Tschechische Unesco-Denkmäler aus der Sicht eines deutschen Touristen

Haben Sie schon einmal in Tschechien Urlaub gemacht? Haben Sie die tschechischen Unesco-Denkmäler besichtigt? Das hat auch die Deutsche Teresa Foff gemacht. Für den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds hat sie erforscht, wie man sich dort als deutschsprachiger Tourist zurechtfindet.

Frau Foff, ihr einjähriges Auslandsstudium in Prag ist nun zu Ende. Sie haben für dieses Jahr ein Stipendium des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds erhalten. Sie haben dieses Stipendium aber nicht einfach so bekommen, sondern Sie mussten dafür etwas leisten, ein Projekt durchführen. An was für einem Projekt haben Sie im vergangenen Jahr gearbeitet?

„Mein Projekt heißt ‚Bewertung der Unesco-Weltkulturerbestätten in Tschechien aus der Sicht eines deutschen Touristen’. Und in dem Projekt geht es darum, deutschen Touristen, die nach Tschechien reisen, diesen Aufenthalt zu erleichtern. In Tschechien gibt es zwölf Weltkulturerbestätten der Unesco. Das ist eine ziemlich hohe Anzahl für so ein kleines Land. An diese Stätten bin ich gereist und habe geschaut, wie man sich als deutscher Tourist dort zurechtfinden könnte.“

Sie sprechen Tschechisch. Sie können also immer auf die Landessprache ausweichen, wenn Sie nicht weiter wissen. Wie funktioniert das, wenn man des Tschechischen nicht mächtig ist und vielleicht noch nicht einmal Englisch spricht?

„Zum Teil recht schwierig. Es war auch für mich – besonders bei den ersten Besuchen – schwierig, mich zu beherrschen und mir zu denken: ‚Ich bin hier der deutsche Tourist, der wirklich nur Deutsch spricht.’ Wenn es dann gar nicht ging, wenn ich mich zurechtgefunden habe oder in den Infozentren kein Deutsch gesprochen wurde, bin ich auch auf Englisch ausgewichen. Denn ich gehe davon aus, dass sich auch die meisten Deutschen zumindest ein bisschen auf Englisch verständigen können.“

Sie haben es schon erwähnt: In Tschechien gibt es zwölf Unesco-Weltkulturerbestätten. Darunter sind ein paar bekannte, aber auch ein paar weniger bekannte. Die bekannteste ist wohl Prag. Das historische Zentrum der Hauptstadt steht seit 1992 auf der Unesco-Weltkultrerbeliste. Dort haben Touristen vermutlich weniger Probleme sich auf Deutsch zurechtzufinden, oder gibt es auch in Prag von Ihrer Seite etwas zu beanstanden?

„Auf Prag habe ich mich nicht so spezialisiert. Ich würde fast behaupten, dass Deutsch und Englisch, besonders im Stadtzentrum Prags, fast schon zur Alltagssprache gehören. Bei den anderen Städten, gerade bei den weniger bekannten, war es dafür aber natürlich umso interessanter.“

Kommen wir also zu den weniger bekannten. Kannten Sie denn vorher schon alle?

„Nein, durchaus nicht. Ich kannte noch nicht alle.“

Wenn man bei einem solch prestigeträchtigen Titel wie „Unesco-Weltkulturerbe“ überhaupt davon sprechen kann: Gibt es Geheimtipps?

„Ich würde sagen, dass alle höchst interessant sind, sonst hätten sie diesen Titel auch sicher nicht bekommen. Mir ging es aber weniger darum zu schauen, was an der Stadt interessant ist, oder was schöner ist vom kulturellen Aspekt her, sondern einfach nur von dem Aspekt her, wie der deutsche Tourist dort klar kommen würde. Es gab da zum Teil Probleme überhaupt erstmal dorthin zu finden, weil es an der Ausschilderung Mängel gab. Wenn ich in der jeweiligen Stadt eingetroffen bin, habe ich immer zuerst ein Infozentrum aufgesucht und habe geschaut: ‚Welche Infomaterialien liegen vor? Gibt es sie in deutscher Sprache? Gibt es darin einen Hinweis, dass die Stadt von der Unesco ausgezeichnet ist? Und natürlich auch: Wie komme ich vom Infozentrum zu der Sehenswürdigkeit?’ Das war bei manchen Städten natürlich einfacher, wie zum Beispiel in Telč, wo auch der historische Stadtkern von der Unesco ausgezeichnet ist. In Brno / Brünn wiederum ist nur die Villa Tugendhat ausgezeichnet, und da spielt dann natürlich auch eine Rolle, wie man vom Stadtkern zur Villa gelangen kann.“

