Hörerforum Musikpublizistik bei Radio Prag
Der Wunsch eines Hörers von Radio Prag war es, dass wir den Schriftsteller Eduard Bass vorstellen. Unter anderem dies werden wir im Hörerforum gern tun.
Foto: Europäische Kommission
Willkommen beim Hörerforum, liebe Hörerinnen und Hörer. Am Anfang
möchten wir uns für Ihre Briefe, E-Mails und Empfangsberichte bedanken,
die wir in den vergangenen Wochen bekommen haben. Unser Dank geht unter
anderen an: Osamu Aikawa aus Tokio, Jürgen Zerm aus Hornbach, Peter
Möller aus Duisburg, Dietmar Wolf aus Hammelburg und Uwe Haferkorn aus
Tharandt.
Wie letztes Mal versprochen, wollen wir heute mit einem Ihrer Kommentare zum neuen Inhalt unserer Sendungen anfangen. Lutz Winkler aus Schmitten hat sich über die Sonntagssendereihe MusikCzech kritisch geäußert und in seinem Brief bemerkt, die Programmstruktur habe sich von einem Informationsprogramm zu einem Unterhaltungsprogramm gewandelt. Und was meint der Chefredakteur von Radio Prag, Gerald Schubert, zu diesem Einwand?
„Die Unterhaltung ist an sich noch nichts Negatives. Unterhaltung ist
auch etwas Schönes und gehört auch zum Radio. Natürlich, der Hauptgrund,
warum wir senden, ist, über Tschechien zu informieren, und deswegen sind
wir in erster Linie natürlich tatsächlich ein Informationsprogramm.
Wirklich ein reines Unterhaltungsprogramm wollen wir nicht sein. Ich
glaube, was der Hörer im Sinn hatte – und das geht aus seinem Brief auch
hervor – das ist vor allem die Sendung am Sonntag, die wir aus
Kapazitätsgründen völlig umbauen mussten. Unsere halbstündige
Sonntagssendung ist jetzt wirklich eine Musiksendung. Der Grund dafür sind
eindeutig die Einsparungen von Seiten des tschechischen Außenministeriums,
das unser Budget bekanntlich gekürzt hat. Und wir mussten darauf irgendwie
reagieren, wir haben auch leider Personal abbauen müssen und deswegen ist
die Sonntagssendung nun so wie sie ist. Allerdings, natürlich auch die
Musiksendung soll Musikpublizistik sein. Was wir nicht wollen, und
möglicherweise ist das mal passiert, da hat der Hörer wahrscheinlich die
Sendung gemeint, wo am Anfang ein paar Worte über die Musik gesprochen
wurde, die dann gespielt wird, und dann ist hauptsächlich eine CD
abgespielt worden. Das ist nicht das, was wir wollen. Das sind
Kinderkrankheiten der Umstrukturierung des Programms, aber eigentlich ist
geplant – und das ist jetzt eigentlich auch so – dass wir über die
Musik, die wir da spielen, auch berichten, erzählen über die Gruppe,
über den Sänger, die Sängerin, über die Stilrichtung, die wir da
hören, über die Einordnung in der tschechischen Musikgeschichte usw. Also
das ist etwas, was wir als Musikpublizistik bezeichnen, und ich glaube,
dafür muss man sich nicht schämen, das gehört im Radio einfach dazu.“
Eduard Bass
Soweit der Chefredakteur von Radio Prag, Gerald Schubert. Hoffentlich
haben Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, an unseren Musiksendungen
inzwischen bereits Gefallen gefunden. Und hoffentlich auch Herr Winkler,
bei dem wir uns für dessen Anmerkungen bedanken. Nun wenden wir uns einem
weiteren Brief zu. Klaus Köhler aus Probstzelle schreibt:
„Am Wochenende war ich wieder mal auf der Suche nach einem interessanten und spannenden Buch aus meinem mittlerweile recht großen Buchbestand. Meine Wahl fiel dabei auf ein leicht abgegriffenes Buch, welches im Jahr 1959 im Sportverlag der DDR in der zweiten Auflage erschienen war. Es trägt den wundersamen Titel „Klapperzahns Wunderelf“. Der Autor ist Eduard Bass. Zu meiner Verwunderung las ich, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Tschechischen handelt. Ich möchte Sie nun recht herzlich bitten, mir diesen Schriftsteller Eduard Bass näher vorzustellen.“
„Klapperzahns Wunderelf“
Das werden wir gerne machen. An zwei Dinge denkt ein Leser, wenn man den
Namen Eduard Bass nennt. Und zwar Fußball und Zirkus. Der Fußball dank
des humoristischen Romans für Kinder und Erwachsene „Klapzubova
jedenáctka“, den Bass im Jahr 1922 schrieb. Dabei handelt es sich eben
um das von Herrn Köhler genannte Buch „Klapperzahns Wunderelf“, das
über Vater Klapperzahn und seine elf Söhne erzählt, aus denen er eine
Wunderfußballmannschaft formt. Den Zirkus findet man wiederum in Bass´
Erzählungen aus dem Zirkusmilieu „Der Komödiantenwagen“ und in seinem
Roman „Zirkus Humberto“. In den 80er Jahren wurde der Roman als
Fernsehserie verfilmt, die sehr populär war. Auch in Deutschland wurde die
Serie gesendet, sodass sie wohl auch Ihnen bekannt ist.
