1956: Einmal – zweimal

Komponist Jaromír Vejvoda macht mit einer weiteren Polka Furore.

Foto: SupraphonFoto: Supraphon Ein altes Sprichwort sagt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Zu einer solchen Situation kam es in der tschechischen Schlagermusik bald nach dem verhängnisvollen Februar 1948. Auf der einen Seite herrschte nun Nachfrage nach aufpeitschenden kommunistischen Aufbauliedern für die Massen, auf der anderen Seite musste unter Aufsicht der damaligen Ideologen alles ums Überleben kämpfen, was in irgendeiner Weise an modernen Swing und Jazz erinnerte. Und wer war dann der Dritte? Die traditionellen Blaskapellen.

Zwar gab es in der Presse auch Angriffe gegen sie, hauptsächlich wegen der Texte. Die Parteifunktionäre hatten aber weder etwas gegen Blaskapellen noch gegen Volksmusik. Im Gegenteil, die hochrangigen und weniger hochrangigen Genossen hörten selbst diese Musik. Sie tanzten dazu oder marschierten am 1. Mai zu ihren Klängen bei den Pflichtdemonstrationen im Gleichschritt auf den Straßen oder standen auf den Tribünen.

Bleiben wir beim Tanzrepertoire. Im Jahr 1956 startete die Polka „Jednou-dvakrát“, auf Deutsch: „Einmal – zweimal“, ihren Siegszug. Das Stück des bewährten Komponisten Jaromír Vejvoda und des Texters Ladislav Jacura wurde 140.000 Mal verkauft. Der Titel sollte die Klagen eines nicht erhörten Liebhabers ausdrücken, der auf seine Liebste warten will, ihr dann hinterherweint und sein Angebetete am Ende aus Trotz alleine stehen lässt. Nach den Erinnerungen der Autoren kam die Anregung zu dem einprägsamen Titel jedoch aus einer ganz anderen Ecke. Einer der beiden Autoren wurde beim Kauf eines Straßenbahntickets vom Schaffner gefragt: „Einmal? Zweimal?“ Schon war die Idee geboren, und wir können uns nur wundern, welche Wege Inspirationen manchmal nehmen – bis hin zu einem solch erfolgreichen Hit, gesungen von Milan Černohouz.

Ereignisse 1956
■ Im Juli wird der mährische Karst zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
■ Am 15. September wird das Wettbüro Sazka gegründet.
■ Ende Oktober – Anfang November: Der ungarische Volksaufstand endet mit einem blutigen Einmarsch der Sowjets.