Es geht ja oft nicht nur um die Denkmäler selbst. Touristen wollen ja auch etwas essen, Souvenirs kaufen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen und so weiter. Was haben Sie in dieser Hinsicht für Erfahrungen gemacht?

„Das sind eben die Dinge, an denen es normalerweise nicht scheitert. Es ist meistens nicht das Problem, gutes Essen zu finden oder eine Pension, sondern eher, dass man auf die Kultur nicht hingewiesen wurde.“

Wie würden Sie den Zustand der Unesco-Denkmäler in Tschechien bewerten?

„Insgesamt schon in Ordnung. Die Villa Tugendhat ist natürlich ein extremeres Beispiel. Es steht ja auch schon seit längerem im Raum, sie zu renovieren. Ich nehme aber mal das Beispiel Zelená hora. Dort ist die Kirche des Heiligen Nepomuk durch die Unesco ausgezeichnet. Das ist wirklich ein sehr schönes Denkmal, aber ich war dort im späten Winter, und dort war überhaupt nichts los. Die Kirche wurde gerade renoviert, und es sah wirklich grauenvoll aus. Ich habe dann in Erfahrung gebracht, dass es oft daran scheitert, dass finanzielle Mittel fehlen. Ich bin zuvor immer davon ausgegangen, dass diese Städte von der Unesco finanzielle Zuschüsse erhalten, aber das ist nicht der Fall. Es wird davon ausgegangen, dass Städte, sobald sie diesen Titel, diesen Stempel von der Unesco, haben, automatisch mehr Touristen anziehen, und dann auch mehr Geld haben, um Werbung zu machen. Das ist aber Meinung nach ein Fehlschluss, denn wenn die Städte kein Geld haben zu werben, können sie auch keine Touristen anlocken.“

Český KrumlovČeský Krumlov Sie haben nun alle der tschechischen Unesco-Denkmäler gesehen. Was hat denn Ihnen persönlich am Besten gefallen?

„Ich möchte das natürlich beantworten aus der Sicht des deutschen Touristen, der sich nicht auf das Denkmal direkt bezieht, sondern darauf an welchem Ort es für Touristen am Besten ausgearbeitet war. Und das war eindeutig in Český Krumlov der Fall. Das liegt natürlich auch sicherlich daran, dass diese Stadt mehr Geld zur Verfügung hat und sowieso schon sehr viele Touristen anzieht. In Český Krumlov sind jeder Ecke mehrsprachige Infoschilder und Hinweise auf die Unesco aufgestellt waren, so dass man dort als Tourist kaum „verloren gehen“ kann. Der Auslöser für mein Projekt war aber Třebíč. Dort war ich vor etwa zwei Jahren gewesen. Ich habe mich damals als deutscher Tourist dort wirklich schlecht zurechtgefunden. Nun wiederum habe ich in Třebíč eine der besten Service-Leistunen bekommen. Es ist also sehr positiv eine ständige Entwicklung in diesen Städten wahrzunehmen. Es geht ständig etwas voran.“

Gab es denn auch negative Überraschungen. Was würden Sie empfehlen oder wovon abraten?

„Ich möchte von gar nichts abraten! Ich finde, dass alle zwölf Stätten sehenswert sind und möchte auch noch einmal betonen, dass mein Projekt für die Städte eher eine Anregung sein soll, was man verbessern könnte. Besonders empfehlen…?! Ich finde alle sind sehenswert.“

 

Wenn Sie noch einmal nachlesen wollen, welche Denkmäler in Tschechien von der Unesco ausgezeichnet sind und wo diese liegen, dann finden Sie weitere Informationen hier .