Feuilleton Tschechischer Zankapfel namens Rauchverbot
Soll man das Rauchen verbieten oder nicht? Diese Frage wird derzeit in Tschechien immer öfter gestellt. Jitka Mládková hat sich daher etwas umgehört unter den Rauchern und Nichtrauchern des Landes umgehört und dabei eine etwas unerwartete Erkenntnis gewonnen.
Foto: ČTK
Vielleicht noch im April oder erst später, der genaue Termin ist noch
nicht bekannt, werden sich die tschechischen Abgeordneten erneut mit einer
Gesetzesnovelle befassen, die ihnen schon fast ein Jahr zu schaffen macht.
Es geht um das so genannte Rauchverbotsgesetz. Offiziell heißt es „das
Gesetz zur Regulierung des Rauchens“. Um es vorweg zu nehmen, es geht im
Prinzip nur um den Bereich der Gastronomie, Bars und Discos eingeschlossen,
um den gestritten wird. Für die meisten öffentlichen Einrichtungen wie
Schulen, Krankenhäuser, Bahnhöfe oder Ämter nämlich gilt bereits seit
2005 das absolute Rauchverbot.
Die Vorstellungen über das gesetzlich genegmigte Maß an blauem Dunst in diesen Einrichtungen gehen weit auseinander – das Meinungsspektrum oszilliert zwischen Null und Dutzenden Varianten, die zudem in der Strenge ihrer Auslegung unterschiedlich abgestuft sind. Das Konstrukt des legislativen Zankapfels wird kontinuierlich durch immer neue Änderungsvorschläge ergänzt.
Als vor kurzem endlich über die Endfassung des Gesetzes durch eine
Abstimmung im Abgeordnetenhaus entschieden werden sollte, wurde die
Gesetzesvorlage überraschend in die zweite Lesung zurückgeschickt. Daraus
soll nun ein in sich geschrumpftes Gesetzeswerk hervorgehen. Wie dann das
abschließende Votum ausfallen wird, ist schwer abzuschätzen. Fest steht,
dass sowohl das Parlament als auch die Öffentlichkeit in mehrere Lager
gespalten sind. Vor kurzem wurde dem Parlament eine Petition mit über
92.000 Unterschriften zugestellt, in der ein flächendeckendes Rauchverbot
verlangt wird.
Gerade diese Forderung hat mich dazu bewogen, mich in einem rauchfreien Bierlokal umzuhören. In einem der wenigen in Prag, wohl bemerkt. Es war voll besetzt und die Gäste, die ich angesprochen habe, bestätigten, ganz bewusst hierher gekommen zu sein. Einige gaben zu, gelegentlich auch Restaurants und Kneipen zu besuchen, in denen geraucht wird – des guten Biers und der tollen Atmosphäre wegen. Kein einziger meiner Gesprächpartner hat entgegen meiner Erwartungen das absolute Rauchverbot bejaht.
Nun weiß ich aber nicht, ob man aus dieser Mini-Umfrage darauf schließen
kann, dass die Tschechen eine tolerante Nation sind oder eher resigniert
sind beim Thema Rauchen nach dem einjährigen Tauziehen der Gesetzgeber um
das Rauchverbot. Ein Mann sagte mir: Wozu denn ein Rauchverbotsgesetz!
Schauen Sie sich doch an, wer im Parlament sitzt. Die dort wären doch die
ersten, die sich nicht an dieses Gesetz halten würden. Die „vox
populi“, Stimme des Volkes, trage ich seitdem im Kopf und bin fast
überzeugt davon, dass ein eventuelles Rauchverbot, falls gesetzlich
fixiert, schwer in die Praxis umgesetzt wird.






