Feuilleton Es brennt in Brünn
Vor wenigen Tagen habe ich eine Dienstreise ins mährische Brünn gemacht. Der stellvertretende Bürgermeister eines Brünner Stadtteils hatte von einem Mahnmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee Hammer und Sichel wegflexen lassen. Und zwar nachts, nachdem das Mahnmal gerade wenige Stunden zuvor restauriert worden war. Tschechischer Pragmatismus.
Brünn
Jedenfalls hatte ich Interview-Termine auf dem Rathaus dieses Stadtteils.
Zuerst der Bürgermeister. Ein schlanker Mann älteren Jahrgangs, nicht
ohne Falten. Er bittet mich freundlich in sein Büro. Was ich denn genau
vorhätte? Ich berichte also über die geplante Reportage, da steht der
Bürgermeister schon wieder auf, geht um den Tisch herum, beugt sich -
während er mich anschaut - ein wenig vor und lächelt verschwörerisch.
Er
wisse ja nicht, wie das mit mir aussehe. Aber man könne sich ja
vielleicht
einigen, druckst er und windet sich dabei um die eigene Achse. Ich solle
ihn nicht falsch verstehen, aber ich wisse ja sicherlich, dass es Gesetze
gebe. Aber wenn man zu einer Einigung finde, eine Art Abmachung zustande
brächte, dann wäre das– mehr oder weniger – auch dem Gesetz egal.
Das
Problem sei eben der öffentliche Raum (Ein hilfloser Blick von mir).
Kurz:
Ob ich Raucher sei? Ein breites Grinsen stand auf seinem Gesicht. Kein
Problem, sagte ich und schon holte der Bürgermeister einen ledernen
Tabaksbeutel hervor, auch nicht ohne Falten, und drehte sich eine
Zigarette. Und schon sprudelte es aus ihm heraus. Die ganze
Hammer-und-Sichel-Geschichte, wegen der ich ja da war.
Das Büro des stellvertretenden Bürgermeisters lag direkt eine Tür
gegenüber. Auch hier ein freundlicher Empfang. Ich möge mich
setzen, Kaffee oder vielleicht ein Wasser? – Worum es denn gehe, fragt
der Stellvertreter, ein lebhafter Blondschopf Mitte Vierzig. Ich lege also
los, da steht der stellvertretende Bürgermeister auch schon wieder auf,
nestelt in seiner Schreibtischschublade und kommt zurück an den Tisch.
Ein
Blick von Aug zu Aug. – Es sei zwar nicht wirklich erlaubt, aber wenn
ich
meine Zustimmung gäbe, dann sei das wie eine Übereinkunft und damit ok.
Ob er sich eine anstecken dürfe?
Ein running Gag in Brünn. Da raucht man in den oberen Etagen jedenfalls, bis sich die Rathausbalken biegen. Allerdings nur nach höflich erbetener Einigung, Abmachung, Übereinkunft, die als legale Alternative quasi – wenn man so will - vom tschechischen Gesetzgeber einfach nur vergessen wurde.
Als dann mein dritter Gesprächspartner – der Stadtrat Soundso –
gerade Luft holte, da schnappte dann auch schon mein Feuerzeug.






