Feuilleton Die europäische Tropenhitze und ihre Folgen
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber es gibt nicht viele Möglichkeiten, um die tropische Hitze dieser Tage auch dauerhaft zu ertragen. Entweder man arbeitet ein bisschen oder faulenzt bei laufender Klimaanlage, oder man geht baden und hat einen jederzeit schattigen Liegeplatz. Natürlich nicht in der mollig warmen Brühe eines Prager Freibades, das richtige Badevergnügen bekommt man nur am Meer.
Foto: ČTK
Also nicht in Tschechien. Daher nichts wie weg, ab in den Flieger und nach
rund drei Stunden wieder gut landen. Zum Beispiel in Beirut am Mittelmeer
– einfach herrlich. Hat man nicht das nötige Kleingeld, dann bleibt ja
noch die Billigvariante: Man stellt sich fortwährend unter die kalte
Dusche und zischt das eine oder andere Bier. Natürlich alkoholfrei, doch
dazu später mehr.
Andres Iniesta (Spanien) und Rafael van der Vaart (Niederlanden). Foto: ČTK
Bullenhitze, Affenhitze, Tropenhitze. Woher stammen diese Begriffe, die
den Zustand einer außerordentlich hohen Erwärmung charakterisieren?
Natürlich, aus Afrika, dem immer warmen schwarzen Kontinent; dort, wo eben
die Affen und die Afrikanischen Büffel, die Kaffernbüffel, zu Hause sind.
Afrika und immer warm? Aber nicht doch, das hat man doch erst jüngst
gesehen. Na klar, bei der Fußball-WM in Südafrika, wo den Fußballfans
zum Teil fröstelte und das Gekicke auf dem Rasen einen auch nicht
unbedingt erwärmte. Aber clever war, wie die Europäer verhandelt haben.
Eine WM im afrikanischen Winter auszurichten, das konnte ja nichts werden
für die sonnenverwöhnten Afrikaner oder Südamerikaner. Europa aber
räumte ab: Gold, Silber, Bronze an Spanien, die Niederlande und
Deutschland, und einige Deutsche brachten sogar eine fiebrige Grippe mit
zurück ins aufgeheizte Europa. Verrückt, verrückt.
Bodenwellen auf der D5 (Foto: ČTK)
Der Tropensommer in Tschechien schreibt nicht minder eigenwillige
Geschichten. Akute Waldbrandgefahr, die frühe Ernte oder das vermehrte
Auftreten des Kreislaufkollapses – alles schon mal dagewesen. Aber eine
rasante Sprungschanze im Hochsommer, und das mitten auf der Autobahn, das
hat doch was, oder? Nur schade, dass man die großen Bodenwellen auf der D5
und auf dem Prager Autobahnring so schnell entdeckt hat. Sonst hätte man
ja auch mal mit dem eigenen Gefährt in die Luft gehen können – um auf
der D5 knapp 40 km weiter östlich wieder zu landen. In Pilsen, direkt vor
der Urquellbrauerei.
Foto: www.bernard.cz
In diesem Fall wäre man womöglich noch Zeuge eines ungewöhnlichen
Duells zweier Brauereien geworden. „David gegen Goliath“ heißt der
ewig junge Zweikampf, bei dem diesmal die Familienbrauerei Bernard den
Bierriesen aus Pilsen herausgefordert hat, zu beweisen, dass dessen
selbstverliebte Werbung „Der Geschmack übertrifft alle anderen“ auch
zutrifft. Mit diesem Slogan bewirbt die Urquellbrauerei ihr preisgekröntes
alkoholfreies Bier der Marke Birell. Sehr zum Unverständnis von Bernard
und anderer kleinerer Brauereien im Land. Deshalb will Bernard jetzt das
eigene Alkoholfreie und Birell von 25 unabhängigen Konsumenten in einem
öffentlichen Duell verkosten lassen. Eine Schnapsidee? Ach was, alles
geht, und was ist schon normal in diesem afro-europäischen Tropensommer?






