Hörerforum Trinkgeld darf nicht automatisch kassiert werden
Das Renteneintrittsalter, der geplante Abriss eines Hauses auf dem Prager Wenzelsplatz oder aber auch die betrügerischen Praktiken der tschechischen Gastwirte. Das sind Themen, die Sie in Ihren Briefen angesprochen und kommentiert haben.
Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, nach zwei Wochen ist wieder das
Hörerforum da. Gleich am Anfang wollen wir uns, wie üblich, für Ihre
Briefe, E-Mails und Zuschriften bedanken, die bei uns trotz der Urlaubszeit
angekommen sind. Empfangsberichte erhalten haben wir unter anderem von
Achim Kissel aus Duisburg, Rolf-Werner Krahl aus Forst und Franz Schanza
aus dem österreichischen Schrems. Herzlichen Dank dafür!
Wir senden zwar heute eine Ferienausgabe des Hörerforums, wollen aber einige Themen aufgreifen, die noch vor der Sommerpause auf der tschechischen politischen und gesellschaftlichen Bühne aktuell waren.
Illustrationsfoto
„Radio Prag höre ich, ehrlich gesagt, selten am Computer. Ich lade mir
die Programme am liebsten herunter und höre sie beim Waldlauf. Und auch
die Lieblingstage haben sich dabei herausgestellt: Freitag und Samstag mit
Nachrichten, Kultursalon und tschechischer Geschichte. Bei diesen Sendungen
ist eigentlich immer etwas dabei, was mich interessiert.“
So schreibt Lutz Winkler aus Schmitten. Und interessiert hat ihn diesmal der Beitrag über den geplanten Abriss eines Hauses auf dem Prager Wenzelsplatz:
Eine Bürgerinitiative will dieses Haus auf dem Wenzelsplatz vor Abriss retten
„Ich habe in den letzten Wochen einen Beitrag über eine
Bürgerinitiative gehört, die versucht, ein historisches Haus auf dem
Wenzelsplatz vor Abriss zu retten. Dieser Beitrag hat mich sehr angerührt,
zumal ich manche bundesdeutsche Innenstadt erlebe, die einen wahren
Kahlschlag in der historischen Bausubstanz durchgeführt hat. Der Abriss
ist die eine Seite, aber die teilweise schrecklichen Neubauten sind eine
andere Sache. Besonders, wenn die Neubauten dann in die Jahre kommen und
die Stadtväter merken, dass die Innenstädte veröden. Besonders an den
Wochenenden und nach Geschäftsschluss merkt man, ob die Innenstädte
angenommen werden oder nicht. So gibt es immer mal wieder Initiativen, die
die Innenstädte wieder beleben wollen. Aber bei den Versuchen ist es
leider geblieben.“
Foto: Ibon San Martin, Stock.xchng
Soweit die Meinung von Lutz Winkler. Die Rente, ihre Höhe, die Art, wie
man die Rentenversicherung zahlt, und das Renteneintrittsalter – das sind
Themen, die keinen Arbeitnehmer hierzulande unbetroffen lassen. Die
demographische Entwicklung und das immer höhere Renteneinstiegsalter sind
aber eine allgemeine Tendenz in ganz Europa. Die Zeilen von Jörg-Clemens
Hoffmann aus Alsbach-Hähnlein beweisen es:
„Mit besonderem Interesse habe ich den Beitrag zur Rente mit 67 Jahren gehört. Hier in Deutschland wurde diese bereits vor einigen Jahren stufenweise eingeführt. Zwar ist bekannt, dass kaum Arbeitsplätze für ältere Menschen angeboten werden, dennoch wird erwartet, dass die Arbeitnehmer so lange arbeiten können. Wenn nicht, droht Arbeitslosigkeit und Hartz IV. Für mich bedeutet die Rente mit 67 nichts anderes als eine verschleierte Rentensenkung, denn kaum jemand, der hart körperlich arbeiten muss, wird so lange im Arbeitsleben stehen. Also wird früher in Rente gegangen, was entsprechende finanzielle Einbußen zur Folge hat. Außerdem wird bei der Diskussion verschwiegen, dass die Krankenkassen zusätzlich belastet werden und jüngere Arbeitnehmer geringere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg haben, da die älteren, häufig ´ausgebrannten´ Kolleginnen und Kollegen auf den finanziell attraktiven Posten sitzen.“
Soweit Jörg-Clemens Hoffmann zum Thema Rente. Matthias Altmann aus Zittau
hat uns in seiner E-Mail seinen Prag-Besuch geschildert und dabei ein
Problem genannt, dem er hier begegnet ist. Anfang der 90er Jahre galten in
Gaststätten und Restaurants hierzulande Doppelpreise – die niedrigeren
Preise für Einheimische, die höheren für Ausländer. Dieses Unwesen
wurde bereits abgeschafft, doch manche Gastwirte wissen einen anderen Weg,
wie sie weiter auf ihre Kosten kommen. Herr Altmann beschreibt ihre
Methode:
„Dámy a pánové, seit etwa einem Jahr empfange und lese ich täglich Ihren sehr interessanten Newsletter in meiner Muttersprache Deutsch. Erst kürzlich konnte ich mit Ihren Informationen zum Streik der tschechischen Eisenbahner eine geplante Eisenbahnfahrt gut absolvieren. Heute habe ich nun eine Anfrage zur Preisgestaltung in Prager Restaurants, einer Thematik, die Sie nach meiner Suche in Ihrem Internetangebot in den vergangenen Jahren schon oft behandelt haben. Am vergangenen Sonnabend war ich Gast in einem Restaurant auf der Prager Kleinseite. Die Rechnung weist den Preis mit dem Zusatz ´Total incl. Service´ aus. Unter der Rechnung steht der Satz ´TIP IS NOT INCLUDED´. Die Kellnerin erklärte mir, dass im ausgewiesenen Rechnungspreis keine Servicegebühr enthalten sei und man zehn Prozent des Rechnungspreises als Servicegebühr erwarte. Ich gebe in Gaststätten immer ein Trinkgeld, allerdings nicht in vorbestimmter Höhe. Aber wo kann ich mich über das geltende rechtliche Regularium informieren?“
Im Zitat wurde ein ähnlicher Fall wie im Tschechischen Fernsehen
beschrieben, das Anfang Juli über den Betrug tschechischer Gastwirte an
Touristen berichtet hat. Also, Herr Altmann, die Kellner haben keinesfalls
Recht, diese Summe automatisch zu kassieren. Es liegt am jeweiligen Kunden,
ob er seine Zufriedenheit mit einem Trinkgeld belohnt oder nicht. Die Höhe
liegt gewöhnlich bei zehn Prozent des Preises, auch da gibt es aber keine
feste Vorschrift oder Regel. Sollten Sie wieder auf ähnliche Praktiken wie
bei Ihrem letzten Prag-Besuch stoßen, können Sie sich an die Tschechische
Handelsinspektion (Česká obchodní inspekce, http://www.coi.cz/de)
wenden. Hoffentlich wird es aber nicht mehr passieren, und Sie werden bei
den künftigen Reisen in unser Land zufrieden sein.
Und damit wollen wir uns für heute verabschieden. Wir freuen uns auf Ihre
Briefe und Zuschriften. Schreiben Sie uns an die Adresse: Radio Prag,
Vinohradská 12, 12099 Praha 2, Tschechische Republik beziehungsweise an
deutsch@radio.cz. Mit einem neuen Hörerforum melden wir uns wieder in zwei
Wochen, bis dahin machen Sie´s gut!







