Hörerforum „Radio Prag ist primäre Informationsquelle über unser Nachbarland…“

01-03-2016 16:34 | Markéta Kachlíková

Die Flüchtlingskrise, die Nato-Erweiterung, der Holocaust und der Kalte Krieg in den Medien. Dass sind Themen, zu denen Sie Ihre Kommentare geschickt haben. Mehr erfahren Sie gleich im Hörerforum.

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Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Willkommen beim Hörerforum und willkommen im März. Der erste Tag des ersten Frühlingsmonats ist da, wir beginnen daher gleich mit unserer Quiz-Frage. Sie lautet:

Wie heißt der größte Nationalpark der Tschechischen Republik?

Im Februar haben wir gefragt, aus welchen Farben sich die Staatsflagge der Tschechischen Republik zusammensetzt. Die richtige Antwort heißt: Die tschechische Staatsflagge besteht aus den Farben Rot und Weiß mit einem blauen Dreieck. Unter den Gewinnern eines Sachpreises ist auch Milada Kolin aus Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!

Und nun zu Ihren Zuschriften, liebe Hörerinnen und Hörer. Wir fangen an mit Ihren Kommentaren, die sich auf das aktuelle Geschehen in Tschechien und in Europa beziehen.

Fritz Andorf aus Meckenheim hat anhand unserer Berichte über die Ergebnisse des Visegrád-Gipfels zum Flüchtlingsproblem geschrieben:

Christliche Iraker (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Christliche Iraker (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Wie es aussieht, sind sich die Staaten der Visegrád-Gruppe darin einig, dass sie keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen wollen, wobei sich Tschechien noch am ehesten etwas kompromissbereit zeigt. Völlig unverständlich bleibt allerdings, dass von den vereinbarten 160.000 Flüchtlingen, die auf die EU-Länder verteilt werden sollten, bisher nur 600 ein Aufnahmeland gefunden haben. Da ist es wohl nicht weit her mit der europäischen Solidarität und schon gar nicht mit der christlichen Nächstenliebe. So bin ich gespannt, wie man ‚die Kuh vom Eis bekommt‘, wie es im deutschen Sprichwort heißt, also eine europäische Lösung erreichen will. Jedenfalls wird man mit hohen Grenzzäunen an den Grenzen der Balkanländer wohl Griechenland im Regen stehen lassen, nach dem Motto ‚Den Letzten beißen die Hunde'.“

Herr Andorf hat diesbezüglich auch eine Frage gestellt:

„In unseren Fernsehprogrammen kommt zu diesem Thema fast täglich eine Talkshow mit hochkarätigen Gästen aus Politik, Wirtschaft und den Medien. Dabei werden die unterschiedlichen Meinungen ausgetauscht, ohne dass ein Kompromiss erzielt wird. Und jeder Zuschauer pickt sich das heraus, was seine eigene Meinung bestätigt. Sind derartige Talkshows auch in Tschechien so beliebt?“

Eigentlich nicht so sehr, lässt sich feststellen. Natürlich taucht die Problematik in der Berichterstattung und in den Debatten immer wieder auf. Die Talkshowkultur ist aber in Tschechien nicht ganz so verankert. Es gibt allgemein weniger derartige Sendungen in den tschechischen Medien als in Deutschland.

Foto: Burrows, public domainFoto: Burrows, public domain Die Standpunkte der EU-Länder zur Flüchtlingskrise sind unterschiedlich. Karl-Heinz Grüttner aus Nobitz vergleicht die tschechische und die deutsche Position:

„Gerade jetzt hinsichtlich der Flüchtlingspolitik in der EU ist es auch ganz besonders interessant, die Nachrichten und politischen Beiträge von Radio Prag zu verfolgen. So wird mir stets die aktuelle Sichtweise der tschechischen Regierung auf diese Probleme aus erster Hand vermittelt. Dazu muss ich auch sagen, dass mir der Standpunkt Tschechiens zur Flüchtlingspolitik bedeutend besser gefällt als der der deutschen Bundesregierung.“

Was gegenwärtig in Deutschland passiere, habe nichts mehr mit Recht und Ordnung zu tun, schreibt Herr Grüttner und setzt fort:

„Hilfe für hilfsbedürftige Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten ist, so meine ich, in jedem Fall immer in Ordnung und muss sein. Aber was in Deutschland in Bezug auf die Flüchtlingsaufnahme geschehen ist, das kann man nur mit Anarchie und Chaos vergleichen. Was und wer da alles schon gekommen ist, viele ohne oder mit gefälschten Pässen, weiß kein Mensch. Nicht einmal genaue Zahlen sind bekannt. Gute Nacht Deutschland! Die Quittung werden wir alle bezahlen müssen. Ich kann mir auch absolut nicht vorstellen, dass es gelingen wird, diese große Anzahl von Menschen in das Arbeitsleben zu integrieren. Auch selbst dann nicht, wenn genügend Arbeitsplätze vorhanden wären. Gar nicht erst sprechen möchte ich vom schon jetzt fehlenden Wohnraum und wer das alles finanzieren soll. Aber unsere geniale Regierung wird schon Wege finden.“

