Tschechien in Europa Tschechische Landwirtschaft vor dem EU-Beitritt

29-03-2004 | Dagmar Keberlova

Seien Sie herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu einer weiteren Folge unseres Eurodominos. Dagmar Keberlova hat sich einen Monat vor dem EU-Beitritt umgehört, wie die Situation in der tschechischen Landwirtschaft aussieht. Die Bilanz: gut, meint der tschechische Landwirtschaftsminister. Hören Sie mehr gleich.

Landwirtschaftsminister Jaroslav PalasLandwirtschaftsminister Jaroslav Palas Etwa einen Monat vor dem EU-Beitritt hat der tschechische Landwirtschaftsminister Jaroslav Palas eine Bilanz über den Stand der Vorbereitungen auf dem Sektor gezogen, für den sein Ressort verantwortlich ist:

"Ich bin überzeugt, dass die tschechische Landwirtschaft auf den EU-Beitritt gut vorbereitet ist. Wir sind jetzt im Endspurt, da nur noch wenige Tage bis zum Beitritt bleiben. Wir sind dabei, einige Normen noch zu beschließen, sie werden bis zum 1. Mai fertig sein. In der Endphase ist auch der Aufbau der Zahlungsagentur, die sich um den Finanzfluss der Gelder aus der EU zu unseren Bauern kümmern wird. Die Akkreditierung der Agentur sollte ebenfalls bis zum 1. Mai abgeschlossen sein. Die Bauern sagen mir, dass sie voller Erwartung sind. Selbstverständlich ist es ein Schritt ins Unbekannte, in neue Bedingungen. Aber sie wissen, dass die positiven Dinge gegenüber denjenigen überwiegen, die - ich will sie gar nicht als negative bezeichnen - aber beispielsweise gegenüber der Bürokratie, die ihnen das Leben etwas unangenehm machen werden."

Gibt es aber vielleicht spezifische Probleme, die auch nach dem EU-Beitritt in diesem Bereich andauern könnten? Landwirtschaftsminister Palas weiter:

"Es gibt schon Dinge, die unsere Landwirtschaft spezifisch machen. Auch wenn wir das Modell der multifunktionellen, europäischen Landwirtschaft angenommen haben, die nicht nur die Nahrungsmittelproduktion sichert, sondern sich auch um den Naturschutz kümmert und die Landschaft entwickeln will, ist die Struktur unserer Landwirtschaft trotzdem anders. Wir haben vor allem große Betriebe, wir haben zu viel Ackerland - dies muss geändert werden. Auch der Anteil des gemieteten Landes ist zu groß, zu 90 Prozent wirtschaften unsere Bauern auf gemieteten Feldern. Auch dies sollte sich ändern. Es gibt Projekte zum Verkauf von Land. Derzeit läuft der Verkauf von 900 000 Hektar staatlichen Landes. Also, es stehen uns noch viele Aufgaben bevor, auch nach dem EU-Beitritt."

In der vergangenen Woche kam Markus Holzer nach Tschechien, Chef der Abteilung für ländliche Entwicklung der Generaldirektion für Landwirtschaft der Europäischen Kommission. Ich fragte ihn nach dem Grund seines Besuchs:

"Ich habe die Einladung hierher gern angenommen, um etwas näher in die Regionen zu kommen. Für uns ist es wichtig zu sehen, wie die Betroffenen darauf, was die Kommission vorschlägt, reagieren und was dann von der tschechischen Regierung umgesetzt wird."

Holzer hatte seine Erfahrung hier mit der in den anderen Ländern verglichen:

"Ich habe ein Deja-vu-Erlebnis gehabt. Ich habe keine Überraschungen erlebt. Es ist wichtig für ein neues Mitgliedland, dass keine Überraschungen da sind. Ich möchte mich über keine technischen Details äußern, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dieselben Sorgen, Wünsche, aber auch dieselben weitsichtigen Ideen sind referiert worden und ich nehme einen sehr guten Eindruck mit nach Brüssel zurück."

Herr Holzer hat im Rahmen seiner Visite auch zwei SAPARD Projekte gesehen. Und wie sieht er die Situation hierzulande einen Monat vor dem Beitritt?

"Ich sehe beides, die Skeptiker und die, die es positiv angehen wollen. Mein Herz schlägt immer für die, die es angehen wollen. Ich habe auch ein Ohr für die Skeptiker, weil es oft berechtigte Kritik an Prozeduren ist. Man muss auf Skeptiker hören, man muss ihnen aber nicht immer folgen."

Abschließend fragte ich Landwirtschaftsminister Jaroslav Palas, ob er glaubt, dass die tschechischen Bauern nach dem EU-Beitritt aus den verschiedensten Geldmitteln schöpfen werden können:

"Ich bin Optimist. Wenn ich es am Beispiel des Programms SAPARD bewerte, das vor dem EU-Beitritt lief, so waren wir unter den Kandidatenländern die besten. Wir haben 1600 SAPARD Projekte organisiert. Daher bin ich ziemlich zuversichtlich, dass unsere Bauern Projekte vorbereiten und beantragen können. Also ich habe keine Angst, dass sie die ihnen zur Verfügung stehenden Geldmittel nicht nutzen könnten."



Folgende Hinweise bringen Ihnen noch mehr Informationen über den Integrationsprozess Tschechiens in die Europäische Union:

www.integrace.cz - Integrace - Zeitschrift für europäische Studien und den Osterweiterungsprozess der Europäischen Union
www.euroskop.cz
www.evropska-unie.cz/eng/
www.euractiv.com - EU News, Policy Positions and EU Actors online
www.auswaertiges-amt.de - Auswärtiges Amt

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