die Tschechoslowakei erhält eine neue Verfassung.
■ 29. Dezember: Václav Havel wird erster demokratischer Staatspräsident nach der Wende, gewählt vom immer noch kommunistisch dominierten Parlament.