Feuilleton Prager Würstchen statt Prager Schinken: Auch Hunde müssen mal
Wenn Touristen aus aller Welt nach Prag kommen, dann richten sie ihre Blicke in der Regel nach oben. Auf die Prager Burg oder auf die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus. Aber ab und zu lohnt sich auch mal ein Blick nach unten…
Ich bin noch nicht lange in Prag – der Goldenen Stadt. Viele
Sehenswürdigkeiten konnte ich leider noch nicht sehen. Das meiste, was ich
gesehen habe, liegt – im wahrsten Sinne des Wortes - auf dem Weg vom
Sender bis zu meinem Appartement in Vinohrady. Eine schöne Gegend mit
eleganten Häuserblocks, ein paar bewaldeten Parks und vor allem vielen
Hunden. Der erste begegnet mir in der Regel direkt an der Haustür, wenn
ich morgens zur Arbeit gehe. Der zweite an der nächsten Straßenecke und
so weiter. Das ist nicht schlimm – ich mag Hunde. Aber viel öfter als
Hunde sehe und rieche ich deren Hinterlassenschaften. So schön die Kirche
St. Ludmila auf dem Náměstí Míru –dem Friedensplatz- auch ist: Ich
bevorzuge es, den Boden abzuscannen. Denn da lauert die Gefahr –
haufenweise.
Jeder Tag, an dem ich mit sauberen Schuhsohlen nach Hause
komme, ist ein erfolgreicher Tag. Vielleicht bin ich ja der einzige, dem
das auffällt, dachte ich. Vielleicht liegt es an der Wohngegend. Dann aber
nahm ich meinen Stadtführer zur Hand. In dem steht einiges über leckeren
Prager Schinken. Und auch einiges zu übel riechenden Prager Würstchen.
Die Stadtverwaltung hat sogar eine schnelle Einsatztruppe ins Leben
gerufen, lese ich da. Die ist auf Mopeds mit aufmontierten Staubsaugern
unterwegs, um die Hunde-Tretminen zu entschärfen. Auf ungefähr 100 000
Hunde kommt vielleicht ein Haufensauger – hoffnungslose Unterbesetzung
also. Und so bleibt mir einstweilen nichts anderes übrig, als weiter zu
scannen. In der Hoffnung, bald auch einmal den Blick auf die Schönheiten
der Goldenen Stadt zu richten.






