Gesund in Europa Nichtrauchen ist kein Verzicht

11-06-2006 | Rose Weingarten

Rauchen gefährdet die Gesundheit - das steht auf jeder Zigarettenpackung, die derzeit in Deutschland zu kaufen ist. Keiner der 24 Millionen Deutschen, die täglich zum Glimmstängel greifen, scheint diese Warnung ernst zu nehmen. Vor allem unter Jugendlichen wird das hohe Krebsrisiko oft immer noch ignoriert. Ein Bericht von Rose Weingarten:

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Raucherkarrieren beginnen meist schon im jugendlichen Alter. Steffi und Jenni sitzen vor dem Bahnhof in Bad Neuanahr und qualmen eine Zigarette nach der anderen. Beide sind knapp über sechzehn.

"Eine Freundin, die wollte das ausprobieren. Da habe ich es auch ausprobiert, und dann habe ich weitergeraucht", erzählt die eine.

"Ich fand das cool, weil auch mein Bruder geraucht hat", erinnert sich die andere.

Sie erzählen, dass sie schon mehr als fünf Jahre rauchen und es nicht schaffen, aufzuhören. Die Mädchen scheinen bereits tabakabhängig zu sein. Jedenfalls gehören sie zu den Suchtgefährdeten, und um Ihre Abhängigkeit in den Griff zu kriegen, wäre eine Therapie nötig. Das bestätigt Bernd Schneider, Psychologe und Therapeut für Raucherentwöhnung:

"Sie sind unbedingt gefährdet, im höchsten Maße! Wenn jemand als Kind angefangen hat zu rauchen - da sind die Giftstoffe noch giftiger, noch toxischer in ihrer Wirkung. Zu befürchten ist, dass da jetzt schon eine Menge Schäden bestehen, auch wenn noch keine akute klinische Symptomatik da ist. Katastrophal ist auch die psychische Abhängigkeit, die damit verbunden ist. Die Rauchentwöhnung ist etwas, was man angehen muss - wegen der schädigenden Wirkung und wegen der Abhängigkeit. Dabei muss man zunächst ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es ein Problem gibt."

Für Uwe Drescher kommt die Therapie zu spät. Seit fünf Monaten lebt er nur noch mit einer Hälfte seiner Lunge:

"Am Tag der Diagnose habe ich aufgehört. Zunächst bin ich nach Hause gefahren und habe mir noch eine Zigarette angezündet - so vor dem Hintergrund: jetzt ist ja eh alles egal. Aber nach der Zigarette kam mir der Gedanke: Mensch, jetzt möchte ich doch noch was erleben, jetzt höre ich erst mal auf. Und das ging dann ohne Schwierigkeiten. Ich habe 40 Jahre lang geraucht, und das blieb eben nicht ohne Folgen."

Die meisten Menschen kompensieren mit dem Griff zur Zigarette oder Zigarre Unsicherheiten, Einsamkeitsgefühl oder Langeweile. Erst nach und nach wird der Glimmstängel in der Hand zur Sucht. Und die kann man durch eine Entwöhnungskur in den Griff bekommen. Man kann sich mit der Sucht aktiv auseinandersetzen und sie durch eine stationäre Behandlung bekämpfen, erklärt Uwe Drescher von der Fachklinik Tönisstein in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die als einzige Klinik in Deutschland ein Rauchentwöhnungsprogramm anbietet:

"Es gibt drei Stufen: Die reine Information über die Schädlichkeit des Rauchens, dann das Nichtrauchertraining, wo wir Patienten behandeln, die ernstlich gewillt sind aufzuhören, und dann gibt es noch eine Gruppe von Patienten, wo wir von uns aus einen Rauchstop verfügen. Doch diese Gruppe ist sehr klein."

Die Angebote für die Raucherentwöhnung reichen von psychotherapeutischen Verfahren bis zur Pharmakotherapie mit Nikotin-Ersatzpräparaten oder der Anti-Raucher-Pille. Sehr wichtig für den Therapieerfolg ist vor allem die eigene Motivation des Betroffenen, so Bernd Schneider:

"Das entscheidende Kriterium für einen Erfolg einer Rauchentwöhnung ist, dass die Menschen erkennen: Nichtrauchen ist sehr attraktiv. Es bedeutet keinen Verzicht, sondern im Gegenteil einen Gewinn an Lebensqualität. Nichtrauchen ist verstärkend."

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