Feuilleton Kriegsende in Nordböhmen

21-05-2005 | Katrin Bock

Der Zufall spielte im Leben von Margarete Bauerova eine gewisse Rolle. Das Kriegsende im Mai 1945 erlebte sie in einem nordböhmischen Dorf bei Jablonec-Gablonz. Im Gegensatz zu den meisten Deutschen und auch ihren Verwandten konnte sie jedoch mit ihrem Mann und Kindern nach Kriegsende in der Tschechoslowakei bleiben. Seit über 50 Jahren lebt Margarete Bauerova in der Nähe von Usti nad Labem- Aussig an der Elbe, wo sie all die Jahre aktiv für den deutschen Kulturverband tätig war.

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Jablonec-GablonzJablonec-Gablonz "Ich war damals bei meiner Mutter mit meiner zweijährigen Tochter und war in guter Hoffnung. Einmal sind wir früh aufgewacht, wir wohnten in einem Fabrikgebäude, mein Onkel hatte eine Glaswarenfabrik. Wir wohnten in dieser Fabrik und da war ein Zimmer neben unserer Wohnung, da waren Flüchtlinge untergebracht und auf einmal hörten wir schreckliches Weinen dort, und wir dachten, um Gottes willen, was ist denen passiert - da kommt die Frau und ist entsetzt, dass der Führer gestorben ist - "Der Führer ist tot, der Führer ist tot, jetzt ist der Krieg aus!" Und wir haben gesagt: "Na Gott sei dank."

Aber dann kam das Schlimme: ich habe zum Fenster rausgeschaut und da sah ich, eine große Kolonne Gefangener wurde gebracht, die kamen vorbei. Das war heiß, ich bin raus, mit Eimer Wasser habe ich versucht, dort zu helfen. Meine ganze Familie hat mich sofort verschleppt und versteckt, die hat gesagt, du kommst nicht raus, ich habe aber den Wassereimer stehengelassen, damit die wenigstens ein bisschen Wasser bekommen konnten. Na ja, das war das Kriegsende. Ich war froh, dass der Krieg zu Ende war.

Wissen Sie, ich habe in einem Dorf gewohnt, meine Stadtwohnung habe ich sofort geräumt, weil ich weder Geld hatte noch sonst was, ich hatte mein Geld auf dem Konto, das wurde sofort gesperrt, dann gab´s nichts mehr. Da war ich bei meiner Mutter, eben in dieser Fabrik, die hat sofort ein Treuhänder übernommen, der hat die Liste seiner Arbeiter genommen, ist zu diesem Aussiedlungskommissar gegangen und hat gesagt: "Die nicht, erst bis ich sie freigeb." Infolge dessen, war es nicht so schlimm, wie es in den Städten manchmal war, dass sie ganze Straßenzüge sofort ausgesiedelt haben und rausgeworfen. Also das war etwas humaner. Die Geschwister meines Mannes, alle mussten gehen. Wir hatten auch unsere Kisten gepackt, die standen da, mein Mann war damals in einem russischen Gefangenenlager. Es dauerte nicht lange, da bekam ich noch eine Karte von ihm, dass er in Reichenberg ist in einem Lager. Da kam er dann zu einem Gemüsehändler ins Tschechische, von dort zu einem Bauern. 1947 wurde er zwecks Aussiedlung entlassen, nur er kam nach Hause und die Aussiedlung war damals gestoppt, die Allliierten nahmen keine Transporte mehr an, das war überfüllt alles."

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