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17-11-2017 17:20 | Till Janzer

Tschechien gedenkt der Samtenen Revolution von 1989

Mit zahlreichen Gedenkakten im ganzen Land und einem großen Fest auf dem Prager Wenzelsplatz erinnert Tschechien am Freitag an den Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989.

Bereits am Morgen legten viele Menschen, darunter auch Spitzenpolitiker, an einem Mahnmal auf der Prager Národní třída (Nationalstraße) Kränze nieder und zündeten Kerzen an. Vor 28 Jahren war dort ein Studentenprotest niedergeknüppelt worden, was zum Beginn der „Samtenen Revolution“ führte. Das 17. November gilt daher in Tschechien heute als „Tag der Freiheit und Demokratie“.

Als einer der ersten, die am Mahnmal auf der Národní třída erschienen, war Tschechiens wahrscheinlich nächster Premier, Andrej Babiš. Der Ano-Parteichef wurde von einigen Anwesenden ausgepfiffen, unter anderem erinnerten sie an seine nicht geklärte Zusammenarbeit mit der tschechoslowakischen Staatssicherheit (StB). In einer Reaktion sagte Babiš, die Menschen hätten das Recht auf ihre Meinung, auch dies sei ein Erfolg der „Samtenen Revolution“.

Mehrere Parteien und politische Gruppierungen hatten zudem für den Nachmittag zu Kundgebungen aufgerufen. Da in Prag fast zeitgleich Autonome und Rechtsextreme auf die Straße gingen, verstärkte die Polizei ihre Präsenz. Dabei kam es nach 15 Uhr zu einem Handgemenge zwischen Rechtsextremen und den Einsatzkräften der Polizei. Laut dem Nachrichtenportal Novinky.cz wurden mindestens zwei Menschen vorübergehend festgenommen.

Am Nachmittag und Abend gipfeln die Feiern in einem Konzert auf dem Prager Wenzelsplatz sowie einer Preisverleihung. Zum „Konzert für die Zukunft“ werden bis zu 100.000 Menschen erwartet. Dort treten unter anderem etwa die Band Zrní oder der Jazz-Trompeter Laco Déczi auf, zudem haben sich einige Redner angekündigt.

Im Nationaltheater werden ab 20 Uhr erneut Menschen geehrt, die sich gegen das kommunistische Regime oder schon vorher gegen den Nationalsozialismus gestellt haben. Mit dem „Tag der Freiheit und Demokratie“ wird nämlich auch an die Verhaftung und Ermordung tschechischer Studenten durch die deutschen Besatzer im November 1939 erinnert. Nach einem friedlichen Trauermarsch nahm die Gestapo insgesamt 1200 Studenten fest und verschleppte sie in Konzentrationslager, neun von ihnen wurden am 17. November noch in Prag erschossen.

Premier Sobotka: Tschechien muss sich mehr um Beschäftigung von Frauen kümmern

Tschechien müsse sich stärker um die Beschäftigung von Frauen kümmern und die Ausbildung in technisch-praktischen Berufen fördern. Dies hat Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) am Freitag beim EU-Sozialgipfel in Göteborg gesagt. Zugleich begrüßte der tschechische Regierungschef, dass sich die Mitgliedsstaaten bei dem Treffen für eine „Säule sozialer Rechte“ ausgesprochen haben. Soziale Themen müssten „untrennbarer Teil der Debatte über die Reform der Europäischen Union“ sein, so Sobotka.

Der Premier verwies aber auch darauf, dass Tschechien mit 3,6 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote aller europäischen Staaten hat. Bei der Beschäftigungsquote von Frauen liegt Tschechien mit 66 Prozent jedoch nur im Mittelfeld der 28 Mitgliedsstaaten.

Gedenken an Verhaftung und Ermordung von tschechischen Studenten 1939

Politiker, Vertreter von Hochschulen und Studenten haben am Freitag in Prag an die Verhaftung und Ermordung von tschechischen Studenten durch die Nationalsozialisten im Jahr 1939 erinnert. Im Anschluss an einen friedlichen Trauerzug nahmen die deutschen Besatzer damals insgesamt 1200 Studenten fest und verschleppten sie in Konzentrationslager. Neun von ihnen wurden am 17. November noch in Prag erschossen.

Die Gestapo sei damals in die Studentenwohnheime in Prag, Brno / Brünn und Příbram eingedrungen, so Vojmír Srdečný, einer der letzten Überlebenden der Ereignisse, beim Gedenkakt vor dem Hlávka-Wohnheim in der Prager Neustadt. Danach sei man in Kasernen und später ins KZ Sachsenhausen gebracht worden, so Srdečný. Aufgrund der Ereignisse wurde der 17. November zwei Jahre später zum internationalen Studententag erklärt.

Ausgaben für Grundsicherung deutlich gesunken

Die Ausgaben des tschechischen Staates für Grundsicherung sind in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Von Januar bis September wurden 5,7 Milliarden Kronen (220 Millionen Euro) für Bedürftige aufgewendet, wie aus einem Bericht des Ministeriums für Arbeit und Soziales hervorgeht. Dies sind rund 20 Prozent weniger als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Hintergrund ist die positive konjunkturelle Entwicklung und die niedrige Arbeitslosenquote im Land.

Auch die Gesamtzahl der Leistungsempfänger ist gesunken: In diesem September lag sie bei knapp 140.000, vor einem Jahr hatte sie noch bei 185.000 gelegen. Die Grundsicherung orientiert sich am sogenannten Lebensminimum. Das wird hierzulande mit 3410 Kronen (130 Euro) angegeben. Nicht dazu gehören die Mietkosten.

Über 1600 Besucher bei Tag der offenen Tür im Prager Liechtenstein-Palais

Über 1600 Neugierige haben sich am Tag der offen Tür das Liechtenstein-Palais auf der Prager Kampa angesehen. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert dient vor allem für offizielle Empfänge und die Unterbringung von Staatsgästen, zum Staatsfeiertag an diesem Freitag war es jedoch für Besucher zugänglich. In dem Palais waren in den vergangenen Jahren unter anderem auch die englische Queen oder der japanischen Kaiser bei ihren Besuchen untergebracht.

Das Gebäude war 1698 im Stil des Barock gebaut worden. Im 19. Jahrhundert erwarb die Fürstenfamilie Liechtenstein das Palais. Später erhielt das sechseckige Haus eine klassizistische Fassade. Beim Hochwasser von 2002 wurde das Erdgeschoss beschädigt, die Ausbesserungsarbeiten sind noch nicht beendet.

Skisaison in Tschechien startet

In mehreren tschechischen Wintersportorten ist am Freitag die Skisaison eröffnet worden. Die Pisten waren zum Großteil künstlich beschneit. Im Riesengebirge steht zum Beispiel im Ressort Černá hora (Schwarzenberg, 1299 M.ü.M.) eine 300 Meter lange Abfahrt zur Verfügung. Sie wird vorerst nur freitags bis sonntags geöffnet sein.

Aber auch an niedriger gelegenen Orten konnten die Besucher erstmals die Bretter anschnallen. So etwa im Areal Monínec rund 80 Kilometer südlich von Prag.

Das Wetter am Freitag, 18. November

Nach der Auflösung örtlicher Frühnebelfelder ist es am Freitag in Tschechien zunächst meist heiter bis wolkig. Vereinzelt sind Schauer möglich, die oberhalb 600 Metern in Schnee übergehen. Zum Abend hin werden die Wolken dichter, mit örtlichen Schnee-, Schneeregen- oder Regenschauern. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 3 bis 7 Grad Celsius. In Lagen um 1000 Meter leichter Frost.