Feuilleton Der Dumme ist immer der Kunde - aber er weiß sich zu wehren
Sie wissen bestimmt, dass der Europäischen Union die hohen Gebühren für Mobilfunkgespräche im Ausland schon lange ein Dorn im Auge sind. Daher werden diese so genannten Roaming-Kosten seit einigen Jahren schrittweise von Amts wegen gesenkt. Seit 1. Juli dieses Jahres dürfen die Telekomanbieter für abgehende Gespräche im Ausland maximal 39 Cent, für eingehende Telefonate höchstens 15 Cent verrechnen.
Foto: Igor Bernardes Grillo, www.sxc.hu
Nicht schlecht gestaunt habe ich deshalb, als ich wenige Tage später in
Polen für einen Anruf auf meinem tschechischen Handy umgerechnet fast
einen Euro bezahlt habe. Oder eigentlich zwei. Denn das Gespräch hat
exakt
eine Minute und eine Sekunde gedauert, also aus der Sicht meines –
mittlerweile ehemaligen - Mobilfunkanbieters zwei, denn eine angefangene
Minute zählt ab der ersten Sekunde voll. Das Gleiche ist mir wenig
später
in Deutschland noch zweimal passiert.
Also habe ich mich über das Reklamationsformular im Internet an meinen damaligen Telefonanbieter gewandt. Nach einigen Wochen bekam ich eine Textmitteilung folgenden Inhaltes auf mein Handy: „Ihre Reklamation vom soundsovielten Juli wurde von der zuständigen Abteilung sorgfältig geprüft und für unbegründet befunden.“ Kein Name des Bearbeiters, keine Telefonnummer. Also eine E-Mail an die Beschwerdestelle des Telekomkonzerns geschickt. Vergangene Woche, mehr als zwei Monate später also, bekam ich nun die Antwort: „In der Sache bleiben wir bei unserem Standpunkt. Es tut uns aber leid, dass Sie mit der Art unseres Umgangs mit Reklamationen nicht zufrieden waren. Wir weisen Sie in diesem Zusammenhang auf unsere kostenlose Service-Hotline und unsere Filialen hin, wo wir sie gerne beraten. Wir hoffen, die Angelegenheit ist damit geklärt und Sie zählen in Zukunft wieder zu unseren zufriedenen Kunden.“
Oh nein, da irrt sich die Dame vom Kundenservice, die diesmal – wie
höflich - sogar ihren Namen angegeben hat, aber gewaltig. Sieben Jahre
habe ich die Dienste der ehemals staatlichen, inzwischen nach Spanien
verkauften und mit einem an das chemische Zeichen für Sauerstoff
erinnernden Kürzel neu benannten staatlichen Telekom in Anspruch
genommen.
Doch nachdem nun das Guthaben auf der Wertkarte aufgebraucht war, ist
selbige
in den nächsten Mülleimer gewandert. Seit einigen Wochen telefoniere
nun
bei der Konkurrenz. Im Inland zum gleichen Preis, im Ausland zum von der
EU
festgesetzten Maximaltarif.
Dass ich ob der vor Kurzem verbreiteten Nachricht, die ehemalige
staatliche tschechische Telekom verliere massenhaft Kunden und kämpfe mit
einem massiven Gewinneinbruch, meine Schadenfreude nur schwer verbergen
kann, dürfte Sie nun nicht wirklich erstaunen, liebe Hörerinnen und
Hörer.






