Täglicher Nachrichtenüberblick Täglicher Nachrichtenüberblick

29-09-2017 14:51 | Till Janzer

Sobotka: Stärkere Kooperation muss prinzipiell für alle EU-Mitgliedsstaaten offen stehen

Die Europäische Union sollte laut Premier Bohuslav Sobotka ihre Entscheidungsprozesse beschleunigen. Darüber seien sich auch die EU-Spitzen am Donnerstag zum Auftakt ihres Gipfeltreffens in Tallin einig gewesen, teilte Sobotka mit. Bisher würden die Staats- und Regierungschefs oder die Minister erst nach mehreren Monaten zu einem Kompromiss kommen können, sagte der tschechische Premier. Deswegen soll der EU-Ratspräsident Donald Tusk in den nächsten Wochen Änderungsvorschläge vorlegen, um die Kommunikation zu verbessern.

Sobotka bezeichnete es zudem als wichtig, dass eine stärkere Kooperation einiger Länder nicht zu exklusiven Klubs innerhalb der Union führe. Alle Formen stärkerer Integration und Zusammenarbeit müssten für alle EU-Mitgliedsstaaten offen bleiben, unterstrich der Sozialdemokrat.

Aung San Suu Kyi verschiebt Besuch in Tschechien

Myanmars faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat ihren Besuch in Tschechien verschoben. Die Friedensnobelpreisträgerin wolle wegen der angespannten Lage um die muslimische Minderheit Rohingya im eigenen Land bleiben, teilte das tschechische Außenministerium am Freitag mit. Suu Kyi hätte im Oktober nach Tschechien kommen sollen.

Die frühere Dissidentin hatte 2013 bereits am „Forum 2000“ in Prag teilgenommen, das auf Václav Havel zurückgeht. Der tschechoslowakische und spätere tschechische Staatspräsident war es auch gewesen, der Aung San Suu Kyi für den Nobelpreis im Jahr 1991 vorgeschlagen hat.

Staatspräsident Zeman wirft Kabinett Sobotka vor, Chancen verschenkt zu haben

Als „Kabinett der vergebenen Chancen“ hat Staatspräsident Miloš Zeman die scheidende Regierung von Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) bezeichnet. Man habe es versäumt, Reformen durchzuführen, sagte Zeman am Donnerstagabend gegenüber dem privaten Fernsehsender TV Barradov. Eine Regierung, die keine Reformen tätige, halte er für schlecht, ergänzte das Staatsoberhaupt.

Das Verhältnis zwischen Zeman und Premier Sobotka gilt als zerrüttet. Im Herbst 2013 hatte der Präsident einen Putschversuch innerhalb der Sozialdemokraten gegen den angehenden Regierungschef unterstützt.

Protest gegen Hasskommentare: EU-Kommissarin Jourová schließt Facebook-Konto

Die tschechische EU-Kommissarin Věra Jourová, zuständig für Justiz und Verbraucherschutz, hat aus Protest gegen Hasskommentare ihr Facebook-Konto geschlossen. Dies gab die liberale Politikerin am Donnerstag bekannt. Jourová nannte das soziale Netzwerk eine „Autobahn des Hasses“.

Dennoch sprach sich die Kommissarin am Donnerstag nicht für Strafen gegen Internet-Firmen aus, die Hasskommentare nicht von ihren Seiten löschen. Jourová begründete dies mit ihrer Erfahrung von Zensur in der früheren kommunistischen Tschechoslowakei. Gerade auch Deutschland fordert solche Strafen.

„Rum“-Streit: Präsidentensprecher vergleicht EU mit Drittem Reich

Der Sprecher von Präsident Miloš Zeman hat die Europäische Union mit Nazi-Deutschland verglichen und als „Reich“ beschimpft. Hintergrund ist ein Streit um die Zukunft des Rum-Ersatzes „Tuzemák“, dessen Aromastoffe möglicherweise krebserregend sind. „Das Reich hat entschieden, dass im Protektorat kein Tuzemak mehr getrunken werden darf“, empörte sich Sprecher Jiří Ovčáček auf seinen privaten Twitter- und Facebook-Konten.

In der vergangenen Woche hatte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit auf einen krebserregenden Inhaltsstoff in der hierzulande beliebten Spirituose hingewiesen. Die EU-Kommission erwägt ein Verbot der Substanz.

Mehrheit der Tschechen für Ausbau des umstrittenen AKWs Temelín

Eine Mehrheit der Tschechen hat sich in einer neuen Umfrage für einen weiteren Ausbau der Kernenergie ausgesprochen. Insgesamt befürworteten 59 Prozent der mehr als 1000 Befragten eine Erweiterung des in den Nachbarländern umstrittenen Atommeilers Temelín in Südböhmen. Das berichtete das Tschechische Fernsehen am Donnerstag. Dagegen waren 35 Prozent.

Temelín ist nur rund 60 Kilometer von den Grenzen zu Bayern und Österreich entfernt. Für die meisten Tschechen ist die Kernenergie zugleich nicht mehr die einzige Zukunftsoption. Ganze 80 Prozent sprachen sich für einen Ausbau alternativer Energiequellen aus.

Tschechen leben kürzer als Westeuropäer

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Tschechien steigt. Seit dem Jahr 2000 hat sie sich bei Männern um 4,5 Jahre auf 76,2 Jahre erhöht und bei Frauen um fast 4 Jahre auf 82,1 Jahre.

Trotzdem leben Tschechinnen und Tschechen einige Jahre kürzer als die Menschen in West-, Süd- und Nordeuropa. Eine Lebenserwartung wie derzeit in den reicheren EU-Staaten könnte hierzulande laut Schätzungen erst Anfang der 2030er Jahre erreicht werden. Die Daten stammen aus einem internationalen Vergleich und vom Tschechischen Statistikamt.

Das Wetter am Samstag, 30. September

Am Samstag ist es in Tschechien zunächst meist heiter, nur vereinzelt hält sich dichter Hochnebel. Im böhmischen Landesteil werden dann im Laufe des Tages die Wolken dichter, und im Westen sind später auch Schauer möglich. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 16 bis 20 Grad Celsius. Unter der Nebeldecke werden maximal 15 Grad erreicht.