Feuilleton Ist Englisch tatsächlich Weltsprache?
So viele Sprachen du kennst, so oft bist du Mensch, pflegte man seinerzeit zu sagen. Diese Redewendung schien schon längst aus der Mode gekommen zu sein, oder mit dem Zeitgeist gesagt, nicht mehr "up to date".
Heutzutage hört man immer wieder, dass Englisch die Weltsprache sei, mit
der man überall gut durchkommt, und in der EU sowieso. Die Vorstellung,
dass dies so einfach funktioniert, musste ich vor kurzem korrigieren, und
zwar in einer der Drehscheiben des Weltgeschehens - in Paris.
Nach zwei Flugstunden habe ich mich mitten der pulsierenden Weltstadt eingefunden - mit sehr spärlichen Französischkenntnissen, wohlgemerkt! Gerade das erwies sich bald als ausschlaggebendes Handicap. Alle, vom Busfahrer angefangen bis zur Dame in der Lobby meines Hotels, verstanden mein Englisch nicht, und ich verstand nicht ihr Französisch. Wenn ich es fertig brachte, in meinem höchst simplen Französisch nach etwas zu fragen, hat man mir hilfsbereit mit einem ganzen Wasserfall von Worten geantwortet. Immerhin, letzten Endes fand ich die Straße, in der mein Hotel lag, das Hotel selbst und trotz der mühevollen Verständigung mit der Lobbydame schließlich auch mein Zimmer.
Schnell war ich also im Bilde: Nur mit Englisch komme ich in Paris nicht
weit. Nun wollte ich mich allerdings bei den weiteren unvermeidlichen
Konversationen mit Einheimischen nicht mehr auf mein mangelhaftes
Französisch bzw. auf meine Intuition verlassen. Ich beschloss, einen
Stadtplan zu kaufen. Leicht gesagt, nicht leicht getan. Meinen Marsch trat
ich in der unendlich langen Straße "Rue du Versailles" an. Die
Modemarken der Pariser "Haute Couture" waren hier so gut wie gar
nicht vertreten, die vielen kleinen Geschäfte aber machten mir Hoffnung,
dass ich in einem von ihnen fündig werde. Das kleine Abenteuer, das ich
anschließend erlebte, indem ich mit meinem "Ecscuse moi, je cherche
..." usw. verschiedene Menschen neugierig auf ihre Reaktion ansprach,
machte Spaß. Einer von ihnen war ein Metrobeamter: "Je ne comprends
pas le Francais", erklärte ich ihm den Grund, warum ich kein Wort von
alldem, was er mir sagte, verstand. Und ich verstehe kein Englisch, lautete
seine Antwort, auf Französisch versteht sich. Klare Sprache.
Ich will Sie aber nicht länger auf die Folter spannen: Den begehrten
Pariser Stadtplan habe ich letzten Endes doch gekauft und erleichtert ging
ich - immer noch auf der Rue de Versailles - in ein Café. Nachdem ich mein
wohl verdientes Erfrischungsgetränk an der Theke bezahlte und am Tisch
trinken wollte, kam blitzschnell eine emotionsgeladene Wortdusche des
Barkeepers auf mich zu. Auch jetzt verstand ich natürlich kein Wort.
Madame, hier sind Sie in Frankreich, Sie müssen sich anpassen, half mir
auf Englisch einer der an der Bar stehenden Gäste. Ein Franzose, auf den
ersten Blick aber nicht europäischer Abstammung, der offensichtlich etwas
mehr als ich über die Anpassung in Frankreich wusste.
Zum Schluss meine Empfehlung: Wenn Sie nach Frankreich reisen, dann lernen Sie französisch. Und den Kaffee trinken Sie am besten an der Bar, wenn sie ihn dort bestellt haben.





