Mörder ohne Strafe

Kaum ein Krimiautor würde eine so brutale Geschichte schreiben: Sechs Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren verabreden sich und begeben sich ins Haus einer alten Frau. Das Ziel: ihr Geld. Auch einen erwachsenen Komplizen haben sie mit: Der Vater von zwei der Knaben fährt sie zum Tatort und wartet im Auto, bis die Sache erledigt ist. Und gibt ihnen einen Rat mit auf den Weg: sollte die Frau Probleme machen, sollten sie sie einfach umbringen. Und dies geschieht auch. Die Greisin wehrt sich, den Jungen Geld herauszugeben und wird getötet. Das Mordinstrument - eine Schere. Insgesamt neun Stiche im Körper, wobei jedes der Kinder sie mindestens einmal gestochen hat. Eine Art Solidarität herrscht in der Gruppe schon.

Leider wird hier keine schlechte Krimistory, sondern eine wahre Geschichte erzählt, die sich Mitte August im kleinen Dorf Olesnice in Ostböhmen abspielte. Diese Bluttat ist in ihrer Brutalität einzigartig, es handelt sich jedoch keinesfalls um die erste Gewalttat hierzulande, an der sich Kinder beteiligen. Manche der kleinen Kriminellen begehen ihre Taten sogar mit dem Wissen, dass sie nicht bestraft werden dürfen. Die Gesetze ermöglichen es nämlich nicht. Die Täter aus Olesnice wurden nach der Tat zurück in ein Heim gebracht, in dem sie zum Großteil bereits vorher lebten, aus dem sie aber jederzeit wieder flüchten können.

Experten sprechen sich in diesem Zusammenhang für die Errichtung einer Sonderanstalt für jugendliche Schwerverbrecher aus. Dort würde nicht nur ein strengeres Regime herrschen, sondern auch Spezialisten im Bereich der Psychologie und Psychiatrie mit den Kindern arbeiten. Lange Jahre wird hierzulande auch über die Senkung der Strafmündigkeit vom 15. auf das 14. Lebensjahr oder tiefer diskutiert. Das entsprechende Gesetz wurde jedoch im Parlament abgelehnt. Die Stimmen, die nach einer Lösung rufen, mehren sich nun.

Hoffentlich wird es eine gute Lösung sein; nicht nur für die Gesellschaft, die vor wachsender Aggressivität der Kinder fürchtet, sondern auch für die Kinder selbst. Hoffentlich kann ein 12jähriges Kind noch von jemandem lernen, wo die Grenze zwischen dem Guten und dem Bösen liegt, auch wenn es ihm von seinen Eltern nicht beigebracht worden ist.