„Klapperzahns Wunderelf“ (Illustration von Josef Čapek)
Eduard Bass war in der Zwischenkriegszeit ein bekannter Prager
Schriftsteller, Kabarettist, Feuilletonist, Reporter,
Gerichtsberichterstatter, Theaterkritiker und ein Repräsentant der
demokratischen Bewegung in der tschechoslowakischen Gesellschaft. In den
Jahren 1921 bis 1933 war er Redakteur und nach 1933 Chefredakteur der
Tageszeitung Lidové noviny. Eben aus dieser Zeit, genau aus dem Jahr 1936,
stammt auch die folgende Ansprache, die im Archiv des Tschechoslowakischen
Rundfunks aufbewahrt wird. Eduard Bass spricht darin über seine Lektüre
und die Arbeit eines Journalisten:
Eduard Bass
„Soll man den Leuten richtig erklären, was in der Welt geschieht, muss
man sich zuerst selbst damit bekannt machen. Für einen Fachjournalisten
bedeutet dies allerdings ein systematisches Studium. Aber auch derjenige,
den nur sein Interesse leitet, hört nicht auf, bis er sich mit den
wichtigsten Sachen bekannt gemacht hat. Glücklicherweise entwickelt es
sich jeweils in Zyklen. Es gab eine Zeit, in der wir die Bücher über
Russland aufmerksam studiert haben, danach verlagerte sich das Interesse
auf Italien und den Faschismus, danach wiederum auf die Wirtschaftskrise
und die Verhältnisse in den USA. In den letzten Jahren stellt Deutschland
den Schwerpunkt des Interesses dar. Das bedeutet nicht, dass man in der
jeweiligen Zeit nichts anderes liest. In der Zeit, als der
Nationalsozialismus auf die Machtergreifung zustrebte, musste ich nach
Büchern greifen, die ihn erklärten. Ich musste lesen, was einst Gaubineau
schrieb, ich musste die dicke Bibel von Chamberlains `Grundlagen des 19.
Jahrhunderts` aus meiner Bibliothek nehmen. Ebenso haben mich Fichte und
Lagardes `Schriften für Deutschland` wieder angezogen. Und dann natürlich
eine Reihe neuer Bücher, vor allem die komplizierte Ideologie Rosenbergs
und dagegen eine ganze Serie von Emigrantenbüchern, Reportagen aus
Deutschland, militärischen Studien und Studien zur Rassenproblematik. Es
war ein schöner Stapel, aber Gott sei dank war alles interessant und voll
von interessanten Entdeckungen.“
Aus dem Film „Zirkus Humberto“
Soweit die Stimme von Eduard Bass. Bis 1942 leitete er die Zeitung, danach
widmete sich der Schriftsteller ausschließlich der literarischen Arbeit.
Eben in dieser Zeit fand seine langjährige Liebe zum Zirkus in der
Romanchronik „Zirkus Humberto“ ihren Ausdruck. Eduard Bass starb kurz
nach Kriegsende, im Oktober 1945.
Und damit sind wir am Ende des heutigen Hörerforums angelangt. Wir freuen uns auf ein Wiederhören in zwei Wochen. Bis dahin schreiben Sie Ihre Briefe, Fragen und Kommentare an uns, und zwar per Post an: Radio Prag – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Praha, Tschechische Republik, oder per E-Mail an deutsch@radio.cz.