Tiflis, Georgien (Foto: Dmitry Gerasimov, public domain)Tiflis, Georgien (Foto: Dmitry Gerasimov, public domain) Gernot Klein hat sich nicht zum Thema Migration geäußert, sondern zu einer Nachricht, die wir anlässlich des Besuchs des georgischen Regierungsvorsitzenden in Prag in der vergangenen Woche veröffentlicht haben. Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka hat seinem Amtskollegen bei dem Treffen versichert, Tschechien unterstütze den Nato-Beitritt Georgiens. Dazu hat Gernot Klein geschrieben:

„Mit Bestürzung habe ich diesen Artikel gelesen. Zuerst einmal aber Danke für Ihren tollen Job, der es mir ermöglicht, bei den Nachrichten rund um Tschechien auf dem Laufenden zu bleiben. Ein Nato-Beitritt Georgiens wäre fatal. Russland kann und wird sich diese Verletzung seiner sicherheitspolitischen Interessen nicht gefallen lassen. Ich verstehe nicht, warum einige Politiker nichts aus der Krim-Krise gelernt haben. Es wird Zeit, dass die Nato und Russland wieder enger zusammenrücken und offen besprechen, wie eine Kooperation aussehen kann. Um nicht missverstanden zu werden. Ich bin kein Freund der Politik Putins und gewiss kein russischer Honorarschreiber, aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch der Westen seinen Teil Schuld an der aktuellen politischen Krise hat. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker bedeutet nicht zwangsläufig, dass jedes Land in die Nato muss, es gibt auch andere Möglichkeiten, seine Sicherheit und Souveränität zu garantieren.“

Von der Politik und Außenpolitik kommen wir nun zu weiteren Themen aus den Bereichen Kultur und Geschichte. Peter Vaegler aus Stralsund hat uns berichtet:

„Mir hat besonders der Beitrag über das Museum für Sakralkunst in Pilsen gefallen, da er sehr ausführlich war und vielleicht eine Anregung ist, dieses Museum zu besuchen, wenn man in der Stadt ist.“

Helga Weissová-Hošková (Foto: Annette Kraus)Helga Weissová-Hošková (Foto: Annette Kraus) Heinz Günter Hessenbruch aus Remscheid hat uns versichert, unsere Sendung habe ihm wieder einmal gut gefallen. Er meint damit den Kultursalon über die Malerin Helga Hošková-Weissová und ihre Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt:

„Über den Holocaust kann nicht oft genug berichtet werden – nicht um Schuldige zu suchen, sondern um im Bewusstsein zu wecken, dass solche unmenschlichen Geschehnisse sich nicht mehr wiederholen dürfen...“

Achim Kissel aus Duisburg fand unseren Beitrag in der Sendereihe „Kapitel aus der tschechischen Geschichte“ über einen Agenten aus der Tschechoslowakei bei „Radio Freies Europa“ interessant. Er hat dazu ausgeführt:

„Damals tobte ja der ‚Kalte Krieg‘ auch in den Medien. Die Sendungen von Radio Prag waren damals auch – was die politische Berichterstattung anging – propagandistisch angelegt. Aber damals gab es auch schon den ‚Spaziergang durch Prag‘ oder die ‚Touristensprechstunde‘. Ich erinnere mich zudem an eine Sendereihe über Volksmusik und Volksbräuche. Auch bekam man als regelmäßiger Hörer Zeitschriften und Broschüren geschickt. Ich erinnere mich an die ‚Prager Volkszeitung‘ und die Zeitschrift ‚Tschechoslowakisches Leben‘. In diesen Publikationen wurde die damalige Tschechoslowakei natürlich nur positiv dargestellt. Trotzdem enthielten sie auch interessante Beiträge über Kultur und Geschichte.“

RFE in München (Foto: Archiv RFE)RFE in München (Foto: Archiv RFE) Er finde gut, dass diese Zeiten vorüber seien, beendet Herr Kissel seinen Brief:

„Für mich ist heute Radio Prag die primäre Informationsquelle über unser östliches Nachbarland. Mit der Aktuellen Berichterstattung wie Nachrichten und Tagesecho fühle ich mich immer auf dem Laufenden, und durch die Sendereihen lerne ich oft noch etwas dazu. Deshalb hoffe ich, noch lange Ihre Sendungen hören zu können. Ich werde Ihnen sicher weiterhin die Treue halten und mich mit Briefen und Empfangsberichten bei Ihnen melden.“

Das freut und sehr. Es gibt kaum bessere Worte, mit denen wir uns für heute verabschieden möchten. Bitte schreiben Sie uns auch weiterhin. Unsere Adresse lautet: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Und per E-Mail: deutsch@radio.cz. Alles Gute und auf Wiederhören in zwei Wochen!

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